Bis zum 21. August können Ständerats-Kandidaturen im Aargau offiziell gemeldet werden. Schon heute stehen aber acht Namen fest, welche die Bevölkerung am 18. Oktober auf ihre Stimmzettel schreiben kann. Als letzte Kantonalpartei hat die FDP gestern Abend mit Philipp Müller ihren Mann ins Rennen geschickt. Von der freisinnigen Basis wurde der Parteipräsident, Nationalrat und Unternehmer am Parteitag in Wettingen nominiert.

Philipp Müller wurde einstimmig als Ständeratskandidat nominiert. Ziel: Den Sitz von Christine Egerszegi zu verteidigen. Idealfall: Bürgerliches Doppelticket nach Bern. Hindernisse: Hansjörg Knecht und Pascal Bruderer.

Philipp Müller wurde einstimmig als Ständeratskandidat nominiert. Ziel: Den Sitz von Christine Egerszegi zu verteidigen. Idealfall: Bürgerliches Doppelticket nach Bern. Hindernisse: Hansjörg Knecht und Pascal Bruderer.

Vorgestellt wurde Müller vom ehemaligen FDP-Ständerat und -Regierungsrat Thomas Pfisterer, zur Unterhaltung spielte alt Regierungsrat Peter C. Beyeler mit der «Wynavalley Oldtime Jazzband» auf.

Müller gab seine Kandidatur für den Ständerat, wo er die nicht mehr antretende Parteikollegin Christine Egerszegi ersetzen soll, bereits Ende April 2014 bekannt. Dass er nun nominiert wurde, ist insofern keine Überraschung.

Allerdings gab es in den vergangenen Monaten auch Misstöne bei den Freisinnigen. So wurde im Januar bekannt, dass der aufstrebende Grossrat Thierry Burkart als Ständerat kandidieren wollte. In einem Mail an Müller schrieb Burkart im Herbst 2014, es sei «ein riesiger Fehler gewesen», dass er sich nicht selber als Kandidat zur Verfügung gestellt habe.

Inzwischen scheint das Thema aber erledigt: Burkart hat sich längst bei Müller entschuldigt und bezeichnete dessen Wahlchancen als gut. Ob dies zutrifft und der FDP-Mann tatsächlich in den Ständerat einziehen wird, ist völlig offen. Denn das Feld für das «Stöckli» ist gross. Müller kämpft gegen die bisherige Pascale Bruderer (SP) und die neuen Ruth Humbel (CVP), Hansjörg Knecht (SVP), Beat Flach (GLP), Bernhard Guhl (BDP), Irène Kälin (Grüne) und Lilian Studer (EVP).

Die Kandidaten im Kurzportrait: 

Pascale Bruderer (SP)

Pascale Bruderer (SP)

Die Bisherige. Pascale Bruderer eroberte vor vier Jahren im ersten Wahlgang für die SP einen Ständeratssitz gegen die SVP, deren vermeintlich starker Trumpf Ulrich Giezendanner nicht stechen konnte. Sie politisiert pragmatisch und geht dabei auch hin und wieder auf Distanz zur eigenen Partei (wie bei der Erbschaftssteuer), was ihr ein Wählerpotenzial auch in bürgerlichen Kreisen erschliesst. Ihre Wiederwahl dürfte kaum gefährdet sein.

Beat Flach (GLP)

Beat Flach (GLP)

Mit Beat Flach schafften die Aargauer Grünliberalen vor vier Jahren auf Anhieb den Einzug in den Nationalrat. Er ist schnell in Bundesbern angekommen und gehört zu den bekannteren Köpfen der zwölfköpfigen GLP-Fraktion. Um den Kandidaten der Traditionsparteien in einer Majorzwahl wirklich gefährlich werden zu können, ist die Wählerbasis der Grünliberalen aber zu dünn. Für ihn geht es mehr darum, das Nationalratsmandat abzusichern.

Bernhard Guhl (BDP)

Bernhard Guhl (BDP)

Der zweite Newcomer: Auch die BDP schaffte es mit Bernhard Guhl 2011 in den Nationalrat. Sähe er nicht eine kleine Chance, würde er nicht zur Ständeratswahl antreten, sagt Guhl. Ein Statement aus dem Standardrepertoire, die effektiven Wahlchancen liegen sehr nahe bei null. Er und die BDP können aber jede Plattform brauchen, um sich ins Gespräch zu bringen. Je nach Listenverbindungskonstellation kann es für den Nationalratssitz eng werden.

Ruth Humbel (CVP)

Ruth Humbel (CVP)

Schon 2003 hatte die CVP die Hoffnungen in Ruth Humbel gesetzt, um den 1995 verlorenen Sitz zurückzuerobern, sie landete nur auf Platz vier. Heute gilt die Nationalrätin als eine der profiliertesten Gesundheitspolitikerinnen unter der Bundeskuppel, sie tritt auf Augenhöhe mit den anderen Kandidaten der Traditionsparteien an. Ein Handicap: Die CVP verheimlichte nicht, dass sie am allerliebsten mit Regierungsrat Roland Brogli in die Wahl gestiegen wäre.

Irène Kälin (Grüne)

Irène Kälin (Grüne)

Eine der Hoffnungsträgerinnen der Grünen für die Zeit nach Geri Müller. Irène Kälin meldete selbstbewusst Interesse an einer Kandidatur an, bevor feststand, dass sich Müller aus der Bundespolitik verabschiedet. Ganz ohne Risiko ist es für die Partei nicht, so stark auf die Co-Präsidentin der Grossratsfraktion als Zugpferd zu setzen. Kälin gilt als «Melonengrüne», also klar links positioniert. Das könnte auf Umweltanliegen fokussierte Wähler auch abschrecken.

Hansjörg Knecht (SVP)

Hansjörg Knecht (SVP)

Erst seit 2011 im Nationalrat, zählte ihn SVP-Präsident Toni Brunner schon zu den Bundesrats-Papabili. Das sollte wohl vor allem den Wahlkampf im Aargau beflügeln, zu den grössten Schwergewichten in Bundesbern gehört Hansjörg Knecht noch nicht wirklich. Was ihn neben der grösseren Hausmacht zum gefährlichen Konkurrenten für Philipp Müller macht: Mit Knecht hat die SVP einen Kandidaten, der weniger polarisiert als Ulrich Giezendanner.

Lilian Studer (EVP)

Lilian Studer (EVP)

Echte Aussichten, eine Ständeratswahl zu gewinnen, hat auch sie kaum. Aber Lilian Studer, die Tochter von alt Nationalrat Heiner Studer, ist die «Miss EVP» im Aargau. 2011 musste sie bei den Ständeratswahlen Präsident Roland Bialek den Vortritt lassen. Das hat der Partei nichts eingebracht – Platz acht bei den Ständeratswahlen und nur noch gut 3 Prozent bei den Nationalratswahlen. Mit Studer als Spitzenkandidatin hofft die EVP auf mehr Zug.