Herr Hofmann, Oberstufenlehrer an der Schule Merenschwand haben eine Kleiderordnung erarbeitet. Ist das eine gute Idee?

Peter Hofmann: Die Schule ist auf dem richtigen Weg. Erwartungen zu formulieren, ist aus pädagogischer Sicht sinnvoll. Ich fände es zielführender, wenn Kleidervorschriften gemeinsam mit den Schülern erarbeitet würden und wenn erwähnt wird, dass diese Regeln auch für alle Mitarbeitenden gelten.

Welche Regeln dürfen Schulen aufstellen?

Sie können adäquate Kleidung im Turnunterricht verlangen und verbieten, dass Schüler Kleider tragen, die menschenverachtende, rassistische, nationalsozialistische oder sexistische Aussagen verbreiten. Solche Kleider stören den Schulfrieden.

In Seengen müssen Schüler, die unangemessen gekleidet sind, ein XXL-Shirt anziehen. Was halten Sie davon?

Das halte ich für einen pädagogischen Tiefflug. Mit dieser Methode stellt man Schüler an den Pranger. Eine Schule muss definitiv andere Reaktionsmuster haben, um auf unangebrachte Kleidung zu reagieren.

Was soll eine Schule stattdessen tun, wenn Schüler gegen die Kleiderordnung verstossen?

Strafen sind nicht durchsetzbar. Lehrpersonen dürfen Schüler zum Beispiel nicht nach Hause schicken, um sich umzuziehen. Sinnvoll ist, das Gespräch zu suchen oder das Thema Kleidung mit Schülern zu bearbeiten.

In welchem Alter?

Wenn es um die Berufswahl und Vorstellungsgespräche geht. Da kann im Unterricht darüber gesprochen werden, welche Wirkung Kleider haben. Aber auch die Frisur oder die Schminke können in diesem Rahmen thematisiert werden.

Sie sind selber Lehrer. Haben Kleider im Klassenzimmer schon immer für Diskussionen gesorgt?

Dass früher alles besser war, stimmt sicher nicht. Die Regeln waren strenger, die Freiheit stärker eingeschränkt. Lehrerinnen mussten mit Rock und Schürze unterrichten. Das ist heute zum Glück nicht mehr so. Dafür gab es später Diskussionen wegen tiefgeschnittener Jeans, die unterdessen schon wieder out sind. Kleider sind ein gesellschaftliches Thema, Trends ändern sich laufend.

Was tragen Sie, wenn Sie unterrichten?

Ich bin da sehr konsequent, trage immer ein Hemd und lange Hosen. Am schlimmsten finde ich, wenn 40-jährige Lehrpersonen sich gleich kleiden wie ihre Schülerinnen oder Schüler.

Sollte es einen Dresscode für Lehrer geben?

Ein Lehrer hat durch seine Tätigkeit Vorbildfunktion. Das sollten Lehrpersonen bei der Wahl der Kleidung beachten. Die Schulen hätten für Lehrpersonen sogar ein Weisungsrecht bezüglich Kleidung. Aber auch hier finde ich es sinnvoller, das Thema im Team zu behandeln.