Die Interpellation von sechs Grossräten, querbeet durch die Parteienlandschaft, wurde noch vor dem definitiven Entscheid des Kantons über den Luftrettungsstreit eingereicht. Die Parlamentarier hinterfragten die im Frühling provisorisch getroffene Regelung, dass im Aargau für Notfalleinsätze in erster Linie der auf dem Flugplatz Birrfeld stationierte Helikopter der TCS-Partnerfirma Alpine Air Ambulance (AAA) aufgeboten wird und nicht mehr die «seit Jahrzehnten» bewährte Rega. Diese Praxisänderung, ausgelöst durch eine tödlichen Unfall, sorgte gehörig für Turbulenzen. Im Juli bestätigte das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) diesen Meccano – mit Ausnahme des unteren Fricktals, wo die Rega in Basel am nächsten stationiert ist.

Die Argumente, die der Regierungsrat am Freitag als Antwort veröffentlicht hat, sind deshalb bekannt: Die AAA verfügt über eine Rettungsbewilligung des Kantons und eine Zertifizierung des Interverbands für Rettungswesen. Die Luftrettung wird nicht staatlich beplant, weshalb «der Markteintritt eines weiteren Luftrettungsunternehmens grundsätzlich möglich» sei. Das zusätzliche Rettungsmittel sei zudem «schneller am Einsatzort als der Rega-Heli». Schliesslich komme es «immer wieder vor, dass die bodengebundenen Rettungsfahrzeuge besetzt sind, so dass die Verfügbarkeit eines weiteren Einsatzmittels von Nutzen ist».

«Es wäre schlichtweg unverständlich, bei medizinischen Notfällen ein die gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllendes Angebot nicht zu nutzen und den Patientinnen und Patienten medizinische Hilfe zu verweigern, die mitten im Kanton zur Verfügung steht», hält der Regierungsrat gegenüber den Rega-freundlichen Interpellanten unmissverständlich fest.

Aufhorchen lässt die Antwort auf die Frage, ob das Kantonsspital Aarau (KSA) hinter dem Entscheid stehe. Im KSA ist die Notrufzentrale untergebracht, welche den TCS-Heli aufbietet. Das Spital und die Einsatzleitstelle 144 setzten den Entscheid zwar um, «wobei die Meinungen zum Einbezug des TCS-Helis ins aargauische Rettungsdispositiv teilweise auseinandergehen». Das Interesse am Einbezug des KSA begründen die Interpellanten mit dessen Status als «eine von schweizweit nur 12 definierten Kliniken zur Behandlung von Schwerverletzten».

Welche Vorbehalte das Kantonsspital genau hat, will es nicht beantworten. Auf Anfrage teilt die Spitalleitung lediglich mit, man habe im Sommer zuhanden des DGS «eine Stellungnahme verfasst, in der klar zum Ausdruck kommt, dass für uns bei allen Entscheidungen das Patientenwohl im Zentrum zu stehen hat». Im April hatte die Einsatzleitstelle mitgeteilt, die neue Art der Alarmierung entspreche «nicht unseren Wünschen». Man wünsche sich für Helikoptereinsätze «einen einzigen Ansprechpartner» oder bei mehreren Anbietern «eine verlässliche Luftkoordination.» Entsprechende Bemühungen, den TCS-Heli ins Alarmierungssystem der Konkurrentin Rega zu integrieren, scheiterten im Juni.