«Wer mit Lebensmitteln spekuliert und in Kauf nimmt, dass deshalb irgendwo Menschen sich kein Essen mehr leisten können, der ist ein gewissenloser Drecksack.» Das ist nicht das Zitat eines engagierten Jungsozialisten, sondern das des bekanntesten Aargauer Komikers. Peter «Peach» Weber, parteilos, Hägglingen, «der Schweiz bärtigster Humorist», wie er sich selbst beschreibt, tritt in der Kampagne der Spekulationsstopp-Initiative auf.

Peach macht Politik? Das ist ernst gemeint, wie der Freiämter am Telefon erklärt: «Diese ganze Spekulation regt mich schon seit Jahren auf. Als ich gehört habe, dass die Juso etwas dagegen macht, hatte ich vor, meine Mithilfe anzubieten. Das Komitee hat mich dann aber selber angefragt, und so gab ich sehr gerne mein Statement.» Jetzt wird Peach Weber auf der Website der Befürworter im Unterstützungskomitee aufgeführt – zwischen Biobäuerinnen, Pfarrern und Jean Ziegler.

«Ein Zeichen setzen»

Er finde es wichtig, sagt Weber, «ein Zeichen zu setzen» – auch wenn viele behaupteten, die Initiative bringe nichts. «Es gibt einfach keine Grenzen mehr im Finanzmarkt. Am Schluss wird mit allem spekuliert, nach Nahrungsmitteln, Edelmetallen und Immobilien wird vermutlich irgendwann noch gewettet, welche Föten überleben.» Dagegen müsse man angehen. Mit dem Essen spiele man nicht, das habe schon bei seiner Grossmutter gegolten. «Heute gibt es leider immer weniger solche Tabus. Ich unterstütze deshalb etwa auch die Vollgeld-Initiative. Der ganze Finanzmarkt ist einfach krank geworden.»

Peach Weber, der Politiker

Dass Peach Weber politisiert, ist übrigens kein Novum. Der heute 63-Jährige kandidierte im Alter von 25 Jahren in seinem Heimatort Wohlen für den Einwohnerrat. Mit seiner Ein-Mann-Liste «Euse Maa» holte er gleich zwei Sitze – ein Dilemma. Aus «Euse Maa» wurde zuerst «Eusi Manne» und später, als man zu acht im Parlament sass, «Eusi Lüüt». Dreimal wurde Peach Weber angefragt, ob er für den Nationalrat kandidieren wolle. Dreimal lehnte er ab. Es gebe keine Partei, hinter der er auch nur zu 30 Prozent stehen könne, sagte er im vergangenen Sommer zur «NZZ am Sonntag».

Weber stellt seinen Namen auch für das kantonale Komitee pro Spekulationsstopp-Initiative zur Verfügung, das die Juso Aargau morgen Freitag präsentieren will. Einfach war es nicht, dieses Komitee auf die Beine zu stellen: Von den Parteien wirkt neben SP und Grünen einzig die EVP mit Fraktionspräsidentin Lilian Studer im Komitee mit, daneben konnten die Juso auch einzelne Bauernvertreter für ihr Komitee gewinnen. Prominente Unterstützung erhalten sie daneben von den Regierungsräten Urs Hofmann (SP) und Susanne Hochuli (Grüne), die ebenfalls offen für die Initiative einstehen. Auf ihr Anliegen aufmerksam machen wollen die Juso mit verschiedenen Einzelaktionen. So werden sie nach Flyer- und Lebensmittel-Verkaufsaktionen in den nächsten Tagen beispielsweise mit einem Marktstand in Baden auftreten.