Asyl

Kanton will Flüchtlinge auch im Aarauer Notspital unterbringen

Asylunterkunft im Kantonsspital Aarau

Asylunterkunft im Kantonsspital Aarau

Der Kanton will - nach Baden, Laufenburg und Muri - nun auch Flüchtlinge im Notspital Aarau einquartieren.

Der Kanton Aargau will auch beim Kantonsspital Aarau (KSA) eine unterirdische Anlage als Asylunterkunft nutzen. Er bereitet die Geschützte Operationsstelle (GOPS) für bis zu 300 Asylsuchende vor.

Im Juli verkündete der Kanton, die Geschützte Operationsstelle (Gops) beim Kantonsspital Aarau würde nur «bei äusserstem Bedarf und als letzte in Betrieb genommen». Nun, drei Monate später, teilt das zuständige Departement Soziales und Gesundheit (DGS) mit: Die unterirdische Unterkunft werde für den Bezug vorbereitet.

Konkret: Zurzeit werden die Räume mit Betten und Schränken eingerichtet, brandschutzrechtliche Vorgaben umgesetzt und Aussencontainer aufgestellt. «Die Anlage ist nicht von heute auf morgen bereit», sagt DGS-Sprecher Balz Bruder.

Im Keller: So sieht es in dem unterirdischen Not-Spital in Muri aus.

19.8.2015: Bezug der Asylunterkunft im Kantonsspital Baden.

Sollten die Zuweisungen an den Kanton Aargau unverändert hoch bleiben, dürften ab Dezember unterhalb des Kantonsspitals Asylsuchende untergebracht werden. Geplant sei eine Normalbelegung mit 300 Personen, teilt der Kanton mit. «Wenn sich die Gesuchzahlen weiterentwickeln wie in den letzten Monaten, können wir die Asylsuchenden ohne die zusätzliche Unterkunft in Aarau nicht mehr unterbringen», sagt Bruder.

Im September sind dem Kanton Aargau 356 Asylsuchende zugewiesen worden, im Oktober bislang 335. Die Folgen sind spürbar: Die Auslastung der kantonalen Unterkünfte liegt bei 121 Prozent. Susanne Hochulis Departement sucht deshalb nach weiteren Lösungen. Heute informiert der Kanton über die Ikea-Häuser, welche die Unterbringungslage entspannen sollen.

Die unterirdische Unterkunft in Aarau könnte aber auch zu einem Erstaufnahmezentrum umfunktioniert werden, falls dem Aargau innert kurzer Zeit sehr viele Flüchtlinge zugeteilt werden sollten. Die dort lebenden Asylsuchenden würden in diesem Fall auf Schutzanlagen verteilt.

Heftiger Widerstand 2011

Bereits 2011 sah ein Notfallszenario vor, Asylsuchende in der unterirdischen Anlage beim Kantonsspital Aarau (KSA) einzuquartieren. Doch damals wehrte sich die Spitalleitung vehement gegen die Pläne. In einem Brief an das DGS schrieb sie von sehr schlechten Erfahrungen in den Jahren 2001 und 2002, als der Kanton dort schon einmal eine Asylunterkunft betrieben hatte. «Lärmimmissionen und Verwüstungen sind das eine.

Vollzogene und versuchte Vergewaltigungen, unzählige Bedrohungen und Belästigungen sowie Einbrüche und Diebstähle hingegen sind Delikte, die wir auf unserem Areal nie wieder erleben wollen.» Zudem kritisierte das KSA, ihre Mitarbeitenden und Patienten seien nicht genügend von den Asylbewerbern abgegrenzt. Und: «Eine Inbetriebnahme der Gops würde auch unserem guten Ruf schaden.»

Im Keller: So sieht es in dem unterirdischen Not-Spital in Muri aus.

Im Keller: So sieht es in dem unterirdischen Not-Spital in Muri aus.

Über den aktuellen Entscheid des Kantons zeigt man sich beim Kantonsspital Aarau angesichts der Entwicklungen in Europa nicht überrascht. Welche Folgen die Unterkunft für den Spitalbetrieb haben werde, lasse sich noch nicht abschätzen, sagt KSA-Sprecherin Andrea Rüegg. «Das Spital wird durch die Belegung der Gops vor eine grosse Herausforderung gestellt.» Zwar bevorzuge man eine oberirdische Lösung, sei aber bereit, in diesem Fall Hand zu bieten. Vom Kanton fordert das KSA die Gewährleistung der «grösstmöglichen Sicherheit für unsere Mitarbeitenden und Patienten».

Balz Bruder sagt: «Für das KSA ist dies keine einfache Situation, aber sie ist lösbar. Der Spitalbetrieb darf durch die Asylunterkunft nicht beeinträchtigt werden.» Er verweist auf die guten Erfahrungen in Baden, wo seit August Asylsuchende unterirdisch in der Geschützten Operationsstelle des Kantonsspitals leben – zurzeit ist diese mit 163 Personen belegt. «Bis dato sind nur sehr wenige negative Rückmeldungen eingegangen. Gleiches wollen wir auch in Aarau erreichen.»

Infoveranstaltung am 16. November, um 19 Uhr, im Hörsaal des Kantonsspitals Aarau.

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