Die FDP-Fraktion des Grossen Rates sorgt sich um die politische Ausgewogenheit der Lehrmittel an der Volksschule. Zumal mit der Einführung des neuen Aargauer Lehrplans in verschiedenen Fachbereichen neue Lehrmittel notwendig sein werden.

Deshalb wollte die FDP-Fraktion in einer Interpellation von der Regierung wissen, wie man im Aargau sicherstelle, dass nur neutrale und ausgewogene Lehrmittel im Unterricht eingesetzt werden. «Es ist bildungspolitisch problematisch, wenn Lehrmittel eine politische Färbung aufweisen», heisst es in der von Grossrat und Bezirkslehrer Titus Meier formulierten Interpellation.

Aufwendige Prüfung

In der Antwort wird die Regierung erst einmal grundsätzlich. Sie erklärt, dass es drei Kategorien von Lehrmitteln gibt: obligatorische, alternativ-obligatorische und empfohlene Lehrmittel.

Obligatorische Lehrmittel müssen im Unterricht zwingend eingesetzt werden. Bei alternativ-obligatorischen Lehrmitteln kann die Schule zwischen mehreren Produkten auswählen. Und empfohlene Lehrmittel schliesslich können in jenen Fächern eingesetzt werden, in denen kein Obligatorium besteht.

Bisher hat der Regierungsrat nur in den Fächern Mathematik und Sprachen die Lehrmittel obligatorisch oder alternativ-obligatorisch festgelegt. Für alle andern Fächer gibt es die Liste des Bildungsdepartements mit dem Status «empfohlen». Das heisst, dass die Schulen ihre bevorzugten Lehrmittel aus der Liste selber auswählen können. Andere Lehrmittel, die mit dem aktuellen Lehrplan übereinstimmen, sind in diesem Bereich auch zulässig. Die Verantwortung liegt bei der Schule vor Ort.

Doch wie schafft es ein Lehrmittel, ins Bildungssystem der Aargauer Volksschule aufgenommen zu werden? Dazu muss es ein äusserst aufwendiges Prüfverfahren erfolgreich bestehen. In einem professionellen Evaluationsprozess mit dem Namen «Levanto» werden die Lehrmittel seit 2009 auf Herz und Nieren respektive auf ihre Eignung für die Aargauer Schülerinnen und Schüler getestet.

«Levanto» umfasst 50 Kriterien zu den Bereichen Pädagogik, Didaktik, Inhalt und Gestaltung, wobei die Qualitätskriterien von den einzelnen Kantonen an spezifische Bedürfnisse angepasst werden können. «Levanto» ermögliche auch eine fundierte Einschätzung der politischen Ausgewogenheit, hält die Regierung fest.

Fachleute wählen aus

So dürfen Lehrmittel, welche die strenge «Levanto»-Prüfung bestehen wollen, keine diskriminierenden Aussagen enthalten bezüglich Geschlecht, Religion, Herkunft und Rasse. Nicht toleriert werden auch Werbung oder indoktrinierende Darstellungen. Und sie müssen konfessionell und politisch neutral formuliert sein und Meinungen ausgewogen abbilden.

Schafft ein Lehrmittel alle Hürden und wird es von der Lehrmittelkommission für gut befunden, gibt die Kommission eine Empfehlung an das Bildungsdepartement ab. Die Lehrmittelkommission hat also eine wichtige Funktion. Entsprechend möchte die FDP-Fraktion genauer wissen, wie denn genau diese Kommission funktioniert und vor allem wie sie zusammengesetzt ist.

Auch dazu gibt die Regierung ausführlich Auskunft: Die Mitglieder der Lehrmittelkommission werden vom Erziehungsrat gewählt. Vorgeschlagen werden sie vom Lehrer- und vom Schulleiterverband. Alle Schulstufen sind je mit einer Person vertreten, dazu kommt eine Schulleitungsperson sowie zwei Vertretungen aus der Abteilung Volksschule des Kantons, eine davon als Leitung.

Bei der kantonalen Lehrmittelkommission handelt es sich um ein Fachgremium. Bei der Auswahl der Mitglieder stehen Fachkompetenz und Berufserfahrung im Vordergrund, erklärt der Regierungsrat. Eine allfällige Parteizugehörigkeit ist kein Entscheidkriterium. Die politische Unabhängigkeit der Kommission ergebe sich aus ihrer Aufgabe als Beratungsgremium. Oft würden auch weitere Experten aus Schulpraxis oder Fachdidaktik beigezogen.

Kein Grund zur Sorge

Schliesslich hält der Regierungsrat fest, dass man zwar Ansprüche an Lehrmittel definiere und in die innerkantonale Zusammenarbeit einbringe. Der Regierungsrat nehme aber grundsätzlich keinen Einfluss auf die Lehrmittelentwicklung. Lehrmittel werden von den Verlagen unabhängig von politischen Vorgaben auf der Grundlage des geltenden Lehrplans erarbeitet.

Fazit: Die Kontrolle funktioniert. Auch nach der Einführung des neuen Aargauer Lehrplans ist es höchst unwahrscheinlich, dass subversive Lehrmittel den Einzug in die Aargauer Schulstuben schaffen.