Immobilienmarkt
Keine Preisblase bei Wohneigentum in der Nordwestschweiz

Das Immobilienland Nordwestschweiz ist kein homogenes Gebiet. Im Gebiet zwischen Basel und Zürich bestehen deutliche Preisunterschiede. Im Vergleich mit den Hotspots Zürich, Genf und Oberengadin ist die Gefahr einer Preisblase aber gering.

Marc Fischer
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«Die Preisanstiege der vergangenen Jahre sind aus fundamentaler Sicht gerechtfertigt», sagt Alain Chaney, der bei der Neuen Aargauer Bank (NAB) für die Risikoanalyse des Immobilienmarktes zuständig ist und beim Immobilienberatungsunternehmen IAZI als Analyst arbeitet.

Wie eine exklusive Auswertung für die «Nordwestschweiz» zeigt, sind die attraktivsten Immobiliengemeinden im Kanton Zürich Fehraltorf, Volketswil und Wallisellen (siehe Tabelle). Ausschlaggebend für die Rangierung sind nicht nur die Nähe zu einem gut funktionierenden Arbeitsmarkt, mit tiefer Arbeitslosigkeit, hoher Dichte an Dienstleistungsgewerbe und eine hohe Zahl an Firmenneugründungen. Ein gut funktionierender Häusermarkt zeichnet sich auch durch ein gesundes Bevölkerungswachstum, eine tiefe Steuerbelastung und eine hohe Ausbildungsstufe der Einwohner aus.

Meisterschwanden im Kanton Aargau Meisterschwanden ist die attraktivste Immobilien-Gemeinde im Kanton Aargau. Dahinter folgen: Oberwil-Lieli, Würenlos, Baden und Seengen.
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Sissach im Kanton Basel-Landschaft Sissach ist die attraktivste Immobilien-Gemeinde im Kanton Basel-Landschaft. Dahinter folgen: Biel-Benken, Oberwil, Arlesheim und Binningen.
Oensingen im Kanton Solothurn Oensingen ist die attraktivste Immobilien-Gemeinde im Kanton Solothurn. Dahinter folgen: Solothurn, Lohn-Ammannsegg, Lostorf und Dornach.
Rehraltorf im Kanton Zürich Fehraltorf ist die attraktivste Immobilien-Gemeinde im Kanton Zürich. Dahinter folgen: Volketswil, Wallisellen, Fällanden und Meilen.

Meisterschwanden im Kanton Aargau Meisterschwanden ist die attraktivste Immobilien-Gemeinde im Kanton Aargau. Dahinter folgen: Oberwil-Lieli, Würenlos, Baden und Seengen.

Aargauer Zeitung

Überhitzungsgefahr sinkt

Die erwähnten Zürcher Top-Gemeinden figurieren aufgrund der hohen Standards alle unter den 20 attraktivsten Immobiliengemeinden der Schweiz mit mehr als 2000 Einwohnern. Die Kehrseite der Medaille: Wer hier kaufen will, muss tief in die Taschen greifen. Die jüngsten Massnahmen gegen eine Überhitzung des Immobilienmarktes dürften allerdings die Nachfrage ein wenig dämpfen. «Das Tiefzinsumfeld begünstigt noch immer die Nachfrage nach Wohneigentum. Doch die per 1. Juli 2012 von der Schweizerischen Bankiervereinigung eingeführte Selbstregulierung hat das Potenzial, die Nachfrage nach Wohneigentum abzuschwächen, und dürfte sich früher oder später auch bei der Preisentwicklung bemerkbar machen», heisst es im gestern veröffentlichten Immobilien-Monitor der Credit Suisse. Erstmals seit 2008 hat ebenso der Immobilienblasen-Index der UBS im zweiten Quartal 2012 einen leichten Rückgang verzeichnet.

Auch auf dem aargauischen Immobilienmarkt hat sich der Preisanstieg zuletzt leicht abgeschwächt. Vor allem im vergangenen Jahr sind die Preise für Einfamilienhäuser aber auch hier deutlich gestiegen – wenn auch weniger stark als im gesamtschweizerischen Schnitt. Die Löhne sind jedoch fast gleich stark gestiegen, die Hypothekarzinsen stark gesunken und die Bevölkerung stark gewachsen. «Deshalb ist der Preisanstieg durchaus gerechtfertigt», so Chaney. Einzig der sehr starke Anstieg der letzten zwölf Monate so problematisch. In den Topgemeinden wie Meisterschwanden, Oberwil-Lieli und Würenlos würden vereinzelt zwar etwas wärmere Temperaturen gemessen. Aber von Preisblasen will Chaney nicht sprechen.

Deutlich abgeschlagen im Regionenvergleich sind die Solothurner Gemeinden. «Hier ist die Steuerbelastung sehr hoch», sagt der Immobilienexperte Chaney. Die attraktivsten Solothurner Gemeinden Oensingen und die Stadt Solothurn bewegen sich gesamtschweizerisch gesehen deshalb nur im Mittelfeld. Besser schneiden die basel-landschaftlichen Gemeinden ab, wogegen Basel-Stadt gesamtschweizerisch gesehen auch nur Durchschnitt ist.

SVP-Initiative ist ein Risiko

Das grösste Risiko für eine Preiskorrektur sieht der Immobilienexperte derzeit nicht zuletzt im politischen Lager verortet. «Sollte die SVP-Initiative gegen die Immigration Erfolg haben, würde die Einwanderung in der Schweiz wohl deutlich zurückgehen, was zur Folge hätte, dass der Immobilienmarkt eine wichtige Stütze verlöre und die Preise unter Druck kämen», so Chaney. Von der Zinsfront dagegen sieht er keine grosse Gefahr ausgehen: Da die Schweizerische Nationalbank derzeit keine Inflationsgefahr sieht, werden auch die Hypothekarzinsen vorerst tief bleiben.