Neues Konzept

Kampf der Berufsschulen: Zofingen geht auf Konfrontation mit dem Kanton

Der Zofinger Berufsschulrektor Roger Meier inmitten von modernster Produktionsrobotik für               den Unterricht in der Sparte Maschinenbau. Er will den drohenden Abbau beim Maschinenbau nicht mehr hinnehmen.

Der Zofinger Berufsschulrektor Roger Meier inmitten von modernster Produktionsrobotik für den Unterricht in der Sparte Maschinenbau. Er will den drohenden Abbau beim Maschinenbau nicht mehr hinnehmen.

Die Aargauer Berufsschulen machen mobil. Sie wehren sich individuell und mit unterschiedliche Strategien gegen die vom Kanton vorgeschlagene Konzentration der Standorte. Die Chancen, dass sie sich durchsetzen und die Vorlage scheitert, sind gut. Denn es ist Wahljahr

Anfänglich schien es, als ob die Berufs- und Weiterbildung Zofingen (BWZ) die Vorschläge der Regierung akzeptieren könnte: Im Rahmen des neuen Standort- und Raumkonzeptes für die kantonalen Berufs- und Mittelschulen sollte Zofingen die kaufmännische Grundausbildung (KV) verlieren.

Dafür war vorgesehen, dass der Bereich Maschinenbau in Zofingen bleiben würde und erst noch gestärkt werden sollte; und auch die Wirtschaftsmittelschule sollte von der Kanti Aarau nach Zofingen wechseln. «Wir haben kooperativ mitgearbeitet», erklärt BWZ-Rektor Roger Meier.

Völlige Ablehnung in Zofingen

Doch jetzt stehen die Zeichen auf Sturm. «Wir helfen nicht mehr mit. Im Gegenteil. Wir bekämpfen die Vorschläge von Regierung und Bildungskommission», sagt Meier ernüchtert. Denn in Zofingen glaubt man inzwischen, dass der Standort zu den Verlierern des neuen Konzeptes gehören wird, wenn man sich jetzt nicht wehrt.

So sei sehr ungewiss, ob der Maschinenbau tatsächlich in Zofingen bleiben würde. Die andern beiden Standorte Baden und Lenzburg werden wohl kaum freiwillig Lernende an Zofingen abgeben. Aber ohne starken Maschinenbau gäbe es keine Berufsmaturität mehr in Zofingen, was wiederum eine Schwächung der Schule und des Standortes bedeuten würde.

Dass die Wirtschaftsmittelschule nach Zofingen wechselt, erscheint nach der Intervention der Bildungskommission als unwahrscheinlich. «Wir fühlen uns übergangen», sagt Meier. Irritiert zeigt sich der Rektor auch darüber, dass die Bildungskommission das KV Brugg nun doch nicht schliessen will, jenes in Zofingen hingegen schon.

Meier vermutet, dass das wohl damit zusammenhänge, dass in der Bildungskommission nur zwei Grossräte aus der Region Zofingen sitzen. «Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb andere Regionen – zum Beispiel Aarau, Baden, Brugg oder Lenzburg – bevorzugt werden», beschwert sich Meier.

Die ursprünglichen Ziele des Konzeptes – bessere Auslastung des Schulraums, Bildung von Kompetenzzentren, Senkung der Kosten – seien nicht mehr sichtbar. Als belastend empfindet Meier die ungewisse Situation. «Die Lehrpersonen wissen nicht, woran sie sind, aber auch Investitionen können nicht mehr getätigt werden», kritisiert er.

In Zofingen ist man deshalb nicht mehr bereit, auf das KV zu verzichten, und will auch den drohenden Verlust des Maschinenbaus nicht hinnehmen. Alles soll bleiben, wie es ist; das Konzept soll nach dem Willen der Schulverantwortlichen aus Zofingen als Rohrkrepierer in die Geschichte eingehen.

Bereits haben Schulvorstand und Schulleitung die Grossrätinnen und Grossräte des Bezirks für das Zofinger Anliegen mobilisiert. Sie sollen an der Grossratssitzung vom 30. August für ihre Region einstehen. Aber auch die Schülerinnen und Schüler aus Zofingen werden aktiv.

Sie drehen einen Film, der die Vorzüge des BWZ zeigt, und verbreiten ihn via Social Media.
Diese Art von Lobbying ist nicht aussergewöhnlich. Andere Berufsschulen im Kanton haben es im gleichen Zusammenhang auch schon praktiziert. Besonders erfolgreich waren damit bisher etwa die Schulen in Lenzburg, Brugg oder Rheinfelden.

Das Freiamt im Nachteil

Irritation herrscht aber auch im Freiamt. Dort ist man grundsätzlich bereit, die Schliessung der gewerblich-industriellen Berufsschule zu akzeptieren, wenn im Gegenzug das KV entsprechend gestärkt wird, also deutlich mehr Schülerinnen und Schüler als bisher das KV Wohlen besuchen.

Wenn nun aber das KV Brugg bestehen bleibt und das KV Zofingen ebenso, dann wird es keine zusätzlichen Schüler für Wohlen geben. Die kompromissbereiten Freiämter hätten das Nachsehen und gingen als Verlierer vom Platz.

«Es kann ja nicht sein, dass die, die konstruktiv mitarbeiten, am Schluss noch bestraft werden», sagt Philippe Elsener, Rektor des Berufsbildungszentrums Freiamt (BBZ) in Wohlen.

Entsprechend hat man auch im Freiamt gehandelt und ebenfalls alle verfügbaren Grossrätinnen und Grossräte mobilisiert. Dies allerdings mit einem klaren Unterschied zur Zofinger Kampagne: Die Freiämter anerkennen grundsätzlich Sinn und Notwendigkeit der Konzentration der Berufsschulen, wie sie der Regierungsrat im zweiten Anlauf vorgeschlagen hat. «Ich halte wenig von einer Fundamentalopposition aus dem Freiamt. Aber ich erwarte, dass der Grosse Rat seine Verantwortung wahrnimmt. Auch wenn Wahlen bevorstehen», sagt Elsener.

Auf Aktionismus und einen bildungspolitischen «Freiämtersturm» wollen die Verantwortlichen des Berufsbildungszentrums in Wohlen verzichten. «Aber wir halten uns angesichts der aktuellen Situation für unser weiteres Vorgehen alle Optionen offen», erklärt Elsener, geprägt von den Erfahrungen der letzten Jahre in dieser Angelegenheit.

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