NAB-Studie
Kanton Aargau für Unternehmen zunehmend attraktiver – trotz hohem Druck auf die Industrie

Der Aargau macht im Standortqualitäts-Indikator Plätze gut. Die Wirtschaft tut sich trotzdem schwer - wegen des Branchenmixes.

Peter Brühwiler
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Während die Schweiz eine Rezession umgehen konnte und die Exporte wieder wachsen, ist der Frankenschock im Aargau noch nicht ausgestanden. (Symbolbild)

Während die Schweiz eine Rezession umgehen konnte und die Exporte wieder wachsen, ist der Frankenschock im Aargau noch nicht ausgestanden. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Der Aargau ist noch immer eine Hochburg der Industrie. Über 60 000 Personen, also jeder vierte Beschäftigte, sind im verarbeitenden Gewerbe tätig. Landesweit arbeitet nur noch jeder Sechste im zweiten Sektor. Die Neue Aargauer Bank (NAB) widmet ihre gestern präsentierte Regionalstudie 2016 also mit gutem Grund der Industrie. «Bewährte Rezpete und Zukunftstrends» verspricht der Studien-Untertitel. Der wichtigste Trend ist dabei - wenig überraschend - die Industrie 4.0 respektive das Ziel, Informatik und industrielle Prozesse zu verschmelzen.

Dass die «vierte Industrielle Revolution» im Aargau keine Zukunftsmusik ist, zeigt eine im Rahmen der Studie durchgeführte KMU-Umfrage. 47 Prozent der Aargauer Betriebe, die an der nicht repräsentativen Umfrage teilgenommen haben, nutzen neue digitale Technologien bereits in mittlerem bis sehr starkem Umfang. Landesweit liegt die Quote bei 44 Prozent. Die Industrie 4.0, so ein Fazit der Studie «könnte dazu beitragen, den immer noch substanziellen Industrieanteil im Aargau zu halten.»

Ein Blick auf die vergangenen 15 Jahre zeigt derweil einen schleichenden Gewichtsverlust: Im Jahr 2001 stellte das verarbeitende Gewerbe 29 Prozent der Beschäftigten im Kanton, 2014 waren es noch gut 23 Prozent. Der Verlust ist jedoch lediglich relativ: Die Anzahl der Industrie-Beschäftigten ist seit 2001 fast konstant bei 60 000 geblieben, während die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungssektor gewachsen ist. Im nationalen Vergleich schneidet die Aargauer Industrie damit gut ab, denn schweizweit ist die Industriebeschäftigung mit einem Minus von drei Prozent auch in absoluten Zahlen geschrumpft.

Platz fünf droht

Dies mag an der Attraktivität des Standorts liegen: Im jährlich erstellten Standortqualitätsindikator der Credit Suisse ist der Aargau jedenfalls wieder auf Rang drei hinter Zug und Zürich zu finden, nachdem er vor zwei Jahren auf den fünften Platz abgerutscht war. Der Podiumsplatz sei jedoch bereits wieder gefährdet, warnte NAB-CEO Roland Herrmann gestern anlässlich der Studien-Präsentation. Ein Hauptgrund für das gute Abschneiden sei die steuerliche Entlastung für Unternehmen - «ein Bereich, in dem andere Kantone wegen der anstehenden Unternehmenssteuerreform nun aktiv werden». Falls der Aargau nichts mache, würde er laut Herrmann wieder auf den fünften Platz zurückfallen. Die Politik sei deshalb «definitiv gefordert».

Guter Boden

Ob Rang drei oder fünf: Der Aargau scheint für Unternehmen ein guter Boden zu sein. Trotzdem sind die Vorzeichen etwa bei den Ausfuhren nach wie vor negativ, während sich die Schweizer Exporte insgesamt von der sprunghaften Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro erholt haben. «Was den Aargau runter zieht», so der Studienautor Simon Hurst vom Economic Research der Credit Suisse, sei die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM). Mit rund 30'000 Beschäftigten entfallen auf diese rund die Hälfte der Arbeitskräfte in der kantonalen Industrie. Und anders als etwa die Pharma-Branche hat sie nicht nur mit dem starken Franken, sondern auch mit rückläufigen Aufträgen zu kämpfen.

Mit Abstand die wichtigste (MEM-)Branche im Aargau ist die in der in der Region Baden starke Elektrotechnik. Obwohl in dieser die Beschäftigung laut Hurst gesunken ist, «entwickelt sie sich immer noch viel besser als schweizweit». Angesichts der Bedeutung für den Kanton «sollte sie aber trotzdem gewisse Sorgen bereiten».

Weniger Sorgen braucht sich das Fricktal zu machen. Jeder zweite Industriebeschäftigte arbeitet dort in der stark aufstrebenden Pharma-Industrie - dank der die Region die dritthöchste Pro-Kopf-Wertschöpfung aller 110 Schweizer Wirtschaftsregionen erzielt.