Merenschwand
Kanton plant auch im «Hirschen» in Merenschwand ein Asylzentrum

Der Kanton möchte im leer stehenden Restaurant in Merenschwand 25 Asylbewerber unterbringen. Der Gemeinde hat nichts gegen das Vorhaben einzuwenden, die SVP kündet dagegen bereits Widerstand an.

Fabian Hägler
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Noch dieses Jahr sollen im «Hirschen» die ersten Asylbewerber einziehen.

Noch dieses Jahr sollen im «Hirschen» die ersten Asylbewerber einziehen.

Emanuel Freudiger

Im April 2011 schloss die Familie Villiger den «Hirschen», am 1. Januar 2012 zog das Wirtepaar nach fast 40 Jahren aus der Wohnung im Obergeschoss aus. Seither steht das Restaurant im Dorfzentrum von Merenschwand leer. Dies könnte sich aber bald ändern: Der kantonale Sozialdienst plant, im «Hirschen» künftig 25 Asylbewerber unterzubringen. «Der Gemeinderat hat sich am Montag mit dieser Anfrage befasst und ist grundsätzlich einverstanden mit dem Vorschlag», erklärt Gemeindeschreiber Urs Alt.

Vorgesehen sei, im «Hirschen» Familien oder alleinstehende Frauen und Kinder unterzubringen. Definitiv will der Gemeinderat am 29. Oktober über die Asylunterkunft befinden. «Bei einem positiven Entscheid wird danach eine gemeinsame Informationsveranstaltung für die Bevölkerung stattfinden«, blickt Alt voraus.

SVP: «Unsicherheit und Angst»

Anders als in Bettwil, Brugg oder Koblenz ist der Gemeinderat Merenschwand einer Asylunterkunft gegenüber positiv eingestellt. Opposition gegen die Pläne gibt es dennoch. Esther Bachmann, Präsidentin der SVP Bezirk Muri, schrieb auf Facebook: «Sollte der Kanton Aargau tatsächlich 25 Asylanten im ehemaligen Restaurant Hirschen in Merenschwand (unmittelbar neben der Schule und im Dorfzentrum) unterbringen wollen, wird sich die SVP Bezirk Muri mit allen Mitteln und Rechten wehren. Das geht gar nicht, da hat die Bevölkerung auch noch was zu sagen.»

Auf diesen Eintrag angesprochen, relativiert Bachmann: «Ich bin aufgrund von Gerüchten im Dorf davon ausgegangen, dass 25 Schwarzafrikaner einquartiert werden sollen.» Wenn es sich um Familien, Frauen und Kinder handle, sehe die Sache anders aus. Bachmann betont aber, die Leute im Dorf seien aufgeschreckt. «Es gibt Unsicherheit und Angst in der Bevölkerung, dies muss man ernst nehmen», sagt die SVP-Vertreterin. Bachmann will nun mit den Gemeindebehörden und den zuständigen Personen beim Kanton reden. «Danach werden wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen.»

Kanton: «Ein konstruktiver Beitrag»

Balz Bruder, Leiter Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales (DGS), ist überzeugt, dass die geplante Asylunterkunft in Merenschwand problemlos betrieben werden könne. Die Unterkunft soll gemäss Bruder «sobald wie möglich, voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres» eröffnet werden. «Es wäre schade, wenn gute Lösungen, die Kanton und Gemeinde einvernehmlich treffen, bekämpft würden», sagt er. Bruder gibt zu bedenken, dass die Unterbringung von Asylsuchenden eine Verbundaufgabe sei. «Auch die Gemeinden müssen an der Erfüllung mitwirken, was Merenschwand in diesem Fall mit einem konstruktiven Beitrag auch tut.»

Die Anfrage des kantonalen Sozialdienstes kam im September, inzwischen hat eine gemeinsame Delegation aus Aarau und Merenschwand den «Hirschen» besichtigt. «Dabei wurde die Liegenschaft als tauglich für eine Asylunterkunft eingestuft», sagt Alt. Neben der Gaststube im Parterre gibt es im Obergeschoss mehrere Wohnräume. Hier wohnten jahrelang die Wirtefamilie mit fünf Personen sowie zwei Angestellte.

Nutzung bis ins Jahr 2016 möglich

«Der Kanton hat das Restaurant Hirschen mit Blick auf ein Strassenbauprojekt erworben. Die Gemeinde Merenschwand hat den im Strassenbaudekret vorgesehenen Beitrag an die Erwerbskosten der Liegenschaft schon geleistet und ist somit faktisch Miteigentümerin», erklärt DGS-Sprecher Balz Bruder. Er hält fest, das Kreiselprojekt werde durch die temporäre Nutzung der «Hirschen»-Liegenschaft als Asylunterkunft mit Sicherheit nicht verzögert. Werner Kaufmann, Leiter der Sektion Strassen im Departement Bau, Verkehr und Umwelt, erklärt: «Wir sind derzeit daran, das Vorprojekt zu erarbeiten.» Laut Kaufmann ist der Baubeginn beim «Hirschen»-Kreisel für 2016 vorgesehen.