Aargauer Katholiken
Katholiken sind sich einig: «Der Name Franziskus ist Programm»

Aargauer Katholiken äussern sich sehr zuversichtlich zur Wahl des neuen Papstes. Nebst der Überraschung über die rasche Wahl dominiert die Hoffnung auf einen Wechsel und auf Bewegung in der Katholischen Kirche.

Mathias Küng
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Aargauer Katholiken äussern sich zur Papstwahl
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Aargauer Kirchenratspräsidenten Luc Humbel
Claudia Mennen, Leiterin der Propstei Wislikofen: «Der neue Papst kann der Kirche guttun»
Martin Linzmeier von der Pfarrei St. Wendelin in Gipf-Oberfrick

Aargauer Katholiken äussern sich zur Papstwahl

Katja Landolt

Im Kloster Fahr wurde ausnahmsweise die Komplet vorverschoben, um gemeinsam die Tagesschau zu sehen.

Als sie im extra fürs Konklave gemieteten Fernseher Glocken läuten sah und hörte, glaubte Priorin Irene vom Kloster Fahr erst, es werde eine frühere Sequenz eingespielt, um zu zeigen, was nach der Wahl geschieht.

Doch sofort wurde klar: der neue Papst ist schon am zweiten Tag gewählt.

Die rasche Wahl und die getroffene Wahl war eine Riesenüberraschung für die Priorin: «Es ist wunderbar, das erfahren zu dürfen. Die Kirche bewegt sich. Ich habe die Hoffnung, dass etwas passieren kann, das man gar nicht mehr erwartet hat, nachdem die Kirche mit ihrem Apparat in Rom in den letzten Jahren etwas erstarrt ist.»

Die Priorin kann sich vorstellen, dass ein Papst aus Argentinien eine neue Weite in die Kirche bringt. Priorin Irene: «Die Kirche lebt. Das ist ein Zeichen, da wirkt Gottes Geist.»

Kommt der Wechsel?

Luc Humbel, Kirchenratspräsident der Katholischen Landeskirche des Kantons Aargau, war im positiven Sinn betroffen, als die Namenswahl des neuen Papstes verkündet wurde: «Franziskus, das ist Programm. Es ist ein Bekenntnis, dass die Kirche für die Benachteiligten da sein soll.»

Ohne vorschnelle Erwartungen wecken zu wollen, steht dies für Humbel für einen Wechsel. Ob er kommt, werde man erst in einigen Jahren wissen.

Er erwartet vom neuen Papst Dialogbereitschaft und «dass er sich aufmacht, Antworten auf Fragen der Zeit zu finden, um damit der Katholischen Kirche zu verstärkter Glaubwürdigkeit zu verhelfen.»

Weniger Rom, mehr lokale Kirche

Claudia Mennen, Leiterin der Propstei Wislikofen, ist sehr erfreut, dass der neue Papst aus Südamerika kommt. Er lebe sehr bescheiden. Mennen ist überzeugt: «Er kann der Kirche guttun.»

Wenn er das lebe, was sein Name besagt, «kann die Kirche glaub würdiger und menschlicher werden.» Der neue Papst sei zudem mit der Kurie in Rom vertraut.

Mennen: «Er hat das Potenzial, um in der Kirche aufzuräumen, die Strukturen zu bereinigen und die Bistümer weltweit zu stärken. Weniger Rom, mehr lokale Kirche, das wäre eine Riesenbereicherung.»

Reform ist dringend nötig

«Wenn er wahr macht, was sein Name besagt, also Einsatz für Arme und Gerechtigkeit, kommen ein paar andere wichtige Themen auf die kirchliche Tagesordnung», freut sich Martin Linzmeier, Gemeindeleiter in Gipf-Oberfrick.

Zu Franziskus gehöre auch der Befehl: «Baue meine Kirche neu auf.»

Für Linzmeier, der mit anderen Gemeinden zusammen aus Protest derzeit das Papstopfer nicht mehr einziehen mag, heisst dies, dass die Kirche reformiert würde: «Das ist auch dringend nötig.» Ob es auch geschieht, weiss er nicht, aber: «Ich lasse mich gern positiv überraschen.»

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