Rudolf-Steiner-Schule
Kind gepackt: Staatsanwalt lehnt Verfahren ab – Eltern geben nicht auf

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen eine Lehrerin abgelehnt, die einen Schüler während des Unterrichts kräftig gepackt haben soll. Für die Familie will die Angelegenheit nun allerdings nicht auf sich beruhen lassen.

Daniel Vizentini
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Das Aufatmen an der Rudolf-Steiner-Schule war nur von kurzer Dauer. Die Eltern wollen den Entscheid der Staatsanwaltschaft anfechten.

Das Aufatmen an der Rudolf-Steiner-Schule war nur von kurzer Dauer. Die Eltern wollen den Entscheid der Staatsanwaltschaft anfechten.

Die Eltern des Kinds, das vor anderthalb Jahren von einer Lehrerin der Rudolf-Steiner-Schule in Schafisheim an den Schultern gepackt worden sein soll, haben entschieden, ihre Anzeige vor Gericht weiterzuziehen. Dies bestätigte ihr Anwalt Willy Bolliger gegenüber der az.

Die Staatsanwaltschaft Aargau hatte das Strafverfahren letzte Woche abgelehnt. Bolliger will diesen Entscheid in den nächsten Tagen anfechten. «Ich sehe die Chancen zu über 60 Prozent zu unseren Gunsten», sagt er. «Die Staatsanwaltschaft muss auch bei Zweifel einen Fall vor Gericht bringen, wenn dieser ‹etwas Fleisch am Knochen› hat», so Bolliger. Das sei für ihn im vorliegenden Fall gegeben.

Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass die Lehrerin keine Absicht gehabt habe, dem Jungen Schaden zuzufügen, weshalb der für eine Anklage erforderliche Vorsatz nicht gegeben sei. «Das ist sehr schwach argumentiert», kontert Bolliger. «Die Lehrerin hat ja selber gesagt, dass sie den Bub gepackt hat.»

«Schade und sehr bedenklich»

Lucio Carlucci, Vorstand des Schulvereins der Rudolf-Steiner-Schule Aargau, gibt sich zwar vorwiegend erleichtert über den Entscheid der Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen. «Sie haben uns in unserer Haltung bestätigt, dass die Lehrerin keine Gewalt angewendet hat», sagt er. Dass der Fall nun weitergezogen wird, bezeichnet Carlucci aber als «schade und sehr bedenklich». Es sei zwar das gute Recht der Eltern, «doch ich verstehe die Motivation dahinter nicht, diesen Fall noch weiterzuführen».

Der Fall absorbiere viel Energie, die die Schule lieber in den Schulalltag investieren sollte. Zudem sei die Anklage für die Lehrerin eine grosse Belastung. «Die Staatsanwaltschaft hat ihren Entscheid nicht leichtfertig getroffen», sagt er. «Der Schutz des Kinds steht bei uns an oberster Stelle. Gleichzeitig ist es unsere Pflicht, Lehrpersonen vor ungerechtfertigten Angriffen zu schützen.»

Den Imageschaden, den die Rudolf-Steiner-Schule durch die negative Berichterstattung erleidet, sieht Carlucci zwar als Problem. «Wir konnten die Schüler und Lehrer aber davon fernhalten», sagt er. «Hauptziel war es, trotzdem weiter in guter Qualität Schule zu geben. Und dies ist uns gelungen.»