Medien
Kantizeitung: Als gedruckte Zeitung top, auf der Webseite ein Flop

Die «Nakt» hat zwar so viele Redaktoren wie noch nie, online ist sie aber erfolglos. Dass die Jungen beim Internetauftritt scheitern, hat seinen einfachen Grund. Es fehlt nämlich an Personal und Know-how.

Tim Honegger
Drucken
Teilen
Chefredaktor Elia Blülle (20): «Die ‹Nakt› muss provozieren.»T. Honegger

Chefredaktor Elia Blülle (20): «Die ‹Nakt› muss provozieren.»T. Honegger

Es ist in Zahlen zwar ein bescheidenes Jubiläum, doch schweizweit einzigartig: Die «Neue Aargauer Kantizeitung Troubadour» («Nakt») feiert ihr fünfjähriges Bestehen. Während Zeitungen rund um den Globus schrumpfen, geht es der Schülerzeitung besser denn je; aktuell schreiben rund 20 Redaktoren für das Blatt.

Mangel an Personal und Know-how

Der Strukturwandel der Presse macht auch vor der Schülerzeitung nicht Halt: Immer mehr Jugendliche lesen Zeitungen nur noch auf dem Smartphone oder auf dem PC. Dass sie dort kaum zahlungswillig sind, ist für Chefredaktor Elia Blülle noch das kleinste Übel. Denn: «Wir können neben der gedruckten Zeitung unmöglich einen professionellen Internetauftritt bieten. Dazu fehlen uns Personal und Know-how.»

Zwar sei die «Nakt» auf Facebook präsent und habe auch eine Internetseite. Diese ist aber seit einem halben Jahr offline; «coming soon» verspricht die leere Page. Daran zweifelt aber selbst Blülle: «Wenn es die grossen Zeitungen mit dem Internet kaum auf die Reihe kriegen – wie soll es dann uns gelingen?» Er will sich daher auf das Printprodukt konzentrieren. Schliesslich sei es sinnlicher, ein bedrucktes Papier in den Händen zu halten als auf einem Tablet zu scrollen. «Indem wir die Zeitungen selbst verteilen, schaffen wir zudem Nähe zu unseren Lesern», sagt Elia Blülle.

Rückblende in die Anfänge der Zeitung: Die «Nakt» ist brav, informiert sachlich. Redaktoren berichten über die fünf Sinne und teilen ihre Kochrezepte. Und 2013? «Heute sind wir boulevardesk – wir müssen provozieren, um gelesen zu werden», so der Chefredaktor.

Es poltern Politiker auf der Titelseite, und die Jungredaktoren nehmen Promis wie Mike Shiva ins Kreuzverhör. «Wir haben die Furcht von früher verloren; die «Nakt» ist heute eine selbstbewusste Zeitung», erklärt Blülle. Dabei sprenge sie mitunter Grenzen: Als der Rektor der Kanti Wettingen sein Interview nicht absegnen wollte, druckte die «Nakt» das Interview trotzdem ab, allerdings ohne seine Antworten.

Nackte Haut ist tabu

Trotz all der jugendlichen Dreistigkeit: Auch die «Nakt» kennt Limiten. «Im Gegensatz zum ‹Blick› gibt es bei uns kaum nackte Haut – die Erfahrung zeigt, dass sie bei unseren Lesern nicht gut ankommt», so Blülle.

Das Konzept der Anfangsjahre hat sich aber bewährt: Die Schreiberlinge werden aus möglichst allen sechs Kantonsschulen im Aargau rekrutiert, die Schüler schreiben ehrenamtlich, und die Zeitung kostet nichts. «Das ist unser Erfolgsrezept. Denn heute ist kaum jemand mehr bereit, Geld für Informationen und Unterhaltung auszugeben – besonders nicht die Kantischüler.» So finanziert sich die «Nakt» ausschliesslich durch Inserate. «Dank dieser Unabhängigkeit kann uns niemand zensieren oder damit drohen, den Geldhahn abzudrehen.»

Aktuelle Nachrichten