Löhne
Kantonsspitäler Aarau und Baden erfüllen die 1:12-Initiative nicht

Der Lohn einzelner Chefärzte in den Kantonspitälern Aarau und Baden liegt ausserhalb der von der 1:12-Initiative der Juso geforderten Spanne. An beiden Spitälern gibt es einzelne Chefärze, die mehr verdienen.

Fabian Hägler
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Chefärzte in Aarau und Baden sprengen die Vorgaben der Initiative.

Chefärzte in Aarau und Baden sprengen die Vorgaben der Initiative.

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In genau zwei Monaten wird über die 1:12-Initiave der Juso abgestimmt. Diese verlangt, dass der höchste Lohn in einem Unternehmen nicht mehr als 12-mal so hoch liegen soll wie der niedrigste. Sollte das Volk am 24. November die Initiative gutheissen, hätte dies Auswirkungen für die beiden Kantonsspitäler.

Andrea Hopmann, Leiterin Marketing und Kommunikation im Kantonsspital Aarau (KSA), schreibt auf Anfrage, die Forderungen der 1:12-Initiative würden «mit Ausnahme einzelner Chefärzte problemlos eingehalten». Im Klartext heisst dies: Offenbar verdienen gewisse Chefärzte am Kantonsspital Aarau (KSA) über 12-mal mehr als die Angestellten mit dem tiefsten Lohn. Mehr ist beim KSA auch auf Nachfrage nicht zu erfahren: Andrea Hopmann weigerte sich, weitere Auskünfte zur Lohnspanne oder zu den Salären der entsprechenden Ärzte zu erteilen.

«Grundsätzlich keine Lohnauskünfte»

Gleich sieht die Situation im Kantonsspital Baden (KSB) aus: «Die 1:12-Initiative könnte grundsätzlich gut umgesetzt werden, Ausnahmen bilden einzelne Chefärzte», teilt Mediensprecher Marco Bellafiore mit. Mehr will der KSB-Sprecher nicht sagen: «Wir geben grundsätzlich keine Lohnauskünfte», hält Bellafiore fest.

Vor einer Woche hat der Aargauer Regierungsrat mitgeteilt, dass er die 1:12-Initiative ablehne. Ein Ja hätte laut der Regierung «bedeutende Einnahmeausfälle bei den Steuern und den Sozialversicherungen zur Folge». Für den Kanton Aargau als Arbeitgeber hätte die Initiative jedoch keine Auswirkungen, wie Pascal Scholl, Leiter der Abteilung Personal und Organisation, erklärt. «Der Mindestlohn für Mitarbeitende mit ordentlicher Anstellung beträgt rund 40 000 Franken, die Grenze für 1:12 liegt damit bei 480 000 Franken», rechnet er vor. Scholl hält fest: «Alle Löhne der kantonalen Angestellten sind klar darunter, der Kanton Aargau als Arbeitgeber erfüllt heute schon die Forderungen der Initiative.» Derzeit liegen die Löhne in der Kantonsverwaltung in einer Spanne von knapp 1:7, wie der Aargauer Personalchef erklärt. Daraus lässt sich errechnen, dass der bestbezahlte Kantonsangestellte rund 280 000 Franken verdient.

Deutlich mehr, nämlich 364 000 Franken, bezog der CEO der AEW Energie AG, die im Besitz des Kantons ist. Dies geht aus dem aktuellen Geschäftsbericht 2011/12 hervor. «Die AEW Energie AG äussert sich grundsätzlich nicht zu politischen Themen, die keinen direkten Zusammenhang mit ihrem Kerngeschäft haben», schreibt Elke Piller, Leiterin Unternehmenskommunikation, als Antwort auf die Anfrage der «Schweiz an Sonntag» zur 1:12-Initiative. Trotzdem könne laut Piller festgehalten werden, «dass die AEW Energie AG die Forderungen der 1:12-Initiative erfüllen würde». Die Frage, wie die Lohnspanne im Unternehmen konkret aussieht, wollte die AEW-Sprecherin nicht beantworten.

Auch die Aargauische Kantonalbank (AKB) gibt sich mit Blick auf die Forderung der 1:12-Initiative zurückhaltend. «Als Bank geben wir keine Stellungnahme dazu ab», hält Ursula Diebold, Leiterin Kommunikation, fest. So bleibt die Frage offen, ob es AKB-Mitarbeiter gibt, die weniger als ein Zwölftel von Direktionspräsident Rudolf Dellenbach verdienen. Dieser hatte 2012 insgesamt 987 000 Franken erhalten, der niedrigste Lohn bei der Bank dürfte also nicht unter 82 250 Franken liegen, um die 1:12-Forderung zu erfüllen. Rudolf Dellenbach selber, «explizit als Privatperson», wie AKB-Sprecherin Diebold festhält, sei gegen solche Eingriffe des Staates.

Dellenbach bezog im Geschäftsjahr 2012 insgesamt 962 604 Franken. Sein Nachfolger wird indes deutlich weniger verdienen: Ab 2015 soll der Lohn des AKB-Präsidenten auf rund 600 000 Franken begrenzt werden. Die Kürzung erreichte die SVP mit einer Motion, die im Juni 2012 im Grossen Rat überwiesen wurde.

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