Outdoor-Aktivität

Kampfzone Aargau? Paintball-Firma sucht Standort für futuristische Kriegsspiele

Was aussieht wie der Einsatz eines Sonderkommandos, ist eine Spielszene von Cobalt Project . zvg

Was aussieht wie der Einsatz eines Sonderkommandos, ist eine Spielszene von Cobalt Project . zvg

Die Firma Cobalt Project hat das umstrittene Paintball weiterentwickelt. In Lausanne betreibt das Unternehmen mit Erfolg eine Anlage. Nun will man expandieren und sucht einen Standort im Aargau.

In Kampfmontur schwebt der Spieler an einem Drahtseil über das Gelände, saust an einer Rutschstange hinunter und duckt sich hinter der Mauer, den Helm auf, das Druckluftgewehr im Anschlag. Die Szene, die an den Einsatz eines Sonderkommandos erinnert, ist keine Computeranimation. 

Auf der Anlage der Firma Cobalt Project im waadtländischen Lutry bei Lausanne ist die virtuelle Welt real geworden.

Eine Art Cowboy und Indianer wird hier gespielt. Nur dass die Teams mit modernster Technik ausgerüstet sind und sich auf einer vier Fussballfelder grossen Fläche austoben: in einer Kampfarena mit Festungen und Containern, Tunnels und Brücken sowie Busstation und Campingplatz.

Selbst ein Kirchturm (für Scharfschützen) darf auf der früheren Minigolf- und Freizeit-Anlage einer Bank nicht fehlen. 

Cobalt Project ist umstritten

Für die einen tumbe Ballerei und Verherrlichung von Gewalt, für die anderen Sport, Nervenkitzel und Kampf um die beste Strategie: Sascha Smolokovski kennt die verschiedenen Meinungen über Cobalt Project.

Der 30-Jährige hat schon zahlreiche Stunden auf dem Abenteuerspielplatz verbracht. Cobalt Project sei keine Bühne für Rambos, wehrt Smolokovski kritische Fragen ab.

Und ebenso wenig ein Hotspot für Ballerspiel-Junkies, die sich für einmal in der realen Welt den Adrenalin-Kick geben wollen: Weg vom Computer, rein in die Action, wo einen Nervenkitzel, Schweiss und allenfalls Muskelkater und blaue Flecken erwarten.

Die Zielgruppe sei breit, sagt Smolokovski: von der 16-jährigen Outdoorsportlerin zum 60-jährigen Banker, vom Polizei-Ausbilder zum IT-Unternehmen, das seine Führungskräfte auf die Probe stellen will.

Seit der Eröffnung habe man 28 000 Stammkunden gewonnen, heisst es auf der Website von Cobalt Project.

Die Kasse stimmte von Beginn an, mit dem finanziellen Erfolg wuchsen die Expansionsgelüste. Zumal die Besucher aus der ganzen Deutschschweiz nach Lutry anreisen.

Cobalt Project: Kriegsspiel der nächsten Generation

Cobalt Project: Kriegsspiel der nächsten Generation

Cobalt Project: Kriegsspiel der nächsten Generation

Cobalt Project

Standortsuche läuft seit Oktober

Als Partner der Firma sucht Smolokovski nun im Raum Zürich oder Aargau nach einem weiteren Standort.

Seit knapp fünf Monaten ist das Suchformular mit den Kriterien auf der Website der Flughafenregion Zürich aufgeschaltet.

Die Standortsuche erweist sich jedoch als schwierig. «Wir benötigen ein grosses Gelände, auf dem sich möglichst lebensechte Situationen nachempfinden lassen», sagt Smolokovski.

Infrage kämen Flächen in der Bauzone «Gewerbe und Industrie», idealerweise mit Anschluss an den öffentlichen Verkehr, aber dennoch abseits von Wohngegenden.

Die Emissionen seien allerdings gering, sagt Smolokovski. Der Lärmpegel der abgefeuerten Farbpatronen sei mit dem Ballwechsel eines Tennismatches zu vergleichen.

Und die Fahrzeuge, die für gewisse Spielzüge zum Einsatz kommen, würden langsam fahren.

Abgegrenzt wird das Spielfeld mit einem drei Meter hohen Sichtschutz-Zaun. Geöffnet sein soll es von 10 bis 22 Uhr, an 365 Tagen im Jahr.

Bisher habe Cobalt Project zwei Areale im Kanton Zürich genauer angeschaut, in beiden Fällen stehe die Gemeinde dem Projekt aber kritisch gegenüber.

«Einerseits wird unser Angebot als Kriegsspiel bezeichnet, andererseits haben die Behörden auch Vorbehalte, weil auf einer grossen Fläche relativ wenige Arbeitsplätze entstehen», sagt Smolokovski.

Insgesamt sei die Idee bei den angefragten Gemeinden im Kanton Zürich auf wenig Gegenliebe gestossen. «Viele haben Vorurteile und denken, es gehe um Gewalt.»

«Denkbar» im Aargau

Aufgegeben hat Sascha Smolokovski, der hauptberuflich bei einem Konzertveranstalter als Produktionsleiter arbeitet, seine Suche aber noch nicht. «Auch in Lutry war man anfangs skeptisch. Mittlerweile ist dort Cobalt Project akzeptiert.»

Smolokovski will nach den Schwierigkeiten im Kanton Zürich nun im Aargau intensiver nach möglichen Standorten suchen.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass Cobalt Project ein Gelände mit einer Grösse zwischen 12 000 und 20 000 Quadratmetern sucht.

Eine gute Verkehrsanbindung und ausreichend Parkplätze sind Voraussetzung. Erwartet werden 25 000 bis 30 000 Besucher im Jahr, mit dem «Erlebnispark», wie das Projekt in der Ausschreibung heisst, würden acht bis zwölf Vollzeitstellen und gleich viele Teilzeitstellen geschaffen.

Bisher hatte Smolokovski noch keinen Kontakt mit Aargau Services, der Abteilung des Kantons, die für die Standortförderung zuständig ist. Doch wie steht der Kanton zu den Plänen von Cobalt Project?

Benno Schmid, Mediensprecher des Baudepartements, sagt auf Anfrage der az: «Grundsätzlich wäre eine solche Freizeitanlage an einem gut erschlossenen, urbanen und immissionsbelasteten Ort in einer Gewerbe- und Industriezone denkbar». Dabei müssten aber die Zonenvorschriften der Standortgemeinde beachtet werden.

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