Königsfelden

Kanton Aargau eröffnet Zentrum für psychisch gestörte Straftäter

Die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) haben in Königsfelden ein Zentrum für die stationäre forensische Therapie von psychisch gestörten Straftätern eröffnet. Das Zentrum mit einem hohen Sicherheitsstandard zählt 48 Plätze.

2,5 Millionen Franken haben die psychiatrischen Dienste Aargau in den Umbau des Pavillons 7 in ein Zentrum für stationäre forensische Therapie investiert, mit einer halben Million hat sich der Bund daran beteiligt.
Das Zentrum wurde gestern eröffnet. Das Angebot an Therapieplätzen hat sich damit um einen Drittel auf 48 erhöht.

Das Hauptgebäude der Psychiatrischen Dienste in Königsfelden. (Archiv)

Das Hauptgebäude der Psychiatrischen Dienste in Königsfelden. (Archiv)

In der forensischen Psychiatrie herrscht in der Schweiz ein notorischer Bettenmangel, mit dem zusätzlichen Angebot in der Klinik Königsfelden leistet der Aargau einen Beitrag zu dessen Behebung im Strafvollzugskonkordat der Nordwest- und Innerschweiz, dem elf Kantone angehören.

Mit den Kantonen Bern, Luzern und Solothurn haben die psychiatrischen Dienste eine vertragliche Zusammenarbeit vereinbart: Der Aargau als Standortkanton geniesst eine Vorzugsbehandlung, aber die Partnerkantone verfügen ebenfalls über ein garantiertes Kontingent an Therapieplätzen für Massnahmenpatienten in Königsfelden.

Das neue Zentrum für stationäre forensische Therapie ist ein Teilprojekt der Gesamtsanierung der Psychiatrie Königsfelden. Dort sind nun neu alle Angebote der Forensik unter einem Dach untergebracht und damit auch alle interdisziplinären Teams, die in der forensischen Therapie tätig sind: Pflegefachpersonal, Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter.

Klinik Königsfelden – Zentrum für psychisch gestörte Straftäter eröffnet

Klinik Königsfelden – Zentrum für psychisch gestörte Straftäter eröffnet

Indem die verschiedenen Berufsgruppen noch enger und besser zusammenarbeiten können, ergäben sich wertvolle Synergien, die in der Therapie genutzt werden könnten, so Josef Sachs, Chefarzt Forensik.

Der Pavillon 7 bot sich als Standort an. Er ist am Rand des Klinikgeländes gelegen, wurde mit einem Sicherheitsschleusen-System ausgestattet und verfügt über einen von einer mehrere Meter hohen Mauer umgebenen Tiefgarten. So können sich Patienten auch im Freien aufhalten, wenn sie den Pavillon nicht verlassen dürfen. Der Pavillon erfüllt die Anforderungen bis zur mittleren Sicherheitsstufe.

Auf hohem Niveau stabilisiert

Wie Michael Hafner, stellvertretender Leiter des Amts für Justizvollzug, an der Eröffnung erklärte, hat die Anordnung von stationären therapeutischen Massnahmen stark zugenommen, sich aber in den letzten zwei Jahren auf hohem Niveau wieder stabilisiert. Eine mögliche Erklärung sei die Überprüfung aller Verwahrungsfälle darauf, ob sich unter ihnen nicht sogenannte 59er befinden. 59er, weil Artikel 59 des Strafgesetzbuchs die Anordnung einer stationären Behandlung anstelle des Strafvollzugs aufgrund einer psychischen Störung regelt.

Auffallend ist, dass sich in jüngster Zeit ein Stau gebildet hat: Es wurden zahlreiche stationäre Massnahmen angeordnet, im Verhältnis zu den neuen Fällen aber nur wenige Patienten aus einer stationären Massnahme entlassen. Ein Grund dürften gestiegene Anforderungen an eine bedingte Entlassung sein, glaubt Michael Hafner. Hier spiele das gesellschaftliche Umfeld eine starke Rolle, in dem sich der Straf- und Massnahmenvollzug bewegt: Es sei von einem starken Sicherheitsdenken geprägt.

Hier hakte an der Eröffnungsfeier Chefarzt Josef Sachs ein. Die Fortschritte bei der Therapierung seien in der forensischen Psychiatrie sehr gross. So gross, dass allerdings viele dazu neigen würden, die Möglichkeiten zu überschätzen. «Wer sagt, er könne Rückfälle verlässlich vorhersagen, ist nicht Psychiater, sondern Patient», so Sachs.

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