Milchgold Käse AG

Käserei-Chef zur Subventions-Schummelei: «Wir haben nicht frühzeitig genug insistiert»

«Es wird Veränderungen geben», sagt Benedikt Felder, Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei AG, mit Blick auf die Zukunft der Milchgold Käse AG. Chris Iseli

«Es wird Veränderungen geben», sagt Benedikt Felder, Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei AG, mit Blick auf die Zukunft der Milchgold Käse AG. Chris Iseli

Der Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei AG äussert sich zur Subventions-Schummelei und zum laufenden Verfahren von Emmentaler Switzerland.

Die Milchgold Käse AG mit Sitz in Auw hat zu Unrecht 1,1 Millionen Franken Subventionen bezogen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen Verdachts auf Betrug gegen den Geschäftsführer der Käserei eröffnet. Bei der Sortenorganisation Emmentaler läuft ein weiteres Verfahren, weil sich der Käser nicht an die Produktionsvorschriften gehalten hatte.

Der Geschäftsführer der Käserei hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäussert. Anders Benedikt Felder. Er ist Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei AG. Die Firma vermietet die Infrastruktur an die Milchgold Käse AG. Operativ hat die Freiämter Käserei AG nichts mit Milchgold zu tun. Aber die beiden Unternehmen sind – zumindest personell – eng miteinander verknüpft. So sitzt der Geschäftsführer der Milchgold Käse AG mit Benedikt Felder im Verwaltungsrat der Freiämter Käserei AG und ist ein wichtiger Aktionär. Er besitzt 28 Prozent der Aktien.

Herr Felder, wie haben Sie von den Vorwürfen erfahren?

Benedikt Felder: Vom Käser.

Bevor es öffentlich wurde?

Ja.

Wie haben Sie reagiert?

Betroffen.

Dass die Milchgold Käse AG zu Unrecht Subventionen bezogen hat, kam ans Licht, weil ein ehemaliger Lieferant Unregelmässigkeiten feststellte und diese dem Bundesamt für Landwirtschaft meldete. Wem hätte etwas auffallen müssen?

Das ist schwierig zu sagen. Aber bei den Kontrollen hätte das eigentlich auffallen müssen. Die Käsereien werden regelmässig und detailliert kontrolliert.

Hätte es Ihnen als Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei AG auffallen können?

Operativ hat die Freiämter Käserei nichts mit der Milchgold Käse zu tun. Der Verwaltungsrat kann die Bücher der Milchgold Käse AG nicht einsehen.

Der Käser hat auch gegen das Pflichtenheft Emmentaler verstossen. Er hat die Milch nicht jeden Tag, sondern nur alle zwei Tage bei den Bauern abgeholt.

Das ist so. Die Sortenorganisation und die Kontrollorganisation Emmentaler haben im Februar 2018 aufgrund von Hinweisen eine Zusatzkontrolle gemacht. Dabei stellten sie fest, dass die Milch nicht täglich abgeholt wurde. Dann haben sie – wie das üblich ist – den Käse des letzten Monats zu Schmelzkäse deklassiert. Die Kosten musste die Milchgold Käse AG tragen. Parallel dazu hat Emmentaler Switzerland ein Verfahren eingeleitet, wo es um Sanktionen geht und um Rückforderungen eines erzielten finanziellen Vorteils. Dieses Verfahren wurde im September eröffnet. Es ist noch hängig.

Wie kann es sein, dass der Käser nicht früher aufflog? Hugo Abt etwa ist Verwaltungsratsmitglied der Freiämter Käserei AG. Gleichzeitig ist er Milchlieferant und Delegierter der Sortenorganisation Emmen- taler. Mindestens ihm hätte doch etwas auffallen müssen.

