Weinbau
Kleine Weinwelt, grosse Vielfalt: Die sieben Weinbau-Regionen im Aargau

Sieben Weinbau-Regionen zählt der Aargau, 75 Kelterungsbetriebe und 800 Winzerinnen und Winzer. Autor Stephan Thomas beschreibt sie kompetent und liebevoll im neuen Weinbuch.

Hans Lüthi
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Aargauer Wein
5 Bilder
Brestenberger Trauben vom Hallwilersee.
Holzfässer gehören zu einem guten Wein
Ein Fuchs im Rebberg, aufgenommen am 5. Oktober 2012.
Walter Deppeler in Tegerfelden.

Aargauer Wein

Hans-Peter Siffert

Um Aarau und im Schenkenbergertal gibt es ein Dutzend Weinbaubetriebe. Die 1895 gegründete Gnossi in Schinznach-Dorf geniesst eine zentrale Stellung, denn 48 Rebbauern liefern hier ihre Trauben ab – vom Hobbywinzer mit fünf Hektaren bis zum diplomierten Meister mit sechs Hektaren, der allein zehn Sorten anliefert.

Früher dominierten die Riesling-Sylvaner mit 50 Hektaren Fläche viel zu stark, was prompt zu Absatzproblemen führte.

«Wir haben bei den Rebbauern Druck gemacht, dass sie Riesling-Sylvaner ausreissen und Spezialitäten pflanzen», berichten Geschäftsleiter Hans-Peter Kuhn und Kellermeister Heinz Simmen.

Heute gibt es neben dem Riesling den Kerner mit seiner feinen Pfirsicharomatik und den Sauvignon blanc. Seine Aromatik umschreibt Simmen mit «der Passionsfrucht und frisch geschnittenen Brennnesseln». Vor einem konkreten Vergleich lässt man aber besser die Finger!

Am Geissberg hat es Gämsen, hier wird Kalkstein abgebaut, aber es gibt auch schöne Rebberge an den Südhängen in Böttstein, Villigen, Remigen, Rüfenach und auch Mandach.

Das Weingut von Bruno und Ruth Hartmann in Remigen steht schon im 28. Betriebsjahr, nach dem Start 1985 wurde 1992 die Kellerei erbaut.

Vor acht Jahren kam es zu einem Quantensprung, als nach Auflösung der örtlichen Genossenschaft sechs Hektaren Rebflächen dazukamen. Das Weingut Hartmann ist einer der wenigen Betriebe im Aargau, die Weine nach dem Label Vinatura produzieren.

Vom Unterengadin bis ins Emmental führen über 100 Restaurants Hartmann-Weine auf der Karte.

«Das hängt einerseits damit zusammen, dass Hartmanns Betrieb einer der grössten im Aargau ist und ein stattliches Volumen Weine zu verkaufen hat. Ebenso sehr spiegelt sich darin aber auch das Naturell von Bruno Hartmann. Er kann auf die Leute zugehen, er kann reden. Kurz: Er ist ein begnadeter Verkäufer», steht im Weinbuch wörtlich.

Ebenso wie alle seine Berufskollegen stehe auch er «im Spannungsfeld zwischen den eigenen Visionen und den Kundenwünschen».

Die schönsten Rebberge im Aargau liegen am Hallwilersee, die einzigen auch direkt an einem See – und bei Föhn mit Schneebergen dahinter. Der weitherum bekannte Brestenberg wird von Christina und Thomas Lindenmann aus Seengen bewirtschaftet.

Die Reflexion des Sonnenlichts durch den Seespiegel hat nicht nur Vorteile: «Der Austrieb ist oft früher als anderswo, wir sind durch späte Fröste gefährdet», sagt Thomas Lindenmann.

Der malerische See hat aber positive Auswirkungen auf die Weinwirtschaft: In den Restaurants schätzen die vielen Ausflügler einen Weissen.

So zum Fisch gerne einen fruchtigen Chardonnay, den Lindenmann ohne Holzkontakt vinifiziert.

Im Vergleich zu den Kalkböden des Juras herrschen hier Moränenböden, geprägt von Stein, Sand und Kies. Der geübte Verkoster Lindenmann glaubt nicht, dass sich der Wein stark von einem Fricktaler, Limmattaler oder Tegerfelder unterscheidet.

Die Goldwand ist zweifellos der bekannteste Rebberg im Aargau. So steht es im Weinbuch – ob das alle Rebbauern unterschreiben würden, ist eine andere Frage.

So oder so schützt die Goldwand die Bergflanke vor Überbauungen, die in der Nachbarschaft um sich greifen.

Von den etwa zehn Hektaren der Goldwand bewirtschaften Michael und Barbara Wetzel den Löwenanteil von rund 8,5 Hektaren.

Ein Viertel davon gehört der Ortsbürgergemeinde Baden. Wetzels Prioritäten heissen erstens der Weinberg, dann die Vermarktung, dann der Keller, wo sein Bruder Jürg als Kellermeister wirkt.

Als geborener Klinkenputzer sieht sich Michael Wetzel nicht und wäre beleidigt wie die meisten Winzer, wenn sich mögliche Käufer allzu negativ über seinen guten Wein äusserten.