«Precobs»
Kapo Aargau geht definitiv mit Spezial-Software auf Einbrecherjagd

Die Zahl der Einbrüche im Aargau sinkt. Dazu trägt auch die Software Precobs beiträgt – nach einjährigem Test ist die Kapo überzeugt vom Nutzen.

Manuel Bühlmann
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Mit der Software «Precobs» soll dank statistischen Daten vorausgesagt werden können, wo der nächste Einbruch stattfindet. (Symbolbild)

Mit der Software «Precobs» soll dank statistischen Daten vorausgesagt werden können, wo der nächste Einbruch stattfindet. (Symbolbild)

Keystone

Nach einer einjährigen Testphase steht nun fest: Die Kantonspolizei Aargau setzt definitiv auf die Software Precobs. Diese soll dabei helfen, Einbrüche zu verhindern, bevor sie begangen werden. Das Programm wertet die umfangreiche Datensammlung von begangenen Einbrüchen aus und ermittelt so Orte, die besonders gefährdet sind. Dabei macht sich Precobs zunutze, dass Einbrecher oft mehrmals im gleichen Quartier aktiv sind. Schlägt das System Alarm, gibt es zwei Optionen: Präsenz markieren und abschrecken oder beobachten und die Täter wenn möglich auf frischer Tat ertappen.

An diesem Arbeitsplatz beginnt der Kampf gegen die Einbrecher: André Gloor, Dienstchef des Lage- und Analysezentrums vor dem Computer, an dem Precobs getestet wird.

An diesem Arbeitsplatz beginnt der Kampf gegen die Einbrecher: André Gloor, Dienstchef des Lage- und Analysezentrums vor dem Computer, an dem Precobs getestet wird.

Chris Iseli

«Gestützt auf die Informationen können die operativen Kräfte sowohl räumlich wie auch zeitlich ausgerichtet werden», sagt Kapo-Sprecher Roland Pfister. Die Resultate aus der Pilotphase vermochten zu überzeugen. «Im Bereich des Wohnungseinbruchdiebstahls hat Precobs mitgeholfen, die Einbruchzahlen zu reduzieren.» Die Kosten für Precobs betragen für drei Betriebsjahre rund 130 000 Franken – darin enthalten sind sämtliche Weiterentwicklungen der Software.

Die Zahl der Einbrüche konnte im Aargau bereits 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent gesenkt werden. Fürs laufende Jahr erwartet die Kapo die Fortsetzung des Trends. «Stand heute können wir davon ausgehen, dass die Zahl der verübten Einbruchsdelikte im Vergleich zu 2014 noch einmal reduziert werden kann», sagt Pfister.

Ist die Einbruchgefahr in einem Gebiet erhöht, veröffentlicht die Kapo Warnungen über Website, App, Push-Nachricht und Facebook. Siebenmal ist dies seit Sommer vorgekommen. Jüngstes Beispiel von Mitte November: «In Stein besteht derzeit ein erhöhtes Einbruchsrisiko. Die Kantonspolizei Aargau mahnt zu besonderer Wachsamkeit.» Zusammen mit der Meldung veröffentlicht wird eine Karte – darauf ein roter Kreis, der das besonders gefährdete Gebiet markiert. Roland Pfister: «Diese Warnungen führten zur angestrebten Sensibilisierung.»

Damit ist die Aargauer die zweite Kantonspolizei, die auf die neue Technologie bei der Verbrechensbekämpfung setzt. Im Kanton Basel-Landschaft sind die Erfahrungen mit Precobs gut. «Wir setzen die Software seit Herbst 2014 erfolgreich ein», sagt Polizeisprecher Meinrad Stöcklin. Die Zahl der Einbrüche ging im Nachbarskanton dieses Jahr – verglichen mit der entsprechenden Vorjahresperiode – um über einen Drittel zurück. Stöcklin: «Dieser Rückgang ist mitunter, aber explizit nicht nur auch ein Verdienst von Precobs, in Kombination mit einer Vielzahl von anderen repressiven und präventiven Massnahmen. Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass Precobs allein kein Wundermittel ist und nicht per se Einbrüche verhindert.»

Ob bald schon andere Nachbarkantone folgen werden, ist noch offen. Bei der Herstellerfirma, dem Institut für Prognosetechnik im bayerischen Oberhausen, heisst es lediglich: «Es bestehen derzeit Kontakte zu weiteren Kantonen, um auch dort einen Testbetrieb vorzunehmen.»

Wie «Precobs» genau funktioniert, sehen sie im Beitrag der SRF-Sendung «Einstein»:

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