Eigentlich schon seit April wollte Jean-Claude Furegati mit seiner Alpha Medic AG von Lenzburg aus im Aargauer Rettungswesen mitmischen. Doch das Departement Gesundheit und Soziales und das Kantonsspital Aarau (KSA) machen ihm einen Strich durch die Rechnung: Der Alpha Medic wurde kein Einsatzgebiet zugeteilt, stattdessen hat nun der Rettungsdienst des KSA einen Aussenstandort eröffnet und ein Team in Lenzburg stationiert. Das will sich der private Konkurrent nicht bieten lassen, dem Aargau droht ein Ambulanzen-Krieg.

Mit einem Schachzug hatte sich Furegati für seine Alpha Medic die Betriebsbewilligung für Primär-Rettungseinsätze ergattert. Er besass bislang für den Aargau nur eine sogenannte kleine Bewilligung für Sekundärtransporte (Patientenverlegungen). Für Primär-Rettungseinsätze verlangt der Aargau zwingend eine Zertifizierung durch den Interverband für das Rettungswesen IVR, über die Furegatis Alpha Medic (noch) nicht verfügt.

Der Kanton Zürich unterscheidet aber nicht zwischen «kleiner» und «grosser» Bewilligung. Also beantragte Furegati gestützt auf die «kleine» Aargauer Bewilligung erfolgreich eine Zulassung in Zürich.

Mit dieser wurde er dann wieder in Aarau vorstellig, und siehe da: Nun befand man im Departement Gesundheit und Soziales, dass einem in einem anderen Kanton zugelassenen Rettungsdienst auch im Aargau die Betriebsbewilligung nicht länger verweigert werden könne. Dies aufgrund des Binnenmarktgesetzes, das den freien Zugang für Waren und Dienstleistungen zum Markt in der ganzen Schweiz garantiert.

KSA eröffnet Filiale in Lenzburg

So weit, so gut. Nur macht es keinen Sinn, irgendwo eine Ambulanz zu stationieren, wenn sie nicht von der Einsatzleitstelle (Notruf 144) aufgeboten wird. Der Kanton teilt den Rettungsdiensten Gebiete zu und legt fest, wo wer aufzubieten ist. Mit dem Standort Lenzburg glaubte die Alpha Medic, gute Karten für eine Gebietszuteilung zu haben, denn von hier aus liesse sich ein recht grosses Einzugsgebiet schneller erreichen als vom Kantonsspital Aarau oder von Baden aus.

Die schnelle Erreichbarkeit sei das einzige Kriterium, nach dem der Kanton die Gebietszuteilung vornimmt, bekräftigte Anfang April denn auch das Departement Gesundheit und Soziales auf eine Anfrage der az. Die Zuteilung sei noch nicht erfolgt, weil «einige Angaben seitens Alpha Medic» noch ausstünden.

Aber schon zuvor hatte der Vertreter des kantonsärztlichen Dienstes den Leitern der «etablierten» Rettungsdienste an einem Treffen eröffnet, man habe kaum eine Handhabe, eine Gebietszuteilung an die Alpha Medic zu verhindern. Das hörten die gar nicht gerne. Sie beklagten die fehlende rechtliche Grundlage für einen Gebietsschutz. Und die Chefs der Kantonsspitäler Aarau und Baden übten offen Kritik an der Zulassung eines Rettungsdienstes ohne IVR-Zertifizierung (az vom 4. April).

Die Aufnahme eines neuen Anbieters ins Einsatzdispositiv und die damit verbundene Verkleinerung der eigenen Einsatzgebiete führe «zwangsläufig» zu einer Unterdeckung der hohen Kosten für die vom Kanton verlangten Vorhalteleistungen.

In der Zwischenzeit ist Folgendes passiert: Am 9. Mai schrieb der kantonsärztliche Dienst der Alpha Medic, ein bereits etablierter Rettungsdienst interessiere sich ebenfalls für einen neuen Standort, um den Raum Lenzburg abzudecken. Falls sich dieses Interesse konkretisiere, werde man diesem Rettungsdienst einen Standort in Lenzburg zuteilen.

Das Interesse konkretisierte sich in Windeseile: Seit dem 1. Juni betreibt der Rettungsdienst des Kantonsspitals Aarau eine Wache in Lenzburg. Es handelt sich dabei nicht um einen Ausbau der Kapazitäten, es wurde ein Team mit Fahrzeug nach Lenzburg verlegt. Es gehe darum, bei zunehmend dichtem Strassenverkehr zwischen Aarau und Lenzburg das Angebot durch eine Verkürzung der Hilfsfristen zu verbessern, lässt das KSA gegenüber der az verlauten. Und ja: auch darum, das Einsatzgebiet des KSA zu sichern.

Furegati lässt nicht locker

Alpha-Medic-Chef Furegati nennt das eine «klare Wettbewerbsverzerrung» durch den Kanton. Er sei bereits in Aarau gewesen, um die Anbindung seines Rettungsdienstes an die Einsatzleitstelle zu besprechen. Das brauche drei Monate ab dem Okay des Departements Gesundheit und Soziales, habe man ihm beschieden. Jetzt fühle er sich «belogen und hintergangen», so Jean-Claude Furegati.

Immerhin hat er für ein neues Ambulanzfahrzeug und medizinisches Material bereits 350 000 Franken investiert. Furegati will sich das nicht bieten lassen. Er hat nun beim Kanton zunächst einmal verlangt, dass man ihm den negativen Entscheid in einem formellen Schreiben eröffnet, was bisher nicht geschehen sei.

Dann will er alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, dagegen Beschwerde führen. Aber auch wenn es dafür keinen Weg gibt, will er nicht aufgeben. Er habe noch drei weitere Standorte an der Hand, an denen er innert Tagen loslegen und sich erneut um eine Gebietszuteilung bewerben könnte, so Furegati.

Beim Departement Gesundheit und Soziales gibt man sich unterdessen eher wortkarg zum Stand der Auseinandersetzung mit dem privaten AmbulanzenRebell. «Angesichts der veränderten Ausgangslage wird das Departement eine Neubeurteilung der Situation vornehmen, wenn der Rettungsdienst Alpha Medic die geforderten Auflagen erfüllt hat», sagt Sprecher Balz Bruder.

Furegati glaubt zu wissen, wo der Hase lang läuft: Man wolle ihn hinhalten, denn wenn er innert einer bestimmten Frist die IVR-Zertifizierung nicht erhält, erlischt auch seine «grosse» Betriebsbewilligung für den Aargau wieder. Und: Diese Anerkennung wird er ohne Anbindung an die Einsatzleitstelle bzw. Gebietszuteilung kaum schaffen.