Densbüren

Keine Chance auf eine mildere Strafe: Bundesgericht bestätigt Urteil über «Riders»-Räuber

Densbüren: Riders-Wirt niedergeschlagen

Densbüren, Februar 2017: Riders-Wirt niedergeschlagen

Der junge Mann, der 2017 in Densbüren einen Wirt niedergeschlagen hatte, hoffte auf eine mildere Strafe.

Der Wirt des «Riders Pub» in Densbüren beendete seinen Arbeitstag am 18. Februar 2017 wie immer. Er löschte das Licht im Lokal und trat dann durch die Hintertür in die Nacht – in der Hand einen Plastiksack mit den Einnahmen des Tages. Doch an diesem Tag war etwas anders als sonst. Draussen passte ihn ein Unbekannter ab. Dieser hatte die Kapuze tief übers Gesicht gezogen und sagte dem Wirt, er müsse keine Angst haben, er wolle nur das Geld.

Der Wirt liess den Plastiksack fallen. Nicht um danach die Flucht zu ergreifen, sondern um auf den Mann mit der Kapuze loszugehen. Im Gerangel schlug der Unbekannte dem Wirt mehrmals mit einem harten Gegenstand auf den Kopf. Dem Wirt gelang es jedoch, dem Angreifer seine Waffe – die sich später als Schreckschusspistole herausstellte – zu entreissen. Der Unbekannte ergriff die Flucht.

Versuchter Diebstahl oder versuchter Raub?

Schon einen Tag später teilte die Kantonspolizei Aargau mit, sie habe einen Tatverdächtigen verhaftet. Der damals 18-Jährige legte Schrittweise ein Geständnis ab. Ende August 2018 musste er sich das erste Mal vor Gericht verantworten.

Das Bezirksgericht Aarau verurteilte ihn unter anderem wegen versuchten Raubes zu einer Freiheitsstrafe von 4½  Jahren, die zugunsten einer stationären Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben wurde. Der Gerichtspräsident sagte damals, die Massnahme sei zwingend nötig. «Nach viereinhalb Jahren wären wir sonst keinen Schritt weiter.» Dies sei seine letzte Chance, machte er dem jungen Mann klar. Nächstes Mal käme eine stationäre Massnahme nach Artikel 59 zum Zug.

Der Beschuldigte zog das Urteil zunächst ans Obergericht und dann ans Bundesgericht weiter. Er verlangte einen Freispruch vom Vorwurf des versuchten Raubes und eine Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren. Er argumentierte, es liege höchstens ein versuchter Diebstahl und kein versuchter Raub vor. Er habe die Schreckschusspistole nicht als Drohmittel eingesetzt.

Die höchsten Richter können dieser Auffassung nicht folgen. Die Anwendung von Gewalt zur Erlangung der Beute erfülle den Tatbestand des versuchten Raubes, heisst es im Urteil. Es sei davon auszugehen, dass der Beschuldigte dem Opfer nicht nur gegen den Kopf geschlagen habe, um flüchten zu können, sondern auch, weil er damit die Beute sichern wollte. Die Bundesrichter finden, er hätte leicht ohne Beute und ohne Anwendung von Gewalt flüchten können. Das Bundesgericht weist seine Beschwerde ab. Damit bleibt es bei der bisherigen Strafe. Die Gerichtskosten von 1200 Franken muss der Beschuldigte selber bezahlen.

(Bundesgerichtsurteil 6B_787/2019 vom 24.10.2019)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1