Oberwil-Lieli
Keine Rosen für Glarner – Juso-Aktion gescheitert

Die Juso Schweiz hatte sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. 31 000 Franken wollten die Jungpolitiker sammeln, um rund um Oberwil-Lieli und ihren Gemeindepräsidenten Andreas Glarner eine Rosenhecke zu pflanzen und scheiterten. Glarner schüttelt über deren "Klamauk"-Aktion den Kopf.

Fabio Vonarburg
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Die Juso wollte sich durch eine Dornenhecke des Märchendorfes Oberwil-Lieli kämpfen und deren Dorfkönig Andreas Glarner aus seinem „Dornröschen-Schlaf“ wecken. Daraus wird nichts: Bevor die Jungsozialisten überhaupt zur Schaufel greifen konnten, scheitert ihr Projekt „Rosen gegen Abschottung“.

Was war der Plan der Juso? Die Partei wollte entlang der 12 Kilometer langen Gemeindegrenze von Oberwil-Lieli unzählige Rosenstöcke pflanzen. Das Ziel der geplanten Aktion: „Spätestens, wenn die Rosen vollständig blühen, sollte Andreas Glarner aus seinem politischen Dornröschenschlaf erwachen und realisieren, dass sein Abschottungstraum ein menschenwürdiges Zusammenleben verschiedener Kulturen in keinster Weise fördert“, sagte Juso-Präsident Fabian Molina vor zwei Wochen zur az. Es war eine direkte Reaktion der Jungsozialisten auf die Forderung von Andreas Glarner, einen Stacheldrahtzaun um die Schweiz zu bauen.

Um den Traum von einer Rosenhecke rund um Oberwil-Lieli und ihren Gemeindepräsidenten wahr zu machen, sammelten die jungen Politiker über die Crowdfunding-Plattform wemakeit.ch finanzielle Unterstützung. Das angestrebte Ziel: 31'000 Franken für Rosensetzlinge.

Am Donnerstag endete die Frist. Die ernüchternde Bilanz für die Juso: Man sammelte nur 3977 Franken, sprich 12 Prozent der benötigten Summe. Damit gibt es keine Rosenhecke um Oberwil-Lieli und Andreas Glarner wird nicht von der Juso wach geküsst. Stattdessen fliesst das Geld zurück an die Investoren.

Absturz statt Flug

Fabian Molina sagt zum gescheiterten Vorhaben: „Man weiss im Vornherein nie, ob solche Online-Projekte zum Fliegen kommen.“ Bereits vor einer Woche hat die Jungpartei die Aktion aufgrund der aussichtslosen Lage sistiert. „Wir hätten uns schon gewünscht, näher an das gesetzte Ziel zu gelangen“, sagt Molina. Das Aus für den Juso-Traum, Glarner aus seinem politischen Dornröschenschlaf wecken? „Es ist zu befürchten, dass Glarner weiter von einer Abschottung der Schweiz träumt“, sagt Molina. „Doch es war in jedem Fall zu erwarten, dass er sich nicht so leicht von uns wecken lässt.“

Und was sagt das unfreiwillige Dornröschen zum Scheitern der Juso? Andreas Glarner: «Das war zu erwarten.» Mehr will er die Aktion der Juso gar nicht analysieren. Denn: «Wir haben schon so viel Dummes von diesen Typen gesehen.» Er weist daraufhin, dass die Juso zuerst für einen Stacheldraht um Oberwil-Lieli sammelte. Und erst als dies gescheitert sei, habe die Juso auf die Rosen-Aktion umgeschwenkt. "Und auch dieses ist nun gescheitert." Ihm reichts: «Wir haben grössere Probleme als die Klamauk-Aktionen dieser Partei.»

"Mir langets"

Beispiel für ein gelungenes politisches Crowfunding-Projekt ist „Mir langets“ von Donat Kaufmann. 12'271 Menschen unterstützten den Badener im Herbst, eine Frontseite der Zeitung „20 Minuten“ zu kaufen und „auf die absurden Züge des aktuellen Wahlkampfs aufmerksam machen.“ Mit 147'271 Franken konnte seine Idee umgesetzt werden.

Kaufmann hatte mit seiner Inserat-Idee Erfolg, die Juso hingegen stach sich nun an den Dornen ihrer eigenen Rosen.

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