Kriminalität
Klauen, drohen, schwarzfahren: Mädchenanteil unter jugendlichen Aargauer Straffälligen steigt

Heute werden anteilsmässig mehr weibliche Jugendliche angezeigt als im Jahr 2000. Sie begehen andere Delikte als Jungs, etwa Ladendiebstähle. Zudem fahren sie häufiger schwarz, prügeln sich dafür weniger. Auch Drohungen im Internet kommen oft vor.

Noemi Lea Landolt
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Mädchen verüben tendenziell andere Delikte als Jungen – etwa Ladendiebstähle.

Mädchen verüben tendenziell andere Delikte als Jungen – etwa Ladendiebstähle.

AZ

«Sie klauen und fahren schwarz». So titelte die «Sonntagszeitung» ihren Artikel über straffällige Mädchen. Im Kanton Zürich hat sich ihr Anteil in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. Heute ist eine von vier straffälligen Jugendlichen weiblich. Auch im Kanton Aargau hat der Anteil der jugendlichen Täterinnen in den letzten Jahren zugenommen, wie Zahlen der Aargauer Jugendanwaltschaft zeigen. Im Jahr 2000 waren 19,5 Prozent der Täter weiblich. Letztes Jahr waren es 28,4 Prozent. 2015 sogar 31,4 Prozent.

Anerkennung und Nervenkitzel

Angezeigt werden die Mädchen aus anderen Gründen als ihre männlichen Pendants. Sie prügeln weniger, fahren dafür häufiger schwarz oder stehlen Kosmetika und Accessoires. Ladendiebstähle gäben ihnen Nervenkitzel und Anerkennung, sagt Rahel Heeg, Soziologin an der Fachhochschule Nordwestschweiz, in der «Sonntagszeitung». «Die Girls können sich so innerhalb der Clique profilieren.»

Hans Melliger, Leiter der Aargauer Jugendanwaltschaft, zählt zusätzlich Drohungen und Ehrverletzungen im Internet auf. Auch diese würden Mädchen prozentual häufiger begehen. Allgemein stelle er bei Jugendlichen eine Verschiebung der Ehrverletzungsdelikte ins Internet fest. «Dort können sie schnell und meist noch unter Decknamen rund um die Uhr chatten.»

Hohe Dunkelziffer

Bei der Interpretation der Zahlen ist Melliger dennoch zurückhaltend. Obwohl heute anteilsmässig mehr weibliche Jugendliche angezeigt werden, könne nur schwierig nachgewiesen werden, ob eine signifikante Zunahme oder Verschiebung erfolgt sei. «Die Delikte sind sogenannte Antragsdelikte, die nur polizeilich und jugendstrafrechtlich verfolgt werden, wenn innert Frist ein gültiger Strafantrag gestellt ist.» Die Dunkelziffer sei entsprechend gross.

Wie volljährigen Delinquenten drohen auch den Jugendlichen Strafen, wenn sie von der Jugendanwaltschaft für ihre Vergehen schuldig gesprochen werden. «Wir versuchen mit massgeschneiderten Strafen und Massnahmen, Rückfälle zu vermeiden», sagt Melliger.