In der Käserei werden pro Jahr mehr als 50 Millionen Liter Milch verarbeitet. Etwa zwölf Millionen Liter kommen direkt von unseren Aktionären. Von dieser Milch werden nur knapp 40 Prozent zu Emmentaler verarbeitet. Der Rest läuft in andere Kanäle. Für alle anderen Kanäle darf auch Milch, die älter ist als einen Tag, verarbeitet werden. Aber es stimmt, bei genauerem Hinsehen müsste man das feststellen.

Also wurde bewusst weggeschaut?

Wir haben nicht frühzeitig genug insistiert.

Am Dienstagabend haben Sie die Milchbauern zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Worum ging es?

Wir haben aufgrund der Eröffnung des Verfahrens der Sortenorganisation Emmentaler und der Medienberichte kurzfristig entschieden, die Bauern persönlich über den Stand der Dinge zu informieren. Wir haben an diesem Abend kritische Diskussionen geführt. Aber die Veranstaltung war gut und wichtig.

Haben sich die Wogen geglättet?

Es braucht noch Zeit. Es ist für die Bauern schwierig, weil sie nicht in allen Teilen direkt involviert, aber trotzdem mitbeteiligt sind. Aber es kam klar zum Ausdruck, dass wir neben der Aufarbeitung des Falles auch nach vorne blicken müssen. Es geht letztlich darum, die Firmen in die Zukunft zu führen und Arbeitsplätze zu erhalten.

Ist eine Zukunft mit dem gleichen Geschäftsführer möglich?

Auch darüber haben wir am Dienstagabend diskutiert. Es wird auf allen Stufen Veränderungen geben müssen. Einerseits, um die Zukunft zu sichern. Andererseits, um sicherzustellen, dass solche Fehler nicht mehr vorkommen.

In welchem Zeithorizont?

Ich denke, etwas wird auf die ordentliche Generalversammlung im Frühling passieren, und bis Mitte 2019 sollten wir Klarheit haben, was geht. Aber es ist natürlich sehr herausfordernd. Man kann nicht einfach von heute auf morgen Personen ersetzen.

Bleiben Sie weiter Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei?

Es braucht wahrscheinlich bei allen Gesellschaften personelle Veränderungen, um die Weiterführung der Betriebe für die Zukunft sichern zu können. Aber personelle Entscheidungen sind nicht gefällt und ich werde sie dementsprechend nicht vorwegnehmen.

Laut «Bauern Zeitung» wollte man Sie bereits mal absetzen. Was ist das für ein Gefühl, wenn man merkt, einige wollen einen weghaben?

Es ist ein unangenehmes Gefühl, das mich stark belastet hat. Die Abstimmung hat aber gezeigt, dass eine grosse Mehrheit der Aktionäre hinter mir steht.

Welche Auswirkungen hat die Geschichte für den Käser? Schaut man ihm genauer auf die Finger?

Es ist für ihn und die Mitarbeitenden der Käserei eine sehr schwierige Situation. Obwohl der Betrieb 25 Mitarbeitende hat, kann man aber nicht einfach Personen austauschen und sofort jemand anderem die Geschäftsführung übergeben. Es braucht hier eine geordnete, aber zügige Nachfolgeregelung. Die Milchgold Käse AG hat das aufgegleist. Das wurde am Dienstagabend so auch den Aktionären kommuniziert.

Er führt die Käserei also weiterhin.

Ja.

Der Geschäftsführer der Milchgold Käse AG sitzt auch im Verwaltungsrat der Freiämter Käserei AG. Er ist ein grosser Aktionär. Welche Rolle spielt er im Verwaltungsrat?

Er spielt eine wichtige Rolle. Er hat hier mit der Käserei sehr viel erreicht. Auf sein Know-how lässt sich nicht so leicht verzichten.

Christoph Räz von Emmentaler Switzerland sagte, wenn der Wille zum Vertuschen da sei, könne man bei Kontrollen durchschlüpfen. Trauen Sie das dem Käser zu?

Ich kann die Frage nicht mit Ja oder Nein beantworten. Das muss im Verfahren der Sortenorganisation Emmentaler geklärt werden.

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