Lichtverschmutzung

Kein Scherz: In Scherz gibts nun eine Strassen-Lampe für Fledermäuse

Diese holländische «Bat Lamp» ist tierfreundlich – etwa für Fledermäuse, die gewöhnlichen LED-Leuchten ausweichen.

Diese holländische «Bat Lamp» ist tierfreundlich – etwa für Fledermäuse, die gewöhnlichen LED-Leuchten ausweichen.

Der Scherzer Roland Bodenmann ist Gemeinderat, Naturschützer und ein Kämpfer gegen Lichtverschmutzung. Deshalb steht jetzt vor seinem Haus in Scherz eine einzigartige Leuchte.

Man muss gut zuhören, wenn Roland Bodenmann über die «Bat Lamp» spricht. Licht ist für den Lichtplaner SLG nicht bloss Licht. Denn: Wo der Laie eine helle oder dunkle Strasse, eine starke oder schwache Beleuchtung sieht, sieht Bodenmann Lux, Lumen, Kelvin. Sprich: Masseinheiten. Es wird schnell technisch, wenn Bodenmann erzählt, doch die Ergebnisse seiner Arbeit sind für alle sichtbar. Als Bereichsleiter Lichtplanung im Aarauer Ingenieurbüro Hefti Hess Martignoni erarbeitet er Konzepte und Expertisen für Kantone, Gemeinden, Unternehmen. So hat Bodenmann mit seinem Team etwa das Licht in den Personalrestaurants am neuen SBB-Hauptsitz in Bern geplant. In der Bossard-Arena, dem Eishockeystadion des EV Zug, ebenso wie im denkmalgeschützten Türmlischulhaus in Küttigen. 

Eine LED, die nicht blendet

Am letzten Märztag dieses Jahres sitzt Roland Bodenmann im «Leue» in Scherz und erklärt einem Laien was Lux, Lumen und Kelvin sind. Warum Licht nicht sichtbar ist, sondern sichtbar macht. Und warum im Dorf am Rande des Birrfelds, Blick auf die Habsburg, 639 Einwohner, eine landesweite Neuheit steht. Sie trägt den Namen «Bat Lamp». Im Fachjargon ist die «Bat Lamp» ein Kandelaber, im Volksmund eine Strassenlampe. Eine, wie sie zu Tausenden im ganzen Land steht, sich jeden Tag automatisch ein- und ausschaltet, direkt gesteuert über den lokalen Stromversorger. Erstellt vermutlich irgendwann Ende Sechziger- oder Anfang Siebzigerjahre, so genau weiss das niemand mehr. Denn wichtig ist für den Fachmann nicht der untere, sondern der obere Teil: die aufgesetzte Leuchte.

In den letzten fünfzig Jahren wurden an Schweizer Strassen vor allem zwei Lampentypen verbaut: Zuerst Quecksilberdampf, weisses Licht; dann Natriumdampf, orangefarbenes Licht. Sie haben ausgedient, das «Inverkehrbringen von Quecksilberdampflampen» wurde per 2015 gar verboten. Ersetzt werden die beiden Technologien jetzt durch LED. Sie sind viel energieeffizienter und leuchtstärker. Nur, und das weiss auch der Experte, haben LED-Leuchten einen entscheidenden Nachteil: «Sie blenden.»

Er weiss das, weil er sich nicht nur beruflich, sondern auch in der Freizeit mit dem Licht beschäftigt. Als Vorstandsmitglied von Dark Sky Switzerland kämpft er gegen Lichtverschmutzung. Er sagt: «Der Schweizer ist ein Homo Luxus. Möglicherweise sind Lux und Luxus durchaus verwandt.» Was er damit meint: Auf nächtlichen Satellitenbildern ist die Schweiz wunderbar erkennbar. Seine zweite Leidenschaft sind, so sagt er es selbst, «die Viecher». Deshalb hörte er genau zu, als kürzlich ein Vertreter in seinem Büro stand und eine neuartige Leuchte vorstellte: die «Bat Lamp». «Sie ist zwar eine LED, leuchtet aber nicht weiss, sondern orange wie die alten Natriumdampflampen», so Bodenmann. Das freut die Tiere, etwa die Fledermäuse, die der «Bat Lamp» ihren Namen gaben. Erklärbar ist dies mit der Farbtemperatur: Eine herkömmliche LED leuchtet mit bis zu 6000 Kelvin, die «Bat Lamp» nur mit 2000.

Licht stört 28 von 30 Arten

Mehrere Untersuchungen zeigen, wie sehr Fledermäuse und auch Insekten von der öffentlichen Beleuchtung gestört werden. In der Schweiz gibt es laut Bodenmann 30 Fledermausarten. «Gerade mal zwei partizipieren am Licht der Strassenleuchten: Sie jagen Insekten, die sich dort sammeln.» Die 28 anderen Arten seien irritiert, wichen dem Licht aus, änderten ihre Flugkorridore, verlören Zeit für die Nahrungssuche. Seit vier Wochen steht die «Bat Lamp» in Scherz, direkt vor Bodenmanns Haus. Der Fachmann kann so am Feierabend Messungen vornehmen. Noch ruhen die Fledermäuse im Scheunen-Dachstock im Winterschlaf. Schon jetzt freut er sich aber auf den Frühling. Am Feierabend wird er vor dem Eingang sitzen und beobachten, wie sich die «Bat Lamp» und seine Viecher verstehen.

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