Regierungsratswahlen 2016
Kampf der Aussenseiter: Das sagen Obrist, Scheier und Bally über ihre Skandälchen

Mit Robert Obrist (Grüne), Ruth Jo. Scheier (GLP) und Maya Bally (BDP) stellten sich die Kandidaten der «kleinen Parteien» dem Wahl-Talk.

Lukas Scherrer
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Sie hoffen, das zu erreichen, was Susanne Hochuli vor acht Jahren überraschend gelungen ist: als Mitglied einer Kleinpartei in die Aargauer Regierung gewählt zu werden.

Obwohl ihnen dafür eher geringe Chancen eingeräumt werden, sind Ruth Jo. Scheier (GLP), Maya Bally (BDP) und Robert Obrist (Grüne) mit Vollgas in den Wahlkampf gestartet. Am Dienstag waren die drei «Aussenseiter» zu Gast im «Talk Täglich» von Tele M1 und stellten sich den Fragen von Moderator und az-Chefredaktor Christian Dorer.

Die ersten «Skandälchen» der Kandidaten

Ersten Zündstoff für das Gespräch hatte dieser genug, denn die Parteien der drei Kandidaten sorgten schon kurz nach ihrer Nominierung für Schlagzeilen: die GLP mit dem innerparteilichen Hick-Hack um Scheiers Kandidatur, die Grünen mit dem Fehlen einer weiblichen Kandidatin und die BDP mit Ballys Aussagen über SVP-Kandidatin Franziska Roth.

«Was haben Sie gegen Frau Roth?», hakte der Moderator bei der BDP-Kandidatin nochmals nach. «Ich glaube schon, dass sie als Regierungsrätin fähig ist», erklärte Bally, fügte aber an: «Doch ich bringe klar den besseren Rucksack mit für das Amt.»

Auf das Hin- und Her um Scheiers Nominierung angesprochen, antwortete die GLP-Kandidatin: «Nach dem überraschenden Rücktritt von Susanne Hochuli gerieten wir unter Zeitdruck und Zugzwang. Der Widerstand gegen meine Kandidatur war zwar nicht gross, doch in der Partei halten wir es klar demokratisch und lassen alle Mitglieder zu Wort kommen.»

Und betreffend weiblichen Kandidaten bei den Grünen erklärte Obrist: «Wir haben viele Kandidaturen geprüft. Doch wir sind der Ansicht, dass die Qualitäten und Kompetenzen der Personen entscheidend sind.»

Bemühungen bei Integration und Rückführung

Das erste Diskussionsthema drehte sich um das Asylwesen im Kanton Aargau und wie die Regierungsratskandidaten gedenken, dieses nach ihrer Wahl anzupacken. «Das Thema ist unglaublich komplex», haderte Scheier zuerst, legte dann aber nach: «Es braucht einen Dialog mit den Gemeinden, um einen Konsens zu finden.»

Auch für Bally war klar, dass man auf die Bedürfnisse und Ängste der Gemeinden eingehen müsse, um Ideen für die Asylpolitik zu schaffen.

