Schul-Standorte
Kanti-Rektor: «Der Wegzug wird auch Folgen für die Lehrpersonen haben»

Die Wirtschaftsmittelschule gehört weiterhin zur Kantonsschule, die Aarauer Abteilung soll aber nun nach Zofingen zügeln. Das löst nicht nur Freude aus. Was sagen die Rektoren zum neuen Konzept?

Jörg Meier
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Martin Burkard, Rektor der Alten Kantonsschule Aarau (r.) bedauert den Wegzug der WMS.

Martin Burkard, Rektor der Alten Kantonsschule Aarau (r.) bedauert den Wegzug der WMS.

Aargauer Zeitung

Zwar bleibt die Wirtschaftsmittelschule (WMS) grundsätzlich Teil der Kantonsschule. Denn eine Verschiebung ans KV würde für Kantonsschule und KV einen spürbaren Eingriff bedeuten, ohne dass dabei ein erkennbarer Mehrwert entstehen würde, heisst es im Vorschlag der Regierung. Zudem hat sich gezeigt, dass auch eine Verschiebung der WMS an die kaufmännischen Schulen die Reduktion der gefährdeten KV-Standorte nicht verhindern könnte. In Aarau und Baden hingegen müssten neue Kapazitäten geschaffen werden. Schliesslich würde die Verschiebung auch finanziell keinerlei Vorteile bringen. Dieser Befund freut die Kantonsschulen und schmerzt die Berufsschulen.

Gymnasialer Campus in Aarau

Gezügelt wird trotzdem. Allerdings nur innerhalb der Kantonsschulen. Die Alte Kantonsschule Aarau muss die Informatikmittelschule an die Kanti Baden abgeben. Und die Alte Kantonsschule Aarau verliert auch ihre WMS: Sie wird an die Kantonsschule Zofingen transferiert. Damit können zwei Ziele erreicht werden: Die Kantonsschule Zofingen wird gestärkt und kommt dank der WMS zur verlangten Mindestgrösse für eine Kantonsschule von 600 Schülerinnen und Schülern. Und die Alte Kanti erhält durch den Wegzug der WMS endlich etwas mehr Platz.

Dennoch mag sich Martin Burkard, Rektor der Alten Kantonsschule, über diesen Vorschlag nicht recht freuen. «Ich bin zwar sehr zufrieden, dass die WMS Teil der Kantonsschule bleibt. Aber es ist höchst bedauerlich und schmerzt, dass die Alte Kanti die WMS abgeben muss. Bei uns wurde dieser Schulzweig stets stark gepflegt und Schulleitung und Lehrpersonen haben die Entwicklung der WMS massgeblich und mit grossem Engagement gestaltet. Der Wegzug wird auch Folgen für die Lehrpersonen haben, die an der WMS unterrichten.»

Die Kantonale Schule für Berufsbildung (KSB), die ebenfalls auf dem Areal der Alten Kanti untergebracht ist, soll neue Räumlichkeiten ausserhalb der Kantonsschule erhalten. Im Gespräch ist die Alte Reithalle in Aarau. Diesen Auszug hingegen sieht Burkard als Chance für die unter chronischer Platznot leidende Alte Kanti. So könnte sich die Alte Kantonsschule auf dem ganzen Areal ausbreiten und sich zu einem gymnasialen Campus entwickeln.

Das neue Konzept des Kantons hat auch Auswirkungen auf die Schulstandorte in Brugg und im Freiamt. Das sagen die Rektoren:

  • Heinz Schlegel, Rektor BWZ Brugg: «Ich bin enttäuscht, dass wir nach grossem Kampf nun doch das KV verlieren», sagt Heinz Schlegel, Rektor des BWZ Brugg. Dass der gewerblich-industrielle Bereich der Schule erhalten bleibt, ist für ihn ein schwacher Trost. Er wünscht sich, dass der verbleibende Teil der Schule auch tatsächlich gestärkt werde. Zum Beispiel, indem man die die typischen Brugger Berufe wie Gärtner, Florist, Forstwart oder Netzelektriker in Brugg belasse und auch neue Berufe nach Brugg bringe, konkret etwa die Elektroinstallateure. Aber die Veränderungen werden ohne Schlegel passieren. Der Rektor hat gekündigt. Er wird künftig eine Berufsschule in der Stadt Zürich leiten.
  • Philippe Elsener, Rektor BBZ Freiamt: Man habe mit diesem Entscheid rechnen müssen, sagt Rektor Philippe Elsener. Auch wenn man bis zuletzt gehofft habe, das BBZ könne auch die GI-Schule weiterführen. «Immerhin wissen wir jetzt, woran wir sind. Und wir können zumindest endlich ohne die ständige Unsicherheit arbeiten und die Zukunft planen.» Elsener geht davon aus, dass die am BBZ Freiamt frei werdenden Lehrpersonen von anderen Schulen unkompliziert übernommen werden. Froh ist Elsener, dass dem Freiamt eine gestärkte Berufsschule erhalten bleibt. «Bei der Zusammenarbeit mit anderen Schulen wird das BBZ Freiamt gerne Hand zu sinnvollen und guten Lösungen bieten.»
  • Roger Meier, Rektor BW Zofingen: Rektor Roger Meier zeigt sich wenig überrascht, dass Zofingen das KV verliert. «Das war bereits vorher in allen drei Varianten vorgesehen», erklärt er. Wenn es nun aber tatsächlich so weit kommen sollte, dann erwartet Meier, dass die Schule adäquaten Ersatz erhält. Wichtig ist für ihn, dass in Zofingen weiterhin die Berufsmatura angeboten werden kann. Konkret schlägt Meier vor, dass die Ausbildung der Maschinenbauer mit technischer Berufsmatur in Zofingen angeboten werden sollte. Die neue Berufszuteilung kann für ihn nur unter einer Bedingung funktionieren: «Auch die grossen Schulen Lenzburg und Aarau müssen mitmachen und Berufsfelder abgeben.»
  • Hans Marthaler, Rektor BZF Rheinfelden: Dass das BZF Rheinfelden von der drohenden Schliessung verschont werden soll, freut Rektor Hans Marthaler. Er rühmt denn auch den Vorschlag der Regierung, der die Bedeutung der Regionen hoch gewichtet, als vernünftig und umsichtig. Und sein Dank geht an die Menschen im Fricktal, die sich mit grösstem Engagement für den Erhalt ihres BZF eingesetzt haben. Aber Marthaler bleibt vorsichtig: «Ganz sicher aber können wir erst sein, wenn der Grosse Rat der Vorlage zugestimmt hat.» Für Marthaler ist klar, dass das BZF bei der Neuverteilung konstruktiv mitarbeiten wird. «Der Status quo ist keine Lösung. Alle Schulen müssen sich bewegen.»

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