Projektänderungen

Kanton passt Umfahrung Mellingen an – WWF und VCS sind befremdet

Umfahrung Mellingen: Das Aargauer Stimmvolk sagte 2011 Ja, jetzt wird es angepasst.

Umfahrung Mellingen: Das Aargauer Stimmvolk sagte 2011 Ja, jetzt wird es angepasst.

Das umstrittene Projekt zur Umfahrung des Aargauer Städtchens Mellingen wird teilweise überarbeitet und im Januar neu aufgelegt. Die Umweltverbände überrascht das, weil ein Entscheid des Verwaltungsgerichts noch aussteht.

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt hat am Mittwoch überraschend mitgeteilt, dass es für den Abschnitt 1 der vom Volk gutgeheissenen Umfahrung Mellingen im Januar ein geändertes Projekt öffentlich auflegen will. Es sollen dadurch keine Mehrkosten entstehen. Diese Projektänderungen werden dem Regierungsrat zur Genehmigung beantragt.

Mit der Verschiebung der neuen Kantonsstrasse um bis zu 7,5 Meter vom Fuss des Gruemethügels in das benachbarte Landwirtschaftsland und der transparenteren Gestaltung der Brückenbrüstung mittels aufgesetzten Leitholms werde den Forderungen der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) Rechnung getragen, schreibt das Departement. Die Kommission hatte auf Begehren des kantonalen Verwaltungsgerichts ein Gutachten verfasst, das bisher nicht publiziert wurde. Ausgelöst worden war dies durch eine Beschwerde der Umweltverbände VCS und WWF sowie einer Privatperson gegen das Projekt.

Umweltverbände befremdet

Tonja Zürcher, Geschäftsführerin des WWF Aargau, zeigt sich namens der beschwerdeführenden Verbände WWF und VCS «befremdet, dass der Kanton jetzt eine Projektänderung ankündigt. Und zwar deswegen, weil der Entscheid des Verwaltungsgerichts noch ausstehend ist. Deshalb weiss auch niemand, was am Projekt geändert werden muss.» Dass der Kanton jetzt zwei geringe Elemente herauspicke und offenbar meine, es richtig zu machen, versteht man bei den Verbänden nicht: «Wir wissen nicht, auf welcher Grundlage er das macht.» Die Verbände wollen erst Auskunft geben, ob die Auflagen erfüllt sind, wenn das Gerichtsurteil vorliegt. Immerhin so viel sagt Tonja Zürcher: Die Änderungen seien weit weg im Vergleich zur Forderung der Verbände, grundlegende Alternativen wie beispielsweise eine Untertunnelung der Reuss zu prüfen. Zürcher hofft, dass das Urteil bald kommt, um entscheiden zu können, wie man beim geänderten Projekt, das schon im Januar öffentlich aufgelegt wird, weiter vorgehen will.

Gretener steht zu Änderungen

Der Mellinger Gemeindeammann Bruno Gretener freut sich über die mit dem Reussstädtchen abgesprochene Absicht des Departements. Der Kanton habe gute Arbeit geleistet, sagt er. Gretener hofft, «dass es jetzt einen Schritt vorwärtsgehen könnte.» Und er wünscht sich natürlich, dass das Gericht «im Sinn des positiv angepassten Projekts entscheiden wird».

Gretener hätte nicht erwartet, dass die Kommission ein Problem beim Gruemethügel, einer Endmoräne des Reussgletschers, identifizieren würde. Hier muss jetzt die Umfahrungsstrasse auf einer Länge von 80 Metern um bis zu 7,5 Meter vom Hügel weg verschoben werden. Das braucht mehr Kulturland, was man eigentlich vermeiden wollte. Das Projekt ist jetzt entsprechend korrigiert, aus Sicht von Mellingen stimme es so. Für ihn ist klar: «Das jetzige Projekt beeinträchtigt Mensch und Umwelt am wenigsten.» Eine Untertunnelung der Reuss wäre «kostenmässig unmöglich und technisch sehr anspruchsvoll», ist er überzeugt.

Gerichtsentscheid ausstehend

Derzeit ist noch ein Entscheid des kantonalen Verwaltungsgerichts zur Umfahrung Mellingen ausstehend. Es hatte bei der ENHK ein Gutachten angefordert, um über die Beschwerde der Umweltverbände gegen das Projekt entscheiden zu können. Aufgrund des aufwendigen Verfahrens und des noch andauernden Schriftenwechsels der Parteien «konnte das Verwaltungsgericht noch keinen Hauptentscheid treffen», schreibt das Departement.

Abschnitt 1 entlastet Altstadt

Die Umfahrung soll die stark belastete historische Altstadt mit ihrem Ortsbild von nationaler Bedeutung und deren Zufahrtsachsen vom Verkehr entlasten. Sie soll gesamthaft 36,5 Millionen Franken kosten. Der Abschnitt 1 ist 1,03 Kilometer lang und führt vom Kreisel Tanklager bis zur Birrfeldstrasse auf der anderen Seite der Reuss. Sie entlastet die Altstadt. Abschnitt 2 verlängert die Umfahrung um 950 Meter und entlastet den neuen Stadtteil. 

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