Neue Konkurrenz

Kehricht im Aargau: Das Geschäft mit dem Abfall wird 2015 härter

Die drei Aargauer Kehrichtverbrenner werden den Betrieb der Luzerner zu spüren bekommen.

Die neue Kehrichtverbrennungsanlage im luzernischen Perlen.

Die drei Aargauer Kehrichtverbrenner werden den Betrieb der Luzerner zu spüren bekommen.

Der Kampf um den Abfall spitzt sich zu. Grund: Nächstes Jahr nimmt die neue Anlage im luzernischen Perlen den Betrieb auf. Die drei Aargauer Kehrichtverbrenner werden dies zu spüren bekommen. Private müssen nicht mit höheren Gebühren rechnen.

Schon bald drängt ein weiterer Konkurrent auf den umkämpften Abfallmarkt. Die neue Anlage im luzernischen Perlen nimmt im nächsten Jahr den Betrieb auf und die drei Aargauer Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) werden dies zu spüren bekommen. Das ist schon jetzt klar. Offen ist nur, wie stark. Darauf hat auch Peter Kuhn, Leiter der Sektion Abfälle und Altlasten beim Kanton, keine Antwort: «Wir warten gespannt auf die Auswirkungen.» Eine Prognose, so ist er sich mit den KVA-Betreibern einig, ist kaum möglich.

Fest steht: Die KVA Turgi verliert rund 5000 Tonnen Abfall, die sie bislang von der alten Luzerner Anlage aushilfsmässig übernommen hat. «Wir versuchen nicht, diese zu ersetzen, sondern die übrigen 115 000 Tonnen Kehricht zu behalten», sagt Direktor Peter Ender. Er rechnet künftig mit 95 statt 100 Prozent Auslastung.

Die Kritik am System

Am stärksten betroffen ist die KVA Oftringen: Sie verliert auf einen Schlag 30 000 Tonnen Hauskehricht von Innerschweizer Gemeinden an die neue Konkurrenz. «In Zukunft wird uns ein harter Marktwind um die Ohren wehen», sagt Jacques Hartmann, Geschäftsführer KVA Oftringen. Bisher habe man in einer «relativ geschützten Werkstatt» arbeiten können.

Denn über die Hälfte der Abfallmenge war Haushaltkehricht – ein Geschäft mit sicheren Lieferungen und stabilen Preisen. Nun werden sich die Aargauer KVA um den Kehricht von Gewerbe und Industrie bemühen müssen – ein hart umkämpfter Markt, mit flexiblen Lieferanten und variablen Preisen. Die KVA Oftringen will mit Marktkehricht die Abfallmenge zurückgewinnen, die nach Auslauf der Verträge mit den Innerschweizer Verbänden Ende 2015 wegfällt.

Die riesige Kehrichtverbrennungsanlage im luzernischen Perlen.

Die riesige Kehrichtverbrennungsanlage im luzernischen Perlen.

Der Preiskampf unter den schweizweit 30 Anlagen dürfte sich weiter verschärfen. Denn das Ziel der Betreiber ist eine möglichst hohe Auslastung. Um dieses zu erreichen, würden einige KVA deutlich tiefere Preise in Kauf nehmen, sagt Hartmann. «Gewisse Abfallhändler nutzen das entsprechend aus.»

Am aktuellen System übt Hartmann auch aus einem anderen Grund Kritik: «Die Anlagen sind mit Steuergeldern finanziert worden. Nun profitieren Unternehmen von viel zu tiefen Tarifen, die sich nicht an Bau und Unterhalt der KVA beteiligt haben. Dahinter setze ich ein grosses Fragezeichen.»

Die Leidtragenden könnten letztlich die privaten Gebührenzahler sein, sollten die Tarife für Hauskehricht durch den Wettbewerb steigen. In naher Zukunft dürfte dies der Aargauer Bevölkerung aber erspart bleiben: Keiner der Beteiligten rechnet mit einem baldigen Anstieg. Die aktuellen Entscheide der KVA-Abgeordnetenversammlungen bestätigen diesen Eindruck zumindest für das kommende Jahr: In Buchs sinkt der Preis pro Tonne Hauskehricht gar um 10 Franken, in Oftringen und Turgi bleibt er unverändert. «Kurzfristig wird sich die neue Anlage nicht auf die Gebühren für Hauskehricht auswirken», sagt Peter Kuhn.

Der Blick in die Zukunft

An eine längerfristige Prognose in Bezug auf die Gebühren wagt sich niemand. «Dazu brauchte es eine Glaskugel», sagt Harald Wanger, Geschäftsleiter der KVA Buchs. Er sieht aber «recht gelassen» in die Zukunft und erwartet für 2015 keinen grossen Einfluss der neuen Konkurrenz auf die Buchser Anlage. «Sorgen über höhere Gebühren müssen sich die Aargauer momentan nicht machen.» Und auch aus Oftringen gibt es Entwarnung – fürs Erste zumindest: «Eine Panikreaktion wäre falsch. Wir werden die Entwicklung beobachten», sagt Jacques Hartmann.

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