Tierkrankheit
Keine Kaninchen auf Jungtierschauen: Kaninchenzüchter haben Angst vor der Chinaseuche

Im Kanton Zürich sind einzelne Fälle der Chinaseuche aufgetreten. Die betroffenen Kaninchen sterben meist innerhalb von einem Tag. Darum gilt im Kanton Zürich ein Verbot für Kaninchen auf Jungtierschauen. Jetzt verzichten auch einige Aargauer Kleintierzüchtervereine auf die Ausstellung des Nachwuchses - freiwillig.

Fabio Vonarburg
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In diesem Jahr fallen im Aargau einige Jungtierschauen aus. Grund: Die Angst vor der Chinaseuche

In diesem Jahr fallen im Aargau einige Jungtierschauen aus. Grund: Die Angst vor der Chinaseuche

Aargauer Zeitung

Flauschige Kaninchen, herzige Küken – der Mai ist der Monat der Jungtierschauen. Doch dieses Jahr ist die Freude der Kleintierzüchter getrübt. Für Verunsicherung sorgen einige Fälle der Chinaseuche im Kanton Zürich. Dort verbietet das Veterinäramt Kaninchen an Jungtierschauen, um die Weiterverbreitung der hochansteckenden Kaninchenkrankheit im Keim zu ersticken.

Im Kanton Aargau gab es bisher noch keine entsprechende Weisung. Dementsprechend unterschiedlich reagieren die Aargauer Kleintierzüchter: In Auenstein (Auffahrt) und Veltheim (Sonntag) werden die Jungtierschauen abgesagt, Schöftland (Auffahrt) und Niederlenz (Sonntag) führen sie wie geplant durch.

Hinter der Chinaseuche verbirgt sich VHK-Virus, der in den 80er Jahren aus China eingeschleppt wurde und den man in den 90er Jahren mit einer Impfung in den Griff bekam. Bei den neuesten Erkrankungen handelt es sich aber um einen mutierten Typ, der nur teilweise vom Impfstoff gedeckt wird. Infiziert sich ein Kaninchen mit diesem VHK-2 Virus und bricht die Krankheit aus, so werden seine Blutgefässe brüchig – es kommt zu inneren Blutungen, an denen die Tiere letztlich sterben.

Bittere Erfahrung eines Züchters
«Die Kaninchen verenden regelrecht», sagt Kantonstierärztin Erika Wunderlin. Und das schnell: 24 Stunden nach der Ansteckung sind sie meist tot. Das führt dazu, dass ein Züchter innerhalb kürzester Zeit seinen ganzen Bestand verlieren kann. Diese bittere Erfahrung machte ein Zürcher Züchter, wie der Tagesanzeiger berichtete. Innerhalb einer Woche starben 65 seiner 68 Kanninchen. Die 3 Überlebenden befanden sich in einem separaten Stall.

Er könne verstehen, seien einige Züchter beunruhigt, sagt der Präsident des Aargauischen Kleintierzüchterverbands Ruedi Hofmann: „Es macht Angst, wenn man hört, wie viele Tiere innerhalb kürzester Zeit sterben können.“ Dementsprechend Verständnis hat der Gontenschwiler für Vereine, die auf die Jungtierschauen in diesem Jahr verzichten. Hofmann sagt aber auch: „Bei uns ist die Ansteckungsgefahr derzeit viel geringer als im Kanton Zürich." Zudem habe die Kantonstierärztin die Erlaubnis erteilt, Jungtierschauen weiterhin durchzuführen.

Bisher wurde dem Aargauer Veterinäramt noch kein Fall der Chinaseuche gemeldet. Was aber noch nichts heisst. Denn: Die Krankheit ist für Tierhalter nicht meldepflichtig. Wunderlin rät Kleintierzüchtervereinen im Zweifelsfall auf die Durchführung der Jungtierschauen zu verzichten.

Falls sie doch durchgeführt werden, einige Sicherheitsmassnahmen zu beachten. So rät sie, Kaninchen möglichst wenig durch unbefugte Personen anfassen zu lassen, um direkten Tierkontakt zu vermeiden. Zudem sei derzeit besonders gut auf die Hygiene zu achten. Dazu gehört, nicht in Stallkleider Jungtierschauen zu besuchen und die benötigten Werkzeuge zu desinfizieren. Denn der Virus kann über Kleider und Gegenstände übertragen werden.

Doch die Kantonstierärztin betont: „Die klar grösste Gefahr bleibt aber die Ansteckung von Tier zu Tier.“ Die infizierten Tiere scheiden den Virus mittels Kot, Tränenflüssigkeit oder auch Schweiss aus und können so ihre „Gspändli“ anstecken.

Wie die Bekämpfung der Krankheit weitergehen soll, zeigt sich in den nächsten Tagen. Es wird eine entsprechende Weisung vom Bund erwartet. Sicherlich bis dahin liegt es im Aargau im Ermessen der einzelnen Kleintierzüchtervereinen, wie man mit der potentiellen Gefahr umgehen will.