Umweltschutz

Abgase von Zementwerken: Umweltschützer zeigen Kontrolleure an

Das grosse Silo im Zementwerk Siggenthal ist von weitem zu sehen. (Archiv)

Das grosse Silo im Zementwerk Siggenthal ist von weitem zu sehen. (Archiv)

Die Organisationen Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) und Pingwin Planet (PP) haben gegen die Abteilung für Umwelt im Aargauer Baudepartement eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Sie werfen der Behörde vor, die Abgase der beiden Aargauer Zementwerke mangelhaft zu kontrollieren.

Zementwerke seien richtig «Dreckschleudern», berichtete das Konsumentenmagazin «Saldo» im Juni. Insbesondere bei Jura Cement in Wildegg und bei Holcim in Siggenthal würden Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung nicht eingehalten. Dabei ging es primär um das krebserregende Benzol, aber auch um andere Schadstoffe wie Ammoniak, Schwefeldioxid, Stickstoffoxid und Staub.

Auf Anfrage der AZ sagte Heiko Loretan von der Abteilung für Umwelt, der Kanton habe für Jura Cement im Dezember 2016 eine Sanierungsverfügung erlassen. Darin wird verlangt, dass die Benzolemissionen kontinuierlich gesenkt werden. Spätestens ab dem 31. Dezember 2020 müssten die Grenzwerte dann vollumfänglich eingehalten werden, hielt Loretan fest. Auch für das Holcim-Werk in Siggenthal gibt es kantonale Sanierungsvorschriften, hier läuft die Frist zur Umsetzung bis Ende 2021.

«Ungenügende Abgaskontrolle»

Für zwei Umweltorganisationen reichen diese Auflagen nicht: Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) und Pingwin Planet (PP) reichen eine Aufsichtanzeige ein. Kritikpunkt ist «die ungenügende Abgaskontrolle der Abteilung für Umwelt (AfU)», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Der Kanton habe die beiden Zementwerke unter anderem «nicht rechtzeitig zu kontinuierlichen Messungen und lückenlosen Aufzeichnungen verpflichtet», kritisieren die Organisationen. Zudem habe die Abteilung «bundesrechtliche Vorgaben zu krebsfördernden Substanzen wie Benzol und Dioxine nicht durchgesetzt» und ihre Pflicht zur Begrenzung von Stickoxid-Emissionen ungenügend wahrgenommen.

Die beiden Organisationen weisen darauf hin, dass die Grenzwerte für mehrere Schadstoffe in der Schweiz höher liegen als in Deutschland. Der Grenzwert für das giftige Schwefeldioxid liege zehn Mal, jener für die teilweise krebserzeugenden, flüchtigen organischen Verbindungen achtmal höher als in der Europäischen Union. Die hiesigen Zementwerke dürften doppelt so viel Staub ausstossen wie jene in Deutschland. Ärzte für Umweltschutz und Pingwin Planet fordern deshalb, die Grenzwerte in der Schweiz auf das Niveau der Nachbarländer zu senken und auch durchzusetzen.

Kanton prüft Aufsichtsanzeige

Giovanni Leardini, Mediensprecher des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt, sagt zur Aufsichtsanzeige der Umweltorganisationen: «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir keine Stellungnahme zum Inhalt abgeben.» Selbstverständlich nehme man das Anliegen beim kantonalen Umweltdepartement aber ernst. «Wir prüfen die Anzeige sorgfältig und werden sie ausführlich beantworten», kündigt Leardini an. Grundsätzlich halte der Kanton an seinen Aussagen in den Medienberichten vom Juni nach wie vor fest.

Damals sagte Loretan, Jura Cement sei beim ersten Teil der Verfügung auf Kurs. Die Benzol-Grenzwerte würden seit März nicht mehr überschritten. Ob die Gesetzesvorgaben bis Ende 2020 zuverlässig eingehalten werden könnten, wie es der zweite Punkt der Verfügung verlangt, lasse sich noch nicht definitiv beurteilen. Der Grund für die zu hohen Werte bei Schwefeldioxid und Staub im Holcim-Werk Siggenthal lag laut Heiko Loretan in Problemen mit der Abgasbehandlung. «Inzwischen konnten die Probleme mit dem Aktivkohlefilter behoben werden, im Jahr 2017 traten keine Grenzwertüberschreitungen mehr auf», hielt der Abteilungsleiter fest. Auch die Grenzwert-Überschreitungen bei Ammoniak seien darauf zurückzuführen, dass der Filter nach einem Brandschaden im Jahr 2014 repariert werden musste.

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