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«Kampftag für soziale Gerechtigkeit»: Linke nutzen den 1. Mai als Wahlkampf-Termin

Vor einem Jahr fokussierten die Gewerkschaften auf Lohngleichheit, nun heisst das Motto der 1.-Mai-Veranstaltungen «Mehr zum Leben». Sandra Ardizzone/Archiv

Vor einem Jahr fokussierten die Gewerkschaften auf Lohngleichheit, nun heisst das Motto der 1.-Mai-Veranstaltungen «Mehr zum Leben». Sandra Ardizzone/Archiv

Kandidatinnen und Kandidaten von SP und Grünen nutzen die Feiern als Auftrittsmöglichkeit im Wahljahr.

«Am 1. Mai lancieren wir an vier verschiedenen Festen im Aargau unsere Kampagne für den Ständerat», schreibt Cédric Wermuth auf Facebook. In einem Aufruf an mögliche Unterstützer bekennt der Sozialdemokrat: «Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich schon ein bisschen nervös. Wir haben viel geplant und es soll eine Kampagne werden, wie es sie in der Schweiz und im Aargau noch nie gegeben hat.»

Eine klare Ansage – und an Engagement fehlt es bei Wermuth definitiv nicht: Fast wie ein Bundesfeierredner am 1. August tingelt der SP-Kandidat durch den Kanton, um seine Botschaft unters Volk zu bringen. Wermuth tritt schon heute Dienstag bei der vorgezogen Feier im Waldhaus Schöftland auf, am 1. Mai selber spricht er dann in Baden, Brugg und Bremgarten.

Kandidierende am Rednerpult

«In einem Wahljahr ist es für uns üblich, dass wir mehr gewerkschaftsnahe Kandidierende für eine Ansprache einladen, denn auch im Parlament wird über die Rechte von Angestellten mitentschieden», sagt Florian Vock, Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes. Cédric Wermuth sei der einzige Ständeratskandidat, «der unsere gewerkschaftlichen Anliegen vollumfänglich vertritt, und ich freue mich, dass er den 1. Mai für seinen Wahlkampfauftakt nutzt und damit seine Nähe zur Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung bezeugt». Trotzdem sei der 1. Mai kein Parteianlass, sondern viel bedeutender, betont Vock. «Er ist der einzige weltumspannende Kampftag für soziale Gerechtigkeit.»

Sogar der Gewerkschaftsbund streicht die Bedeutung des 1. Mai für den Wahlkampf in seiner Mitteilung heraus. Nebst den Spitzen der Arbeitnehmerorganisationen seien dieses Jahr vor allem die Kandidierenden der National- und Ständeratswahlen im Herbst an den Redepulten anzutreffen. Florian Vock selber (in Aarau und Lenzburg), Irène Kälin, Nationalrätin und Präsidentin Arbeit Aargau (in Brugg), Viviane Hösli, Geschäftsleiterin Arbeit Aargau (in Schöftland), Lelia Hunziker, Präsidentin VPOD Aargau (in Baden) sowie Daniela Neves, Verantwortliche Industrie der Unia Aargau-Nordwestschweiz (in Stein) zählen zu den Gewerkschaftsvertretern, wobei sie mit Ausnahme von Neves auch auf den Nationalratslisten anzutreffen sind.

Ruth Müri, Stadträtin in Baden und Grünen-Grossrätin, ist die zweite linke Ständeratskandidatin, sie tritt am 1. Mai in Aarau auf. SP-Nationalrätin Yvonne Feri (in Lenzburg), SP-Aargau-Präsidentin Gabriela Suter (in Zofingen), Arsène Perroud (SP, in Bremgarten und Zofingen), Anja Gestmann (SP, in Schöftland), Rolf Schmid (SP, in Stein), Carole Binder-Meury (SP, in Stein), Martin Brügger (SP, in Brugg), Mia Gujer (SP, in Zofingen) und Alime Köseciogullari (SP, in Lenzburg) kandidieren für den Nationalrat.

«Motto vereint die Menschen»

Vor einem Jahr fokussierten die Gewerkschaften auf Lohngleichheit, nun heisst das Motto am 1. Mai «Mehr zum Leben». Der sehr allgemein gehaltene Slogan kommt vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund. «Er lässt aus meiner Sicht viel Raum für individuelle Anliegen: mehr Lohn, mehr Lebenszeit, mehr Rente, mehr Prämienverbilligung, mehr Frauenrechte – zum Leben», sagt Florian Vock. Bei jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer werde ein anderes Wort das wichtigste Anliegen sein, «doch das Motto bringt die Forderung nach mehr Lebensqualität auf den Punkt und vereint die Menschen am 1. Mai».

Nicht nur einheimische Kandidierende treten an den Feiern im Aargau auf. Speziell erwähnt werden in der Mitteilung des Gewerkschaftsbundes Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (in Baden), Nationalrätin Mattea Meyer (in Baden), die Vertreterinnen der klimastreikenden Schülerinnen (in Baden) und der Sänger von Stiller Has, Endo Anaconda (in Aarau).

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