Pendler kennen es nur zu gut: Mitreisende, die ganze Mahlzeiten in den öffentlichen Verkehrsmitteln einnehmen, und mitunter ihre Umwelt mit mehr oder weniger starken Geruchsemissionen belästigen.

Kebabs gehören - mit oder ohne Zwiebeln - zu den Lebensmitteln, die besonders stark riechen.

Einer Tramchauffeuse der Zürcher Verkehrsbetriebe wurde dies letzten Donnerstag zu bunt: Wie «Radio 1» vermeldete, forderte die Chauffeuse eine Kebab essende Passagierin auf, ihren Platz nahe dem Führerstand zu räumen und im hinteren Teil des Wagens Platz zu nehmen.

Der Grund: Die Chauffeuse fühlte sich vom Kebabgeruch in ihrer Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt.

Die Passagierin liess sich laut «Radio 1» jedoch nicht zu einem Platzwechsel bewegen. Daraufhin verweigerte die Chauffeure kurzerhand die Weiterfahrt - bis andere Passagiere wegen der entstandenen Verspätung intervenierten.

Bei der VBZ ist daraufhin eine Beschwerde gegen die Tram-Chauffeuse eingegangen, meldet „Radio 1". VBZ-Sprecherin Daniela Tobler: «Natürlich gibt es Esswaren, die einen unangenehmen Geruch verbreiten. Aber das Essen ist im Tram erlaubt. Wir appellieren hier an die Eigenverantwortung. VBZ-Angestellte sind nicht dazu da, die Kunden zurechtzuweisen und zu erziehen.»

Im Aargau ist man toleranter – wenns keine Verschmutzung gibt

Während die regionalen Verkehrsbetriebe in den Städten Luzern, Zug oder Basel den Passagieren das Essen verbieten, zeigt man sich im Aargau toleranter: «Die AAR bus+bahn haben nichts dagegen, wenn Passagiere in Bussen oder Zügen etwas essen oder trinken, solange sie ihren Abfall entsorgen und nichts verschmutzen», sagt Pierino Guardiani, Leiter Verkehr Bahn, und verweist auf die Hausordnung.

Zum Vorfall in Zürich äussert er sich zurückhaltend: «Jedes Transportunternehmen hat selber zu entscheiden was in ihren Fahrzeugen geduldet wird oder nicht.»

RVBW will Fahrgäste nicht bevormunden

Auch die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden- Wettingen RVBW erlauben das Essen in ihren Bussen: «Wir wollen unsere Fahrgäste nicht bevormunden», sagt Marketingleiterin Corinne Gubler auf Anfrage der az.

Alle paar Jahre werde zwar intern darüber diskutiert, aber ein generelles Essverbot wolle man nicht einführen.

«Ein Vorteil der ÖV ist ja, dass man darin auch Dinge machen kann, die im Auto nicht möglich wären.» Obwohl gelegentlich Probleme mit Geruchs-Emissionen oder tropfenden Speisen auftreten, vertraut man auf «den Anstand und die gegenseitige Rücksichtnahme der Fahrgäste», so Gubler weiter.