Villigen
Kaum eine Firma ist vielfältiger als das Paul-Scherrer-Institut

Frauen und Männer aus 64 Ländern verhelfen dem in Villigen angesiedelten Paul-Scherrer-Institut zum zweiten Rang im Diversity-Index der Hochschule Luzern.

Nadja Rohner
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Gelebte Diversität am PSI: Laura Heyderman, Leiterin der Forschungsgruppe Magnetische Nanostrukturen, im Gespräch mit Peter Derlet von der Forschungsgruppe Theorie der Kondensierten Materie.

Gelebte Diversität am PSI: Laura Heyderman, Leiterin der Forschungsgruppe Magnetische Nanostrukturen, im Gespräch mit Peter Derlet von der Forschungsgruppe Theorie der Kondensierten Materie.

PSI

Das Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen hat in Sachen Personaldiversität die Nase vorn – fast.

Noch vielfältiger ist die Belegschaft nur beim Pharmakonzern Novartis. Swisscom, Credit Suisse und Axa Winterthur liegen auf den Plätzen 3 bis 5.

Herausgefunden haben dies Forscher des Instituts für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern. Sie haben den Diversity-Index für Schweizer Unternehmen entwickelt. Dieser zeigt auf, wie durchmischt die Belegschaft bezüglich Kriterien wie Geschlecht, Nationalität, Alter oder Religion ist.

«Wir freuen uns über das gute Abschneiden», sagt PSI-Direktor Joël Mesot. «Zumal damit das Image eines modernen und aufgeschlossenen Arbeitgebers verbunden ist.»

Das PSI habe im Bereich Nationalitäten die Höchstnote erreicht. «Das liegt wohl daran, dass das PSI ein in der Schweiz einzigartiges Forschungsinstitut ist und manche Experimente weltweit nur bei uns durchgeführt werden können.»

So seien im PSI zurzeit hochkompetente Menschen aus 64 Ländern tätig. Vor diesem Hintergrund zeigt sich Mesot besorgt über das Ja der Schweizer zur Masseneinwanderungsinitiative: «Wir betreiben Spitzenforschung in einem weltweiten Wettbewerb», sagt er.

Um stets in der ersten Reihe mitmischen zu können, brauche man die besten Köpfe. «Diese arbeiten dort, wo sie interessante Aufgaben vorfinden – und wo sie das Gefühl haben, mit ihren Familien willkommen zu sein. Wenn wir ihnen dieses Gefühl nicht mehr geben können, haben wir ein Problem.»

Vielfalt bewusst managen

Doch weshalb ist Diversität in der Personalstruktur so wichtig? «Studien belegen, dass eine grosse Vielfalt mit einer höheren Innovationskraft einhergeht – und Innovation ist ein Grundtreiber für nachhaltigen Erfolg», sagt Wirtschaftsprofessorin Sita Mazumder.

Sie leitet das Diversity-Index-Projekt am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Wirtschafts-Hochschule Luzern. Wenn in einem Unternehmen Menschen zusammenarbeiten, die sich punkto Alter, Lebensstil, Religionszugehörigkeit oder Nationalität unterscheiden, ergebe dies eine Vielfalt im Denken.

«Eine grosse Altersvielfalt ist zum Beispiel wichtig, wenn man einen breiten Markt erschliessen will.» Denn: Habe man beispielsweise nur sehr junge Mitarbeiter, sei es schwierig, das Marktsegment der über 50-Jährigen passend zu bedienen. Auch der Gruppendynamik könne eine gut durchmischte Teamstruktur dienen.

Allerdings müsse Vielfalt bewusst herbeigeführt und gemanagt werden: «Es genügt nicht, eine junge Frau und einen alten Mann einzustellen; sie müssen auch miteinander kommunizieren können», erklärt Mazumder.

Aufgabe des Managements sei es, diese Prozesse zu gewährleisten, «ansonsten drohen Reibungsverluste». Wenn dies gelinge, könne ein heterogenes Team nachweislich nachhaltigere Entscheide treffen als eine homogene Gruppe: «Letztere entscheiden zwar oft schneller, aber nicht unbedingt besser», so die Professorin.

«Alle Gewinner»

Die Hochschule Luzern hat nur die Namen der Firmen auf den vordersten Plätzen veröffentlicht – aus gutem Grund:

«Die Organisationen sind alle Gewinner, weil sie bei der Studie mitgemacht und sich so intensiv mit der Vielfaltsfrage auseinandergesetzt haben», betont Mazumder.

«Man muss bedenken: Hinter dem letzten Platz der offiziellen Rangliste folgen zahlreiche Unternehmen, denen das Thema nicht wichtig genug war.»

Die Hochschule habe rund 900 Firmen mit mindestens 250 Angestellten kontaktiert. 56 vollständig ausgefüllte und auswertbare Fragebogen seien zurückgekommen.

«Das mag nach wenig klingen, wir waren jedoch positiv überrascht», sagt Mazumder. «In die Erhebung mussten die Unternehmen viel Zeit investieren.

Es war absehbar, dass dies bei der ersten Durchführung des Projekts nur wenige auf sich nehmen würden.» Mazumder hofft nun, dass noch mehr Firmen bei der nächsten Erhebung mitmachen. Diese startet im Juni 2014.