Auftragsverlust
Kleindöttinger ABB-Fabrik in Krise – 60 Mitarbeitern droht Kündigung

Die Aufträge für ein ABB-Werk in Kleindöttingen gehen zurück. Die 2010 aufgebaute Fabrik beliefert das globale Minen-Geschäft und steht vor einer Teilschliessung. 60 Mitarbeiter in Kleindöttingen, Birsfelden und Dättwil könnten ihren Job verlieren.

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Die ABB-Fabrik befindet sich im Industriegebiet Kleindöttingen.
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Die Montage findet in Kleindöttingen statt - im Bild Statorstäbe.
ABB-Bereich getriebelose Mühlenantriebe

Die ABB-Fabrik befindet sich im Industriegebiet Kleindöttingen.

zvg

Der Industriekonzern ABB prüft die Schliessung zweier Produktionsstätten von getriebelosen Mühlenantrieben. Die schweren Maschinen - in Birsfelden hergestellt und in Kleindöttingen montiert - finden nicht mehr viele Käufer. Von der Schliessung könnten 60 Mitarbeitende betroffen sein, davon 25 in Kleindöttingen, 20 in Dättwil und 15 in Birsfelden.

Es kriselt im globalen Minengeschäft

Die ABB teilte am Mittwoch mit, dass sie ein «entsprechendes Konsultationsverfahren» mit der betrieblichen Arbeitnehmervertretung aufgegleist habe. In einer Stellungnahme begrüsst der Arbeitnehmerverband «Angestellte Schweiz» dieses Vorgehen. Laut der ABB hat der Rückgang der Aufträge im globalen Minengeschäfte mit der wirtschaftlich schwierigen Situation zu tun.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 sind die Rohstoffpreise immer weiter gesunken. Die Folge: Seit 2011 wird die Nachfrage nach getriebelosen Mühlenantrieben kleiner. Auf Anfrage erklärt die ABB-Mediensprecherin Michelle Kindhauser: «Seit letztem Jahr verzeichnen wir massiv weniger Bestellungen. Das Geschäft mit den Minen ist ein langfristiges. Nun verschieben die Minenbetreiber ihre Aufträge oder heben sie ganz auf.»

Werk 2010 aufgebaut

Die ABB hat das Werk in Birsfelden vor vier Jahren selbst aufgebaut. Falls es geschlossen wird, würde sich auch der dazugehörige Montage-Bereich in Kleindöttingen erübrigen. Dort würde aber nicht das ganze Werk geschlossen werden: Die Bereiche Motoren, Generatoren und Blechverarbeitung wären vom Stellenabbau nicht betroffen. Gesamthaft beschäftigt die ABB in Kleindöttingen 150 Personen.

Für den Fall, dass wirklich 60 Leute entlassen werden, stellt Michelle Kindhauser einen Sozialplan sowie die Unterstützung bei der internen oder externen Stellensuche in Aussicht. Der Arbeitnehmerverband «Angestellte Schweiz» fordert in seiner Stellungnahme «in erster Linie» interne Versetzungen für die Betroffenen. Der Verband schreibt: «Bei einer grossen Anzahl offener Stellen bei ABB sollte dies problemlos möglich sein. Allfällig resultierende längere Arbeitswege sind zu kompensieren.»

Arbeitnehmer wollen Schliessung verhindern

Für Alexander Bélaz, Präsident der ABB-Angestelltenvereinigung, ist die Frage nach einer Schliessung der beiden Werke noch offen. Damit die Schliessung verhindert werden kann, sucht er im Konsultationsverfahren gute Ideen für die Erhaltung des Werks. «An der Basis erhalten wir gute Ideen. Die Mitarbeiter kennen ihr Geschäft am besten», so Bélaz gegenüber der az.

Möglichkeiten wären zum Beispiel, dass die beiden Werke neu für andere ABB-Bereiche produzieren oder jeder Mitarbeiter sein Pensum etwas reduziert. «Mit guten Vorschlägen können wir sicher einige Stellen retten. Wie viele, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir arbeiten aber hart daran, dass alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden können», sagt Alexander Bélaz.

Auch in Dättwil sind Stellen in Gefahr

Im Worst-Case-Szenario müssten auch in Dättwil einige Stellen gestrichen werden, wo das Engineering für die getriebelosen Mühlenantriebe stattfindet. Wie viel Umsatz die ABB mit der Herstellung von Mühlenantrieben fürs globale Rohstoffgeschäft bisher gemacht hat, will sie nicht offenlegen. Das Werk in Kleindöttingen hat die ABB vor vier Jahren aufgebaut.