«Man muss wissen, wo ein Prediger ausgebildet wurde, welche Ansichten er vertritt, wer seinen Lohn bezahlt und ihm allenfalls Vorgaben macht, was er zu predigen hat», sagt Marianne Binder. Bereits vor zehn Jahren habe die CVP Schweiz in einem Positionspapier eine bessere Kontrolle der islamischen Prediger verlangt. Nun wird Binder im Aargau aktiv: «Wir werden in unserem Vorstoss im Grossen Rat auch diesbezüglich mehr Transparenz und verbindliche Regeln verlangen.» Sie sei klar der Meinung, dass muslimische Vereine mehr Verantwortung für Prediger übernehmen müssten, die sie bei sich auftreten lassen.

Muslim-Vereine in der Pflicht

«Wenn man von Verantwortung spricht, muss man sich auch die Frage der Haftbarkeit überlegen, wenn Vereine zulassen, dass Menschen durch einen Imam in ihrer Moschee radikalisiert werden.» Binder stellt eine klare Forderung auf: «Imame müssen sich bei ihren Predigten in den Aargauer Moscheen unbedingt und ohne Ausnahmen an die Grundsätze unseres Rechtsstaates halten und sich verbindlich dazu verpflichten.»

Dazu gehöre auch, dass sie eine Landessprache sprechen und eine Vereinbarung unterschreiben würden, keine radikalen Positionen zu vertreten. Sie hält fest, dies seien nicht nur Forderungen der CVP, sondern auch ein Anliegen von muslimischen Eltern, «die ja am meisten betroffen sind von der Radikalisierung ihrer Kinder».

Islam als Landeskirche – Ja, aber

Sie hält grundsätzlich fest: «Die muslimischen Verbände spielen eine Schlüsselrolle bei der Klärung der Unsicherheiten im Dienste aller, im Speziellen auch der Musliminnen und Muslime in der Schweiz.» Die Forderung, den Islam zur Landeskirche zu machen, werde von muslimischen Verbänden immer wieder erhoben, um die Sache zu entschärfen, sagt Binder. «Doch dazu bräuchte es eine Definition, was der Islam denn ist, und das ist wohl noch ein weiter Weg.» Derart radikale Positionen, wie sie der IS vertritt, oder die Zustände, wie sie in Saudi-Arabien herrschen, wären unter dem Mantel einer Landeskirche für sie komplett inakzeptabel. Binder verlangt stattdessen ein klares Bekenntnis: «Wenn man von den vielen muslimischen Verbänden einmal die Aussage hören würde, der ‹wahre› Islam sei derjenige, der mit dem modernen Rechtsstaat kompatibel sei, so wäre das doch einmal eine klare Ansage.»

Dies müsste für die CVP-Präsidentin mit der zwingenden Ausbildung von Imamen in der Schweiz einhergehen, die immer wieder gewünscht werde. Dies nach klaren rechtsstaatlichen Grundsätzen und unter staatlicher Kontrolle. Tatsächlich sagt Serafettin Karadeniz, Präsident des islamischen Kulturvereins Rheinfelden: «Es ist schade, dass hier keine Imame ausgebildet werden.» Heute gebe es knapp eine halbe Million Muslime in der Schweiz, da wäre es aus seiner Sicht höchste Zeit, dass eine solche Ausbildung geschaffen wird. «Davon würden die muslimischen Vereine und die Schweiz profitieren», sagt Karadeniz.