Auf den ersten Blick schien das im September vorgestellte Unterrichtsmodell 2019+ für die Aargauer Kantonsschulen bestechend. Das Modell war einerseits die Antwort auf den Sparbefehl der Regierung und sollte gleichzeitig die Weiterentwicklung der Mittelschulen in Gang setzen. Einsparungen von 1,6 Millionen Franken wären möglich gewesen. Mehr Naturwissenschaften, weniger Sprachen, mehr politische Bildung und nur noch Lektionen, die 80 Minuten dauern, waren die Kernpunkte des Modells.

Doch das Projekt scheiterte gran-dios am Widerstand der Mittelschullehrpersonen. «Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keinen Rückhalt für das Modell», sagte Daniel Franz, Präsident der Rektorenkonferenz im Dezember 2017. Es gelte nun, die vielen kritisch-konstruktiven Hinweise bei der Weiterarbeit zu berücksichtigen.

Inzwischen hat die Rektorenkonferenz analysiert, was schiefgelaufen ist. Daniel Franz gibt sich selbstkritisch: «Es ist uns nicht gelungen, die Lehrerschaft zu überzeugen, dass es in der aktuellen schwierigen Finanzsituation sinnvoll sein kann, pädagogische und schulorganisatorische Weiterentwicklung mit einem Sparauftrag zu koppeln.» Zudem habe man versucht, zu vieles unter einen Hut zu bringen. Schliesslich hätten sich beim gewählten Vorgehen Schulleitungen und Lehrpersonen übergangen gefühlt. Aus der Debatte zieht Franz verschiedene Schlüsse. So ist es für ihn klar, dass die Weiterentwicklung der Kantonsschulen vom Sparen zu entkoppeln sei. Auch die vorgeschlagene Lektionsdauer von 80 Minuten sei nicht in jedem Fall sinnvoll. Schulleitungen und Lehrpersonen sollen stärker und früher einbezogen werden.

1,6 Millionen einsparen

Die Rektorenkonferenz will die angestossene Diskussion nutzen und mit Blick auf die künftigen Herausforderungen, wie sie der neue Aargauer Lehrplan oder die Digitalisierung darstellen, ein übergeordnetes Projekt lancieren. Bis im Sommer möchte die Rektorenkonferenz zusammen mit den Schulleitungen die Projektarchitektur festlegen, im Herbst 2018 werden auch die Lehrpersonen miteinbezogen und im Frühjahr 2019 sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Die inhaltliche Neuausrichtung der Kantonsschulen wird damit also vertagt. Ganz im Gegensatz zum Sparauftrag: Dieser gilt ab sofort. Die Aargauer Mittelschulen müssen ab dem Schuljahr 2018/19 pro Jahr 1,6 Millionen Franken einsparen. (jm)