Schädling

Kampf gegen die Kirschessigfliege: Gezielt statt panikartig

Ein gefundenes Fressen: eine Fliege auf einer reifen Traube.

Ein gefundenes Fressen: eine Fliege auf einer reifen Traube.

Die Population der Kirschessigfliegen ist grösser als letztes Jahr. Das Sommerwetter bestimmt, wie stark sie wüten werden. Wird es heiss und trocken, sterben die Fliegen. Bereits einige Hitzetage reichen dafür aus.

Kleine Fliege, grosser Schaden: Die nur zwei bis drei Millimeter kleine Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) hat 2014 einen beträchtlichen Teil der Ernte zerstört– bei den Trauben bis zu 15 Prozent. Der Schädling tauchte erstmals 2011 in der Schweiz auf; letztes Jahr folgte eine dramatische Zunahme.

Der Schädling dürfte den Aargauer Bauern das Leben auch heuer schwer machen. Für eine Prognose ist es zwar noch zu früh, fest steht aber bereits jetzt: «Nach einem relativ milden Winter ist die Fliegenpopulation sogar noch grösser als im vergangenen Jahr», wie Claudia Daniel, Projektleiterin Schädlingsbekämpfung am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick, sagt. Sie forscht nach möglichen Wegen, wie sich der Schaden durch die Fliege auf biologische Weise eindämmen lässt.

In Zukunft soll mit einem gemeinsamen Forschungsprogramm von mehreren Institutionen – darunter das FiBL und Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung – noch koordinierter nach geeigneten Lösungen für die Praxis gesucht werden.

Weniger Panik, mehr Ruhe

Wichtige Informationen lieferten den Forschern die Erfahrungen des letzten Jahres: «Seither wissen wir extrem viel mehr», sagt Claudia Daniel. Beispielsweise, welche Weissweinsorten mehr und welche weniger gefährdet sind.

Die zentrale Erkenntnis ist allerdings eine andere: «Bislang wurde eine Lösung für alle angebauten Kulturen gesucht. Doch eine solche wird es nicht geben, weil nicht alle Massnahmen überall gleich wirksam sind.»

Ein Beispiel: Während bei Heidelbeeren Köder und Fallen am besten wirken, lassen sich Kirschen am effizientesten mit Netzen schützen. «Letztes Jahr war das Hauptproblem, dass alle panikartig das Gleiche wie die anderen gemacht haben.» Ihr Rat für die kommende Saison lautet deshalb: «Die Betroffenen sollen mit mehr Ruhe und differenzierter gegen die Kirschessigfliege vorgehen.»

Am FiBL wird derzeit unter anderem erforscht, wie sich mithilfe von verstäubten oder versprühten Substanzen die Reben schützen lassen – ohne die Weinqualität zu mindern.

Dafür infrage kommen biologische Stoffe wie Kalk oder fein gemahlene Gesteine. Die Forschung orientiert sich dabei an der Praxis und gibt die neusten Erkenntnisse sogleich an die Bauern weiter. Auf Merkblättern, die online zugänglich sind, erhalten diese Tipps im Kampf gegen die Kirschessigfliege – angepasst an die unterschiedlichen Voraussetzungen für Beerenkulturen, Rebbau oder Feldobstbau.

Hoffen auf heissen Sommer

Der wichtigste Faktor bleibt allerdings das Wetter. «Nach dem relativ milden Winter müssen wir jetzt auf einen heissen Sommer hoffen», sagt Claudia Daniel.

Der Grund: Wird es heiss und trocken, sterben die Fliegen. Bereits einige Hitzetage reichen dafür aus. Bei milder und regnerischer Witterung hingegen verbreiten sie sich beinahe ungestört. Dem Klima hat es der Aargau auch zu verdanken, dass er – verglichen mit dem Tessin oder dem Wallis – insgesamt weniger stark vom Schädling betroffen ist.

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