Pro-Kommentar

Kleidervorschriften an der Schule: «Der erste Eindruck ist wichtig»

In einigen Aargauer Gemeinden gibt es für Jugendliche, die nicht angemessen gekleidet zum Unterricht erscheinen, neuerdings einen negativen Eintrag im Zwischenbericht.

In einigen Aargauer Gemeinden gibt es für Jugendliche, die nicht angemessen gekleidet zum Unterricht erscheinen, neuerdings einen negativen Eintrag im Zwischenbericht.

Sind Kleidervorschriften an der Schule nötig oder wird damit das falsche Problem angegangen? Bekanntlich ist der erste Eindruck am Wichtigsten. Dass es bei Verstössen gegen Kleiderregeln einen Abzug bei der Selbstkompetenz gibt, ist fragwürdig.

Jugendliche in der Pubertät suchen ihre Identität, reizen Grenzen aus, provozieren Erwachsene und Autoritätspersonen manchmal bewusst – auch mit ihrer Kleidung. Wenn die 14-jährige Schülerin im bauchfreien Top im Klassenzimmer erscheint, oder ihr Kollege mit Baseballmütze und Sporthose zur Schule kommt, ist das immer auch ein Zeichen, ein Ausdruck des eigenen Stils.

Das ist nicht negativ, sondern zeugt von Individualität und Selbstbewusstsein. Beides sind Eigenschaften, die Jugendliche neben schulischen Fähigkeiten entwickeln. Doch zur Vorbereitung auf das Berufsleben gehört auch Anpassungsfähigkeit: Wie verhalte ich mich in welcher Situation, wann trage ich den kurzen Minirock, wann die schöne Hose, wann das schulterfreie Muskelshirt, wann das edle Hemd?

Wer in unpassender Kleidung zum Vorstellungsgespräch erscheint, hat tendenziell schlechtere Chancen. Man mag es als veraltet kritisieren, aber Fakt ist: Der erste Eindruck ist wichtig und kann für eine Berufskarriere entscheidend sein. Daher ist es gut, wenn Jugendliche in der Schule lernen, sich angemessen zu kleiden. Dass es bei Verstössen gegen Kleiderregeln einen Abzug bei der Selbstkompetenz gibt, ist aber fragwürdig. Anstelle eines Eintrags im Zwischenbericht würde wohl auch ein Gespräch mit der Lehrperson reichen.

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