Coronavirus

Keine Bussen in Bussen: Maskenpflicht lässt sich kaum durchsetzen

Ab Montag ist die Maske für alle ÖV-Passagiere obligatorisch.

Ab Montag ist die Maske für alle ÖV-Passagiere obligatorisch.

Ab Montag sind Masken im öffentlichen Verkehr Pflicht. Doch wer soll das prüfen und wie? Die regionalen Betriebe jedenfalls haben dafür gar kein Personal.

Nun kommt sie also doch, die Maskenpflicht. Ab Montag gilt: Wer im öffentlichen Verkehr keine Maske trägt, muss den Bus oder Zug an der nächsten Haltestelle verlassen. Und wer sich weigert, kann sogar gebüsst werden. Zuständig für die Kontrolle und den Vollzug sind, laut Bund, das Zugpersonal und die Bahnpolizei. Nur: Die regionalen Busbetriebe haben gar nicht das Personal, um engmaschige Kontrollen durchzuführen. Trotzdem liegt die Verantwortung, dass die Maskenpflicht umgesetzt wird, auch dort bei den Betrieben. Das betonten die Verantwortlichen des Kantons gestern nochmals.

Das Motto bei den Busbetrieben lautet deshalb: Es wird kontrolliert, so gut es eben geht. Und zwar im Rahmen der ordentlichen Ticketkontrollen. Das handhaben alle drei grossen Busunternehmen im Kanton so: Der Busbetrieb Aarau, die regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) und Verkehr Aargau, dem etwa die Busse rund um Zofingen und die Bremgarten-Dietikon-Bahn angeschlossen sind.

Zusätzliche Kontrollen durchführen, oder gar mehr Personal einzustellen, um nun die Maskenpflicht durchzusetzen, hat keines der drei Unternehmen vor. «Dazu hätten wir gar nicht die Ressourcen», sagt Peter Bärtschiger, Geschäftsführer vom Busbetrieb Aarau. Und wenn sich jemand weigert, eine Maske anzuziehen? «Unser Kontrolldienst wird die Fahrgäste darauf hinweisen, eine Maske zu tragen», schreibt Marija Nikolova, Leiter Marketing von den RVBW.

«Wir übernehmen aber keine polizeilichen Aufgaben. Somit können wir auch keine Bussen verteilen, sollte sich jemand nicht an die Maskenpflicht halten.» Diesen Teil müsste die Polizei übernehmen. Es könne zwar vorkommen, dass die Polizei vereinzelt Kontrollen durchführen wird, sagte Regierungsrat Jean-Pierre Gallati an einer Pressekonferenz zum Coronavirus gestern. Engmaschige Kontrollen seien aber keine vorgesehen, die Prioritäten liegen woanders.

Hoffen auf Eigenverantwortung der Fahrgäste

Beim Bund, der Kantonsregierung wie auch bei den Busbetrieben hofft man darauf, dass sich die Menschen von sich aus an die Maskenpflicht halten werden. Und dies trotz der Tatsache, dass die Masken, solange sie noch freiwillig waren, nur selten im öV getragen wurden.

Doch das könnte sich nun ändern, glaubt Bärtschiger vom Busbetrieb Aarau: «Solange Masken freiwillig waren, war die Hemmschwelle, eine zu tragen, viel höher. Denn wer eine Maske trug, fiel auf. Nun muss jeder eine Maske tragen. Jetzt fällt auf, wer keine trägt.» Auch bei den anderen Busbetrieben zeigt man sich zuversichtlich, dass die Menschen Masken tragen werden. Schliesslich sei es ja zum Schutze aller, wird argumentiert.

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Detailhändler verkaufen mehr Masken

Es gibt durchaus Hinweise, dass die Maskenpflicht tatsächlich eingehalten werden könnte. So haben Manor, Coop und die Migros, seit die Maskenpflicht am Mittwoch angekündigt wurde, mehr Masken verkauft. Manche Migros-Filialen würden sogar regelrecht überrannt, schreibt Andrea Bauer, Kommunikationsverantwortliche bei der Genossenschaft Migros Aare. Es könne auch vorkommen, dass die Masken in einigen Filialen kurzzeitig ausverkauft seien.

Insgesamt habe man aber genug Masken auf Lager, die Nachlieferungen würden so schnell wie möglich erfolgen, es sei nicht nötig, Hamsterkäufe zu tätigen. Und auch Manor und Coop betonen, dass ein genereller Engpass bei Masken nicht zu befürchten sei.

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