Den Sonntagnachmittag verbrachte Kurt Röthlisberger gestern nicht mit Spazieren in der Sonne, sondern mit Arbeiten im Büro. Freiwillig. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr gehören für den Präsidenten von Nez Rouge Aargau zu den wichtigsten im Jahr. 

Und auch heuer bereiten sie ihm grosse Freude: «Wir sind mit der Anzahl Fahrten rund 10 Prozent über Vorjahr», erklärt Röthlisberger am Telefon. Die Aktion startete Ende November. Rund 1000 Freiwillige sind in Zweierteams unterwegs, um Personen, die sich nicht mehr fahrtüchtig fühlen, in deren eigenen Autos nach Hause zu fahren. Die Kunden bedanken sich mit einem Trinkgeld.

Reportage: Tele M1 fährt für Nez Rouge

Reportage: Tele M1 fährt für Nez Rouge

In der aktuellen Saison wurden laut Röthlisberger bislang insgesamt 1720 Fahrten durchgeführt – so viele wie noch nie in diesem Zeitraum. «Wir werden dieses Jahr die 2000er-Schallmauer sprengen», freut sich der Präsident.

Die Zunahme im Aargau verläuft parallel zu den nationalen Zahlen: Am Samstag hatte Nez Rouge Schweiz mitgeteilt, man habe landesweit bereits 18000 Personen chauffiert – im Vorjahr waren es um dieselbe Zeit 16000 Personen gewesen.

Röthlisberger sieht dafür vor allem einen Grund: das Wetter – respektive den ausbleibenden Winter. «Wegen des fehlenden Schnees fahren die Leute über die Festtage nicht in die Höhe, sondern bleiben hier und gehen dafür mal in den Ausgang.» Ein Beispiel: Allein während des traditionellen Stefansballs in Herznach gab es am Samstag 60 Fahrten.

Mit eigenem Auto vorsichtiger

Neu ist dieses Jahr, dass die Freiwilligen nur noch in eigenen Autos unterwegs sind, um angetrunkene oder müde Autofahrer abzuholen. Wurden sonst jeweils um die zehn Fahrzeuge von Garagen gesponsert, hat der Verein heuer erstmals darauf verzichtet. Röthlisberger: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Leute im eigenen Auto bewusster und vorsichtiger fahren.»

Es habe zwar bislang keine Schäden, keine Unfälle gegeben. «Doch die Freiwilligen sind einfach lieber im eigenen Auto unterwegs», erklärt Röthlisberger. Zu spüren bekommt der Verein dies in der Kasse. «Dadurch, dass wir keine gesponserten Autos mehr haben, haben wir sehr viel höhere Benzinauslagen.»

Ein Fahrer erhält pro Kilometer 20 Rappen ausbezahlt. Finanziert wird dies aus den Trinkgeldern. So gesehen, zahlt sich das Rekordjahr finanziell nicht aus. Tragisch ist das laut Röthlisberger nicht: «Ziel ist, dass am Schluss etwas in der Kasse übrig bleibt und wir genug haben, um nächstes Jahr weiterzumachen.»

Tele M1 unterwegs für Nez Rouge (Teil 2)

Tele M1 unterwegs für Nez Rouge (Teil 2)

Viele wollen sich revanchieren

Der Verein führt eine Liste mit rund tausend Interessierten, davon ist jedes Jahr rund die Hälfte aktiv. Hinzu kommen rund 500 Personen, die via Medienaufrufe dazustossen oder «weil sie selbst den Fahrdienst auch schon beansprucht haben und jetzt etwas zurückgeben wollen».

Für Silvester, Nez Rouges «Grosskampftag», fehlen allerdings noch rund 30 Fahrer-Duos. Interessierte können sich unter HIER informieren und melden.