Wissenstransfer
Kanton unterstützt die Forschung, weil Nano und Argovia Geschwister sind

Der Aargau unterstützt das Nano-Institut der Universität Basel mit jährlich 5 Millionen Franken. Basel verzichtet dafür darauf, dem Aargau Kulturlastenausgleichs-Zahlungen in Rechnung zu stellen.

Hans Fahrländer
Merken
Drucken
Teilen
Schön und sehr, sehr klein: Zylindrische Kohlenstoffmoleküle, sogenannte Carbon Nanotubes bundles.

Schön und sehr, sehr klein: Zylindrische Kohlenstoffmoleküle, sogenannte Carbon Nanotubes bundles.

SNI

Man schrieb das Jahr 2005. Die Regierung präsentierte unter der Affiche «Aargau – Standort in Bewegung» eine wirtschaftspolitische Wachstumsinitiative, um den Kanton «national und international als eine der wettbewerbsfähigsten Regionen» zu positionieren. Sie listete insgesamt 25 Massnahmen aus den Bereichen Forschung, Bildung, Binnenmarktregulierung, Deregulierung, Wirtschafts- und Steuerpolitik auf. Der Grosse Rat gab den meisten der Massnahmen seinen Segen. Seit 2006 läuft, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, die Umsetzung.

An der Spitze: Geld für Nano

Der erste der 25 Punkte, also gewiss nicht der unwichtigste – und einer, der subito per 2006 umgesetzt wurde: «Der Kanton Aargau unterstützt den Bereich Nanowissenschaften an der Universität Basel zweckgebunden mit jährlich 5 Mio. Franken. Der Ausbau des Schwerpunkts erfolgt in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Paul-Scherrer-Institut» (Zitat aus der Wachstumsinitiative).

Für diese Zahlung an das Swiss Nanoscience Institute (SNI) gibt es keinen Präzedenzfall. Und keine Verpflichtung. Der Aargau ist nicht Träger der Universität. Das Vier-Säulen-Modell, in welchem sich eine Universität, eine Fachhochschule, ein Forschungsinstitut der ETH und ein Kanton zur Forschung und Wirtschaftsförderung zusammenfinden, ist innovativ und sucht seinesgleichen im Land.

Wichtig bei der Hightech-Strategie

Das vom Kanton mit der Universität ausgehandelte Konzept verbindet Grundlagenforschung mit Wissenstransfer zugunsten der Aargauer Wirtschaft. In der kantonalen Hightech-Strategie, die der Grosse Rat vor 10 Tagen verabschiedet hat, spielt das Stichwort «Nano» eine wichtige Rolle. Es soll ein eigentliches Hightech-Zentrum mit Schwerpunkt Nanotechnologie geschaffen werden.

Neben Overhead-Beiträgen und Grundlagenforschung fliesst ein schöner Teil der jährlichen 5-Millionen-Tranche in das sogenannte «Nano-Argovia-Programm». Dieses Programm hat zum Ziel, angewandte Forschungsprojekte zwischen akademischen Partnern und der Industrie aus dem Aargau und der Nordwestschweiz zu fördern. Kürzlich wurde wieder eine Tranche freigegeben: Insgesamt acht Unternehmen kommen in den Genuss von Forschungsgeld und von akademischem Support.

Statt Kulturlastenausgleich

Was «bringt» der Beitrag dem Aargau? Direkt dies: «Der Kanton Basel-Stadt rechnet den Beitrag an allfällige Forderungen im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen an.» (Zitat aus der Wachstumsinitiative.) Im Klartext: Basel verzichtet, im Gegensatz zu Zürich und Luzern, darauf, dem Aargau Kulturlastenausgleichs-Zahlungen in Rechnung zu stellen – dafür, dass Aargauer Basler Kulturinstitutionen in Anspruch nehmen. Doch nach Überzeugung von Bildungs- und Forschungsminister Alex Hürzeler profitiert der Aargau auch indirekt von diesen Millionen-Zahlungen an das SNI.

Alex Hürzeler schwärmt

«Unsere Firmen sind auf Fachkräfte und auf gute Zusammenarbeitsmöglichkeiten mit der Forschung angewiesen», betont Landstatthalter Hürzeler. «Wir investieren deshalb gezielt in die anwendungsorientierte Forschung und den Wissenstransfer von den Hochschulen in die Industrie. Wir fördern damit den Standort Aargau, darüber hinaus aber die gesamte Region Nordwestschweiz.»

Die wissenschaftliche Tätigkeit des SNI werde vom Schweizerischen Nationalfonds mit Bestnoten bewertet, weiss Hürzeler. «Die Argovia-Projekte mit Industriebeteiligung entwickeln sich verheissungsvoll. Die bisherigen Forschungen des SNI und des Argovia-Programms schätzen wir als Erfolgsgeschichte ein», sagt Alex Hürzeler mit Überzeugung.