Asyl-Streit

Kauft Aarburger Ammann Block, um Asyl-Unterkunft zu verhindern?

Aarburger Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär vor der geplanten Asylunterkunft.

Aarburger Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär vor der geplanten Asylunterkunft.

Heute Abend um 17.30 Uhr wollen Betroffene in Aarburg mit einer Grillaktion gegen die geplante Asylunterkunft protestieren. Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär hat noch einen weiteren Pfeiler im Köcher, um den Kanton in die Knie zu zwingen.

«Nein! zum Asylheim an der Lindengutstrasse in Aarburg» heisst eine Facebook-Gruppe, die innert zwei Tagen bereits 700 Unterstützende gefunden hat.

Aus dem virtuellen Protest soll heute Abend ein konkreter vor Ort werden. Hinter der geplante Asylunterkunft grillieren Anwohner gegen das Projekt des Kantons. Mit Bratwürsten gegen Asylbewerber sozusagen.

«Wir wollen ein Zeichen setzen und zum Ausdruck bringen, dass wir mit der neuen Unterkunft nicht einverstanden sind», sagt Felix Grendelmeier, der neben der neuen Asylunterkunft in Aarburg wohnt. Er sei sonst nicht politisch aktiv, «aber als ich gehört habe, dass der Kanton ab Mai 90 Asylsuchende an der Lindengutstrasse unterbringen wird, sah ich mich zum Handeln gezwungen».

Eigentlich habe er nach der Renovation der Häuser auf gute Steuerzahler als neue Nachbarn gehofft.

Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär gibt noch nicht auf. Er hat als erster dem Kanton den Fedehandschuh hingeworfen mit seiner geharnischten Medienmitteilung vom Dienstag. Schär will alles in seiner Macht liegende tun, um die Asyl-Unterkunft doch noch zu verhindern: «Wir sind schliesslich keine Bananenrepublik.»

Darauf angesprochen, ob es die Option gebe, die Liegenschaften selber zu kaufen, sagt Schär: «Ich persönlich habe mir das schon überlegt. Die Frage ist nur, woher wir so schnell so viel Geld bekommen würden.»

«Sinn für Realität wahren»

Balz Bruder, Leiter Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales beim Kanton Aargau, sagt, dem Kanton sei es ein Anliegen, dass Augenmass und Verhältnismässigkeit beim Widerstand nicht verloren gingen.

«Man muss bedenken, dass es sich mehrheitlich um Familien mit Kindern - zum Beispiel um solche aus Syrien - handelt, die froh sind, sich in Sicherheit zu wissen und ein Dach über dem Kopf zu haben», so Bruder.

«Der Kanton hätte es zudem sehr begrüsst, wenn der Gemeinderat sich an die Abmachungen eines gemeinsamen Zeitpunkts für die Kommunikation nach aussen gehalten hätte.» Die Gespräche würden vonseiten des Kantons auf sachlicher Ebene fortgeführt und die betroffenen Nachbarn detailliert informiert, bevor die ersten Asylsuchenden einziehen werden.

Von wütend bis gelähmt

Die Stimmung in Aarburg ist trotzdem angespannt. Die meisten Einwohner sind wenig erfreut, wie eine Umfrage im Städtli zeigt: «Das ist wirklich eine unschöne Sache, eine Katastrophe», sagt der Aarburger René Hug. Man sei in Aarburg wie gelähmt. «Wir evaluieren die Situation und suchen nach Möglichkeiten.» Mehr könne nicht getan werden.

Hermann Siegfried, Betreiber des Kiosks neben dem Rathaus, versteht nicht, wieso die Unterkunft in ein Familienwohnquartier stationiert wird. Zudem: «Die Asylsuchenden sollten besser im Kantonsgebiet verteilt und nicht zehn Prozent an einem Ort platziert werden.» Passantin Rosmarie Brechbühl ist verärgert: «Was ich über Frau Hochuli denke, das darf ich nicht sagen.»

«Hochuli soll persönlich nach Aarburg kommen»

Im Rathaus teilt man die Meinung der Anwohner und fühlt sich vom Kanton verschaukelt, der an seinem Vorhaben festhält. «Ich erwarte, dass Regierungsrätin Susanne Hochuli persönlich nach Aarburg kommt und sich rechtfertigt», sagt Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär.

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