Zurzeit leben bis zu 70 Schwäne am Hallwilersee. Zu viele, findet der Kanton. Er will den Bestand über Eingriffe am Brutgelege auf 35 Tiere halbieren. Die Eier sollen entweder eingestochen oder aus den Nestern entfernt werden. Inzwischen ist die Frist für Einsprachen gegen den Verfügungsentwurf abgelaufen. Bei der zuständigen Abteilung für Jagd und Fischerei seien «einzelne Einwendungen» eingegangen, sagt Erwin Osterwalder, Fachbereichsleiter Jagd beim Kanton.

Eine kommt vom Verein zum Schutze der bedrohten Wildtiere. Der Verein kritisiert, das Eierstechen sei ein unverhältnismässiger und unnötiger Eingriff in die Natur- und Tierwelt. «Und dies wegen einigen chronisch jammernden Bauern!» Vereinspräsident Peter Suter ist überzeugt, dass der Schwanenbestand von der Natur selbst reguliert wird: «Es sterben insbesondere in der kalten Jahreszeit je nach Wetter auch jeweils mehrere Tiere», schreibt er in seiner Einsprache.

Eine Liste der Schäden fehlt

Wasservögel seien gerade wegen der Gruppengrösse im Winter «ein erleb-bares Stück Natur», findet der Verein. Es wäre deshalb «ein sehr problematisches und unverständliches Vorgehen, an diesem idealen und noch intakten Lebensraum ein so rigoroses Eingreifen zu tolerieren». Solche «Pseudoaktionen» würden Tierliebhaber verärgern und die Bauern kämen «langsam, aber sicher in der Bevölkerung in eine unvorteilhafte Lage mit ihren fadenscheinigen Schadenforderungen für Wildtierschäden», schreibt Suter weiter.

Bei den Schäden beziehungsweise deren Dokumentation setzt die gemeinsame Einsprache von Birdlife Aargau und Birdlife Schweiz an. Die Naturschutzorganisation kritisiert, die Auflageunterlagen seien unvollständig. So würde etwa eine genaue Aufstellung der geltend gemachten Schäden oder der bisher ergriffenen Präventionsmassnahmen fehlen. Auch die Gesuche der betroffenen Landwirte würde Birdlife gerne sehen, um den Verfügungsentwurf überhaupt beurteilen zu können.

Zuerst das Fütterungsverbot

Auch der WWF Aargau wehrt sich gegen die Pläne. Lokale Konzentrationen von Schwänen würden oft an Orten entstehen, wo gefüttert werde. «Daher muss zuerst das Fütterungsverbot konsequent umgesetzt werden, bevor Massnahmen wie das Abtöten von Eiern in Betracht gezogen werden können», sagt Geschäftsführerin Tonja Zürcher. Ausserdem sei unklar, ob die Massnahme überhaupt wirke. Schwäne seien mobil. «Sie können einfach einfliegen, wenn sie an einem Ort genug Futter vorfinden», sagt Zürcher.

Die beiden Kantone Aargau und Luzern würden die Einwendungen nun zusammen besprechen, sagt Osterwalder. «Letztlich wird der Umgang mit den Einwendungen in der Verfügung begründet und beschwerdefähig verfügt.» Viel Zeit bleibt dem Kanton dafür nicht: «Wir müssen die Eier im späteren Frühling entfernen, wenn die Schwäne am Brüten sind», sagt Osterwalder dem «SRF-Regionaljournal».