Coronavirus

Kantonsärztin will Tests für alle Aargauer mit Corona-Symptomen

Bei einem Coronatest wird mit einem Stäbchen Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum entnommen und im Labor untersucht.

Bei einem Coronatest wird mit einem Stäbchen Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum entnommen und im Labor untersucht.

Die Kantonsärztin geht davon aus, dass der Bund die Kriterien für einen Coronatest in den nächsten Tagen anpassen wird. Die Kapazitäten seien gestiegen, sagt Kantonsärztin Yvonne Hummel. Künftig sollen nicht nur Angestellte im Gesunhdeitswesen und Patienten der Risikogruppe getestet werden.

Ist es nur eine Erkältung oder Grippe oder doch Corona? Viele Menschen, die krank sind, erhalten auf diese Frage im Moment keine Antwort. Die Testkriterien des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sind strikt: Nur Schwererkrankte, Risikopersonen und das Gesundheitspersonal werden auf das Coronavirus getestet. Für alle anderen Personen mit Symptomen gilt: Zu Hause bleiben, auskurieren oder zum Arzt gehen, wenn es schlimmer wird.

Es soll sich aber bald etwas ändern. Kantonsärztin Yvonne Hummel geht davon aus, dass der Bund die Testkriterien noch in den nächsten Tagen anpassen wird. «Wir Kantonsärztinnen und Kantonsärzte arbeiten daraufhin, dass bald alle Personen mit Symptomen getestet werden können.» Im Moment gelten aber immer noch die bisherigen Testkriterien. Das BAG sagte letzte Woche gegenüber der NZZ, dass die Testkriterien – wie alle Empfehlungen und Massnahmen – immer wieder überprüft würden.

Kantonsärztin Yvonne Hummel: Bald Tests für alle mit Corona-Symptomen möglich.

Kantonsärztin Yvonne Hummel: Bald Tests für alle mit Corona-Symptomen möglich.

Die Testkapazitäten konnten erhöht werden

Wer getestet werden kann, hängt davon ab, wie viele Tests verfügbar sind. Um sich einen Überblick zu verschaffen, hat der Bund Laboratorien sowie Hersteller und Vertreiber von Covid-19-Tests per Verordnung dazu verpflichtet, dem Labor Spiez die aktuellen Bestände regelmässig zu melden. Seit dem 3. April übernimmt das Labor Spiez die Zuteilung von Coronatests an Spitäler und private Labors. Die Zuteilung für alle in der Schweiz vorhandenen Tests geschehe nach klar definierten Kriterien und in enger Abstimmung und im Einvernehmen mit dem BAG, heisst es auf der Website des Labors.

Yvonne Hummel sagt: «Das Problem bisher war die Kapazität der Labors. Das heisst, es gab zu wenig Testmaterialien.» Inzwischen habe sich dieses Problem aber entschärft, sagt die Kantonsärztin. Die Kapazitäten seien gestiegen. «Es gibt zunehmend private Labors, die Coronatests auswerten.»

Das Problem sei nun, dass diese Kapazitäten auch zu den Spitälern kommen. «Es ist im Moment eine Koordinationsfrage.» Viele Spitäler seien sich gewohnt, die Tests selber auszuwerten oder mit nur einem Labor zusammenzuarbeiten. «Da muss noch ein Umdenken stattfinden», sagt Yvonne Hummel. Sie ist aber zuversichtlich, dass sich das einspielen wird.

Winterthur hat einen Corona-Drive-through. Und der Aargau?

Die Kantone verfolgen beim Testwesen unterschiedliche Strategien. Vielerorts wurden Testzentren eingerichtet, in denen sich Personen mit Symptomen testen lassen können. Im Baselbiet sind mobile Testteams unterwegs, welche zu den Leuten nach Hause gehen. Und auf dem Parkdeck des Winterthurer Hauptbahnhofs gibt es einen Corona-Drive-through.

Im Aargau wurde zu Beginn der Coronakrise nur in den beiden Kantonsspitälern in Aarau und Baden getestet. Inzwischen dürfen in allen Akutspitälern im Kanton Coronatests durchgeführt werden und auch Hausärztinnen und Hausärzte dürfen ihren Patientinnen und Patienten Proben nehmen. Immer vorausgesetzt, sie erfüllen die aktuellen Kriterien für einen Test.

Wie würde das Testwesen im Aargau aussehen, wenn plötzlich jede und jeder mit Fieber oder Husten auf das Coronavirus getestet werden könnte? Yvonne Hummel sagt, beim Kanton mache man sich derzeit diese Überlegungen. «Wir wägen zum Beispiel ab, ob es dafür mobile Teams braucht. Und falls ja, ob wir solche aus anderen Kantonen übernehmen oder eine eigene kantonale Lösung finden.» Sie betont, dass die Zugänglichkeit zu Coronatests in allen Region des Kantons über die Spitäler und die Hausärztinnen und Hausärzte eigentlich da wäre. «Deshalb müssen wir noch prüfen, wie viel mobile Einheiten überhaupt dazu beitragen könnten.»

Wirtschaftsvertreter wollen auch Personen ohne Symptome testen

Wirtschaftsvertreter würden gerne noch weiter gehen und sämtliche Mitarbeitende – auch solche ohne Symptome – auf das Coronavirus testen. Die Kantonsärztin sagt, sie sei in den letzten Wochen zunehmend mit solchen Forderungen konfrontiert gewesen. Für Yvonne Hummel ist aber klar, dass in einem nächsten Schritt der Coronatest allen kranken Personen zugänglich gemacht werden muss. «Erst wenn wir die Testkapazitäten noch weiter steigern können, kann eine Ausdehnung auf asymptomatische Personen in besonderen beruflichen Situationen in Erwägung gezogen werden.» Als Beispiel nennt sie jene Personen, die in kritischen Infrastrukturen wie Kernkraftwerken arbeiten.

Yvonne Hummel ist wichtig, dass im Aargau nach einheitlichen Kriterien getestet wird und die Empfehlungen des BAG berücksichtigt werden. Als der «Tages-Anzeiger» letzte Woche meldete, dass das Institut für Arbeitsmedizin in Baden Hunderte Mitarbeitende der ABB auf das Coronavirus testen liess, hat die Kantonsärztin interveniert. «Es darf nicht sein, dass in einer Region des Kantons oder bei einer Firma plötzlich andere Kriterien gelten. Das führt zu einer Ungleichbehandlung der Bevölkerung im Kanton Aargau.»

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