Kontrolle

Kampf gegen schwarze Schafe in der Transportbranche

Lieferwagen mit Anhänger: Nicht immer sind sie in der Schweiz über alle Zweifel erhaben.

Lieferwagen mit Anhänger: Nicht immer sind sie in der Schweiz über alle Zweifel erhaben.

Am Donnerstag stoppte die Polizei einen Lieferwagen, der ungesichert Benzin transportierte. Das ist kein Einzelfall. Die Sicherheit kleiner Lieferwagen ist ein bekanntes Problem in der Transportbranche. Ein Ärgernis auch für seriöse Unternehmen.

Die Kantonspolizei stoppte am Donnerstagmorgen in Birrhard einen kleinen Lieferwagen mit Anhänger. Dieser gehörte einem kleinen Transportbetrieb aus der Ostschweiz und wurde von einem 23-jährigen Mann gelenkt. Auf der Ladefläche befanden sich drei Fässer mit insgesamt 600 Liter Benzin, die nicht gesichert waren.

Zusätzlich ergab bei der Kontrolle ein Bremstest, dass beim Anhänger kaum mehr Bremswirkung vorhanden war. Die Polizei stellte fest, dass die Bremse des Lieferwagens so viel Spiel hatte, dass das Pedal bis zum Bodenblech durchgedrückt werden konnte. Auch wies die Fahrzeugelektronik Störungen auf.

Zudem zeigte sich bei der Gewichtsüberprüfung, dass die Komposition stark überladen war. Die gesetzlich vorgeschriebene Tragfähigkeit wurde deutlich überschritten. Einer der Vorderreifen des Lieferwagens war dabei so stark abgelaufen, dass nur noch die Karkasse – das Gewebe unter dem Gummi – sichtbar war. Das Fahrzeug wurde auf der Stelle stillgelegt.

Die Kantonspolizei stellt immer wieder fest, dass leichte Lieferwagen gravierende Mängel aufweisen. «Wir ziehen bei Kontrollen wöchentlich mehrere Lieferwagen mit Anhängern aus dem Verkehr», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei.

Seriöse Unternehmer schütteln Kopf

Seriöse Transport-Unternehmer sind nicht gut auf solche Kleinbetriebe zu sprechen: «So fährt man einfach nicht herum. Das ist äusserst fahrlässig. Solche schwarzen Schafe rücken unsere Branche in ein schlechtes Licht», sagt Transport-Unternehmer Ueli Giezendanner. Der SVP-Nationalrat weiss: «In unserer Branche müssen wir seriöse Arbeit leisten. Und das kostet nun mal Geld.» Seine Haltung: Wer den Unterhalt der Fahrzeuge nicht finanzieren kann, ist in der Transportbranche fehl am Platz.

Branche unter Preisdruck

Die Sicherheit kleiner Lieferwagen ist ein bekanntes Problem in der Transportbranche: Um die Fahrkosten tief zu halten, fahren kleine Firmen oftmals so lange mit ihren Fahrzeugen und Anhängern, bis eine Reparatur unumgänglich wird. So können kleine Transportbetriebe ihren Kunden günstigere Konditionen anbieten, da kaum oder überhaupt keine Kosten für den Unterhalt anfallen. Auch Hans-Peter Dreier, Geschäftsführer Dreier Transport in Suhr, bezeichnet solche Machenschaften als «nicht tolerierbar». «Denen muss man die Fahrerlaubnis entziehen.»

Derweil erstaunen Ulrich Gloor, Geschäftsleiter «Logistikcenter» der Lagerhäuser Aarau, solche Fälle nicht: «Die Transport-Branche ist derart unter Preisdruck, dass man irgendwo sparen muss, um überhaupt Gewinn einzufahren», sagt er. Doch trotz hoher Unterhaltskosten sei diese Art von Kostensparen die falsche Strategie. «Solche Ausreisser müssen bestraft und dürfen auf keine Fälle goutiert werden.»

Keine jährliche Vorführung

Pikant: Leichte Anhänger müssen keine jährliche Vorführung bestehen – im Gegensatz zu grossen Lastwagen über 3,5 Tonnen. Das nutzen kleine Betriebe aus. Giezendanner könnte sich deshalb gut vorstellen, dass sich dies zulasten der Unternehmer ändert. «Die kleineren Fahrzeuge sollte man alle drei bis vier Jahre überprüfen müssen. Eine jährliche Vorführung der Fahrzeuge halte ich jedoch für übertrieben», sagt er. Schliesslich würden die Produkte, die sie transportierten, durch eine jährliche Vorführung nicht sicherer werden.

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