Franziska Roth (SVP)
22 Bilder
Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus Was bedeutet die Nomination der Brugger Bezirksgerichtspräsidentin und wie wird sie versuchen, ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern? (April 2016)
Yvonne Feri (SP)
Die 50-jährige Nationalrätin kämpft um einen zweiten SP-Sitz in der Aargauer Regierung. Feri ist noch bis Ende Jahr Gemeinderätin von Wettingen und unter anderem Präsidentin von "Kinderschutz Schweiz" sowie des "Vereins für Soziale Gerechtigkeit".
Die Aargauer Regierungsratskandidaten 2016 Markus Dieth (CVP)
Der 49-jährige Wettinger sitzt seit 2009 im Grossrat und präsidierte diesen im Jahr 2015. 2006 wurde er in den Gemeinderat von Wettingen gewählt, wo er seit 2008 das Amt des Gemeindeammanns ausübt.
Alex Hürzeler (SVP)
Der 51-Jährige sitzt seit 2009 im Aargauer Regierungsrat und hat dort das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) inne. Der Fricktaler stellt sich diesen Oktober für eine weitere Amtsperiode zur Wahl.
Maya Bally: «Die Chancen stehen gut für eine Frauenkandidatur aus der Mitte» (8.8.2016)
Die 55-jährige Hendschikerin ist seit 2012 Mitglied der kantonalen Parteileitung und Präsidentin der Bezirkspartei Lenzburg. Im Oktober 2012 wurde sie in den Grossen Rat gewählt, seit 2013 ist sie Präsidentin der Fraktion. Als Schulpflegepräsidentin liegen ihre politischen Schwerpunkte in der Bildung aber auch bei Wirtschaft und Finanzen.
Stephan Attiger (FDP)
Der 49-Jährige steht im Regierungsrat seit 2013 dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) vor. Am 23. Oktober kandidiert er für seine Wiederwahl.
Urs Hofmann (SP)
Der 59-jährige Aarauer leitet im Regierungsrat seit 2009 das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Im Oktober will er den SP-Sitz in der Aargauer Regierung verteidigen.
Mia Jenni, Ariane Müller und Mia Gujer: Dieses Trio zieht für die Juso in den Regierungsrats-Wahlkampf. Mia Jenni (21) ist Vorstandsmitglied der Juso Aargau und studiert Germanistik und Kunstgeschichte. Ariane Müller (23) studiert zurzeit Geschichte und Geologie und ist Präsidentin der Juso Freiamt. Mia Gujer (22) ist Präsidentin der JUSO Aargau und arbeitet als Kampagnen-Mitarbeiterin.
Robert Obrist (Grüne)
Der 58-jährige Schinznacher sitzt seit Januar 2014 im Grossen Rat. Als Agronom und Departementsleiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL) sind Umwelt und Bildung die Themen, die Obrist am meisten umtreiben.
Ruth Jo. Scheier (GLP)
Die 40-Jährige wohnt seit 2005 in Wettingen. Sie ist alleinerziehende Mutter einer 17-jährigen Tochter. Sie arbeitet als kaufmännische Angestellte in einer Schmuck-Grosshandelsfirma. Die Grossrätin ist auch Vize-Präsidentin der GLP Aargau.
Die transsexuelle Jil Lüscher kandidiert als Parteilose.
Pius Lischer (IG-Grundeinkommen)
Der 53-jährige Pius Lischer wohnt in Oberrüti und ist schon bei mehreren Wahlen angetreten – jeweils ohne Erfolg.

Franziska Roth (SVP)

Alex Spichale

Für Robert Obrist sei es zudem wichtig, die Ursachen der Flüchtlingsströme wie das Klima oder die Armut in den Ursprungsländern der Migranten zu analysieren.

Nach den jüngsten Fällen von Gewalt in Asylunterkünften mit einem Todesfall am Samstag äusserten sich die Gäste auch zur Frage, ob die Unterbringung unter Tage überhaupt noch zumutbar sei für Flüchtlinge.

«Diese Form der Unterbringung schürt auf Dauer Emotionen», sagte Scheier und fügte an: «Man muss auf diese Menschen zugehen und Möglichkeiten zur Integration bieten.»

Für Obrist hingegen war klar: «Es braucht Bemühungen, auch oberirdische Unterkünfte zu finden. Weiter braucht es Integrationsmassnahmen beim Spracherwerb und der Eingliederung in die Arbeitswelt. Das würde die Situation in den Unterkünften entspannen.»

Auch Bally teilte die Meinung, dass eine unterirdische Unterbringung nicht auf Dauer zumutbar sei. Es brauche einerseits Beschäftigungsprogramme, aber auch gute Bedingungen, dass Asylsuchende wieder in ihre Heimatländer zurückkehren können.

Sparpotenzial vorhanden oder «Zitrone ausgepresst»?

Das letzte Thema drehte sich schliesslich ums Sparen. Wie gut können das die Kandidaten?

Während GLP-Kandidatin Scheier Schwierigkeiten hatte, die Frage eindeutig zu beantworten, erklärte Obrist: «Die Zitrone ist ausgepresst.» Man habe schon so viel weggespart, jetzt würde es endlich Zeit, auf der Einnahmenseite etwas zu tun.

Auch BDP-Kandidatin und Bildungspolitikerin Bally fand, dass in der Bildung bereits genug gespart wurde. Hingegen müsse man bei der Spitallandschaft im Kanton über die Strukturen diskutieren.

Moderator Christian Dorer beendete die Gesprächsrunde mit der Frage, wem die Gäste ihren Sitz im Regierungsrat vorzugsweise abtreten würden, sollten sie am 23. Oktober leer ausgehen.

Während sich der Grüne-Kandidat Obrist darüber noch keine Gedanken gemacht habe, zeigten sich die beiden weiblichen Gäste solidarisch und würden am liebsten ihr Gegenüber im Amt sehen, sollte es mit der Wahl nicht klappen.