Abfall
Kehrichtverbrennung: Buchs sucht Kooperation im Aargau

Die Kooperation der Kehrichtverbrennungsanlagen in Buchs, Turgi und Dietikon scheiterte. Nun wird eine innerkantonale Lösung angestrebt.

Hans Lüthi
Merken
Drucken
Teilen
KVA Buchs will Kapazität verdoppeln.

KVA Buchs will Kapazität verdoppeln.

Zur Verfügung gestellt

Bedauern lag schon in den Worten von Präsident Guido Fischer, der den Kehrichtverband Aarau-Lenzburg seit über einem Vierteljahrhundert erfolgreich leitet. Aus Sicht der KVA Buchs stimmt es zumindest nachdenklich, dass es nicht gelungen ist, auch visionäre Optionen zu erarbeiten. Dies mit dem Ziel einer gemeinsamen Kehrichtzukunft ab 2030 für die Regionen von Dietikon über Turgi bis nach Buchs. Sei es mit einer neuen Anlage an einem neuen Standort oder einem grossen Ausbau in Buchs und halbem Feuer in Turgi. Das interkantonale Kooperationsprojekt wurde letzte Woche abgebrochen.

Trotz des Scheiterns über die Kantonsgrenze denkt die Verbandsspitze bereits über weitere Kooperationen nach. Man habe viel Geld investiert und wisse deshalb, «dass man die Anlage in Buchs ausbauen könnte, bis auf das Doppelte der heutigen Kapazität», sagte Fischer. Angestrebt wird neu eine Lösung innerhalb des Aargaus, Gespräche mit Turgi sind schon in Sicht. Ob früher oder später auch der Verband Erzo mit der KVA Oftringen dazu kommt, wird sich zeigen.

«Leider mussten wir Eva beerdigen», bedauerte auch Präsident Roger Huber vom Kehrichtverband Baden-Brugg. Mit Eva meint er das Kürzel für das Projekt Effiziente Verwertung von Abfall. Trotz der grossen Enttäuschung über klare Absagen aller Gemeindebehörden im unteren Aaretal habe der Vorstand der KVA Turgi «uns bereits den Auftrag erteilt, das Gespräch mit Präsident Fischer und Geschäftsleiter Harald Wanger zu suchen.» Als Hauptinitiant des gescheiterten Projekts Eva bedankte sich Huber im Voraus für die offenen Türen. Nicht ohne Grund: Die Anlage in Turgi liegt direkt neben der Limmat, mittelfristig wird man sie verkleinern oder stilllegen müssen. Dann verliert das Fernwärmenetz Refuna, das derzeit noch vom KKW Beznau Dampf bekommt, eine weitere Wärmequelle.

Mehr Wärme, weniger Strom

Die Kehrichtentsorger sind heute auch Kraftwerke, einfach «mit einem perfiden Brennstoff». Der neue Rekord von 108 400 Tonnen ist wirtschaftlich interessant und bringt viel Energie. Die 51 700 Megawattstunden (MWh) Fernwärme für das Wynenfeld und das Kantonsspital Aarau entsprechen einer Zunahme um 4,3 Prozent. Den Rückgang der Stromproduktion auf 51'800 MWh oder um 9 Prozent begründete Geschäftsleiter Harald Wanger mit einem Schaden an der Turbine. Sie wurde in Italien repariert, nächstes Jahr soll eine neue eingebaut werden.
Das Budget 2018 rechnet mit einer vollen Auslastung von 120'000 Tonnen, das ergibt bei unveränderten Preisen 14 Millionen Franken aus den Gebühren. Aus der Fernwärme kommen 1,8 Millionen, vom Strom 4,4 Millionen Franken, vor allem weil die Hälfte via kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) abgerechnet wird. Die sehr tiefen Marktpreise bringen deutlich weniger Geld. Die Zahl der Stellen steigt um eine auf 37 Vollzeitstellen, die Lohnsumme wird um ein Prozent erhöht. Das Budget mit einem kleinen Gewinn wurde von den 42 Abgeordneten aus den 83 Gemeinden des Kehrichtverbandes Aarau-Lenzburg einstimmig abgesegnet.

Für das Jubiläum zur 100. Abgeordneten-Versammlung lud die Verbandsspitze an den Hallwilersee ein. Nach dem Motto zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen, wurde der geschäftliche Teil im Seehotel Delphin in Meisterschwanden mit Aussicht auf den Apéro zügig abgehakt. Der Verband ist keineswegs hundert Jahre alt, doch weil er in der Regel zweimal jährlich tagt, kam die runde Zahl zustande. An der ersten Versammlung vom 27. Februar 1969 wurde der Bau einer ersten Ofenlinie beschlossen. Mit Weingeschenk und Dank wurde Fritz Wenziger aus Buchs nach fast 30 Jahren im Vorstand verabschiedet. Seit 1988 war er Mitglied, seit 1995 auch noch Präsident der Bau- und Betriebskommission.

Zum festlichen Teil kurvten Abgeordnete und Gäste über zwei Stunden auf dem dunklen Hallwilersee. Vor dem Hotel Delphin gab es einen Zwischenhalt, damit das Schiff die Fische frisch aufnehmen konnte, als Höhepunkt des Diners.