Seit Frühling 2018 prüfen die KVA Buchs und Turgi eine Zusammenarbeit. Grund sind die langfristigen baulichen Möglichkeiten. Die Anlage in Turgi hat nach 2030 ihr Lebensende erreicht und muss komplett erneuert werden.

Aus umweltrechtlichen Gründen – konkret wegen des Abstands zum Limmatufer – ist jedoch nur eine kleinere KVA möglich, die anstelle der heutigen 120'000 Tonnen Abfall pro Jahr noch 90'000 Tonnen verbrennen würde. Die KVA Buchs hingegen verfügt über Landreserven und könnte mit 240'000 Tonnen doppelt so viel Kehricht verwerten wie heute.

Zwei Varianten

Im Kooperationsprojekt mit dem Namen KVAargau prüften die Verantwortlichen zwei Varianten:

  1. Weiterhin zwei KVA mit 90'000 Tonnen Verwertungskapazität in Turgi (1 Ofenlinie) und 150'000 Tonnen in Buchs (2 Ofenlinien). 30'000 Tonnen werden vom Ost- in den Westaargau verschoben.
  2. Nur noch eine grosse KVA in Buchs mit 240'000 Tonnen und in Turgi eine Umladestation. Der Kehricht wird im Ostaargau wie bisher nach Turgi gebracht, auf grössere Fahrzeuge umgeladen, nach Buchs weitertransportiert und dort verbrannt.

Träger der beiden KVA sind zwei Gemeindeverbände. Deren Vorstände haben sich am Mittwochabend auf Antrag der Projektleitung einstimmig für die erste Variante ausgesprochen. Eine kleinere KVA in Turgi schneidet gegenüber einer Umladestation in Turgi klar besser ab, wie eine detaillierte Vergleichsanalyse von ökonomischen, ökologischen und anderen Kriterien ergab.

Zum Beispiel sind für eine Grossanlage plus eine Umladestation wesentlich höhere Investitionen nötig, was auch höhere Folgekosten in Form von Abschreibungen auslöst.

Zudem würde mit einer Umladestation die gesamte Transportleistung, welche die gefahrenen Kilometer und die Fahrzeugbeladung mit Kehricht berücksichtigt, um fast einen Drittel zunehmen.

Insbesondere in Turgi wird infrage gestellt, dass eine Umladestation in der Bevölkerung akzeptiert würde. Dies wegen des Netzes der Fernwärme Siggenthal AG (FWS), das heute von der KVA gespeist wird. «Würde die KVA rückgebaut, müssten die Netzbetreiber vor Ort selber eine Ersatzwärmequelle erstellen – zum Beispiel ein Holzheizkraftwerk –, und dies, obwohl nach wie vor Abfall nach Turgi gebracht würde», erklärt Roger Huber, Präsident der KVA Turgi und Vorsitzender der Projektleitung.

Der in Turgi angelieferte Kehricht soll also weiterhin als Energieträger genutzt werden. Auch mit einer kleineren KVA kann die FWS wie bisher mit Wärme beliefert werden. Die bereitgestellte Energie reicht darüber hinaus für den geplanten Wärmeverbund mit Baden-Nord und für einen Teil des Refuna-Netzes im unteren Aaretal, das schon heute mit dem FWS-Netz verbunden ist.

Die Projektverantwortlichen prüfen nun in einer nächsten Phase, wie stark die beiden geplanten KVA dereinst betrieblich zusammenarbeiten könnten, und welches die geeignete Trägerschaftsform ist. Im Jahr 2020 sollen die Abgeordnetenversammlungen der beiden Gemeindeverbände über den entsprechenden Vorschlag befinden.