Jahresabschluss 2018
Kantonspital Aarau nur mit Mini-Gewinn – er liegt deutlich unter den Erwartungen des Kantons

Jahresabschluss Im Kantonsspital Aarau kamen mehr Kinder zur Welt als je zuvor. Der Gewinn fiel tiefer aus als 2017.

Mathias Küng
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Das Kantonsspital Aarau.

Das Kantonsspital Aarau.

Claudio Thoma

2018 war für die Kantonsspital Aarau AG (KSA) ein anspruchsvolles Jahr in einem herausfordernden Umfeld. So steht es im Communiqué zum Jahresabschluss. Tarifreduktionen im ambulanten Bereich hatten mit 12 Millionen Franken weniger Ertrag substanzielle Auswirkungen. Man konnte dies aber durch Optimierungen weitgehend kompensieren. Und wie? Laut Felix Schönle, Vizepräsident des KSA-Verwaltungsrates, erzielte das Spital Einsparungen beim Einkauf von medizinischem Bedarf. Zudem fielen für Informatikprojekte deutlich weniger Kosten an als bisher. Die Angestellten trugen viel Ferien- und Überzeitguthaben ab.

So konnte das Geschäftsjahr 2018 ausgeglichen abgeschlossen werden, mit einem minimen Gewinn von 0,3 Millionen Franken. Die Ebitda-Marge liegt bei 5,8 Prozent, und ist damit im Schweizer Mittel. Aber sie ist klar unter den Vorgaben des Eigentümers (das Spital gehört dem Kanton Aargau) von zehn Prozent.

So soll der Neubau des Kantonsspitals Aarau aussehen. Im Bild der Haupteingang.
12 Bilder
So könnte ein Zimmer für allgemeinversicherte Patientinnen und Patienten aussehen.
Innenansicht
Patientenzimmer
Grünfläche
Blick auf den Haupteingang von der Tellstrasse aus.
Blick auf Westfassade
Das Kantonsspital Aarau (im Bild das Hauptgebäude) heute. Der Neubau kostet 600 Millionen Franken.
Dank dem Neubau sollen Arbeitsabläufe verbessert und Kosten deutlich gesenkt werden können.
Das Kantonsspital Aarau soll dank des Neubaus auch wieder die vom Regierungsrat geforderte Gewinnmarge (Ebitda) von 10 Prozent erreichen können. Von 2015 bis 2019 lag sie zwischen 0,9 und 6,1 Prozent.
Die Grafik des Kantonsspitals Aarau zeigt die anstehenden Projekte. Der Neubau soll im Bereich der Ziffer 4 entstehen.
Das KSA von oben. Vor Gebäude 1 (grosses rotes Gebäude) werden mehrere bestehende Gebäude dem geplanten Neubau weichen.

So soll der Neubau des Kantonsspitals Aarau aussehen. Im Bild der Haupteingang.

Zur Verfügung gestellt

So will sich das KSA verbessern

Man strebe selber eine klar höhere Ebitda-Marge an und arbeite mit konkreten Massnahmen darauf hin, so das KSA. Aber wie? Schönle sieht weiteres Poten-zial beim Einkauf von Medikamenten. Dank Informatik könne man die Vorräte immer besser bewirtschaften, und habe dann nicht zu viel an Lager auch nicht zu viele verschiedene Medikamente. Das gilt ebenso für Verbrauchsartikel. Noch weiter optimieren werde man den Personaleinsatz und die Bettendisposition.

Das grösste finanzielle Verbesserungspotenzial sieht man beim Kantonspital Aarau aber offenkundig im geplanten Neubau. Schönle sagt: «Damit können wir die Betriebs- und Unterhaltskosten gegenüber heute mit Dutzenden von zum Teil sehr alten Gebäuden klar senken, nur schon bei den Heizkosten, mit viel kürzeren Wegen, besseren Abläufen und anderem mehr.» Um wie viel genau, könne er noch nicht sagen: «Wir aktualisieren jetzt den Finanzplan mit Blick auf den Neubau. Wir wissen aber, dass die Betriebskosten des Siegerprojekts tiefer sind als bei den anderen beiden Projekten. Über den gesamten Abschreibungszeitraum macht das viel aus, was auch den höheren Baupreis relativiert.»

Zusammenfassend erwartet man im Kantonsspital Aargau, dass der Neubau mit seiner Ausrichtung auf die Ansprüche der heutigen Medizin und Pflege also einen wesentlichen Teil zur finanziellen Gesundung beitragen beziehungsweise die Wirtschaftlichkeit spürbar erhöhen wird. Dies halte auch der (im Januar in der AZ vorgestellte) Pricewaterhouse-Coopers-Bericht fest, den die KSA-Leitung zusammen mit dem Regierungsrat in Auftrag gegeben hatte.

Das Spital hat mit 34,1 Prozent einen der höchsten Ambulantisierungsgrade der Schweiz. «Dies hat einen bedeutenden Einfluss auf die Ertragskraft, zeigt aber gleichzeitig, dass die KSA AG in diesem Bereich eine Vorreiterrolle einnimmt», sagt Felix Schönle weiter. Im vergangenen Jahr wurden 28'803 Patientinnen und Patienten stationär behandelt (+ 1,7 Prozent), andererseits wurden 520'779 ambulante Behandlungen (+ 1,6 Prozent) erbracht. Der durchschnittliche Aufenthalt sank minim auf 5,5 Tage. Die durchschnittliche Fallschwere sank gegenüber 2017 um 0,9 Prozent auf 1,137 leicht. Grund sei die Verschiebung hin zu Fällen mit tieferem Fallgewicht infolge des starken Wachstums in der Frauen- und der Kinderklinik (+ 6,6 Prozent). 2018 kamen im KSA 2048 (+ 12,9 Prozent) Kinder zur Welt, mehr als je zuvor.

Finanzielle Gesundung zuoberst

Der leichte Gewinn von 2018 bedeute keine Entspannung, betont man seitens KSA. Deshalb seien schon letztes Jahr erste wichtige Weichen gestellt worden. Gemeint sind etwa die Reorganisation der Geschäftsleitung sowie das neue Lohnmodell für die Kaderärzte. Um die finanziellen Ziele zu erreichen, sollen weitere Ertragsverbesserungs-Projekte ermittelt und zügig umgesetzt werden. «Daneben», so der neue Verwaltungsratspräsident Peter Suter, «werden wir die Punkte Schärfung der Strategie, Stabilität in der Führung sowie Infrastrukturerneuerung angehen.»

Dass der Regierungsrat am Endversorgerstatus des Kantonsspitals Aarau festhält, sei zentral. Das sei für die Gesundheitsversorgung der Aargauer Bevölkerung und auch für die Zukunft des Spitals selbst wichtig. «Damit anerkennt der Kanton die grosse Leistung und Bedeutung des KSA für den Aargau», so CEO Robert Rhiner.