Minustemperaturen

Kältewelle aus Sibirien: Wie rüstet sich die Region?

Die sibirische Kältewelle aus dem Norden kommt langsam aber sicher auch über den Aargau. Schwierig wird es vor allem auf den Baustellen, Arbeitspausen sind deshalb angesagt. Aber auch Automobilisten müssen mit mehr Pannen rechnen.

Die Tiere im Wildpark Roggenhausen sind gegen die Kälte gewappnet. «Wir verzeichnen im Winter keine Verluste wegen der Witterung», sagt Tierpfleger Ruedi Lindenmann. Die Hirsche, Steinböcke und Wildschweine leben auch in der freien Natur im Schnee. «Nur wenn es ganz kalt wird, legen sich die Tiere hin», erklärt Lindenmann. «So verbrauchen sie weniger Energie.» Baulich sei das «Roggi» auf den Winter vorbereitet. In den Tier-Behausungen werde etwas mehr Stroh gestreut, damit sich die Tiere einnisten können und nicht frieren. Sonst ändere sich nichts. «Nur der Axis-Hirsch erhält mehr Futter», sagt Lindenmann. Weil dieser ursprünglich aus Sri Lanka komme, ist er die Kälte nicht so gewohnt.

Eine wichtige Massnahme bei Minustemperaturen sei es, die Wasserversorgung sicherzustellen. Lindenmann: «Weil das Wasser aus dem Kupferröhrchen nur tröpfelt, friert es in der Nacht manchmal ein.» Das sei aber nicht schlimm – sofern es tagsüber wieder laufe. Dafür sorgen die Tierpfleger, indem sie am Morgen einen Kübel heisses Wasser über das gefrorene Röhrchen schütten.

Sicherheit wichtig

Kaum Sorgen bereitet die anrollende Kältewelle der Polizei: «Wir treffen keine speziellen Vorkehrungen, werden aber die Strassen öfter auf Eisglätte kontrollieren und allenfalls den Unterhaltsdienst aufbieten. Weiter werden wir speziell auf die Sicherheit der Fahrzeuge achten», erklärt Kapo-Mediensprecher Roland Pfister. Gucklöcher in Autoscheiben würden nicht toleriert: «Das gefährdet die Sicherheit enorm. Die Scheiben von Autos müssen vor der Fahrt von Eis und Schnee befreit werden.» Toni von Däniken, Leiter Stabsdienst der Stadtpolizei Aarau, hat ebenfalls kein «Kälte-Aktionsschema» in der Schublade: «Wir handeln situativ, achten etwa auf den Zustand der Strassen und alarmieren den Werkhof, wenn es irgendwo kritisch ist.» Weder die Kapo noch die Stadtpolizei macht sich wegen Obdachlosen Sorgen: «Unsere Obdachlosen übernachten kaum im Freien. Wir schenken ihnen aber sicher die nötige Beachtung», sagt von Däniken. Roland Pfister von der Kapo sieht in diesem Bereich ebenfalls keine Probleme, erklärt aber: «Falls uns vermisste Personen gemeldet werden, würden wir in extrem kalten Nächten bestimmt mit deutlich höherem Personalaufwand nach ihnen suchen als in der warmen Jahreszeit.»

Auf dem Bau wirds schwierig

Anders präsentiert sich die Situation auf den Baustellen: «Wir haben bereits entschieden, unsere Aussenbaustellen am Donnerstag und Freitag stillzulegen», erklärt Hansjürg Furrer von der Implenia Bau AG in Buchs. Bei den angesagten tiefen Temperaturen könne nicht betoniert werden und auch andere Arbeiten
zu verrichten, sei schwierig: «Unsere Arbeiter können mit der Kälte umgehen. Aber wenn alles vereist, wird es zu gefährlich», sagt Furrer. Rund die Hälfte der Leute könne für Arbeiten in Gebäuden herangezogen werden, der Rest werde Überstunden kompensieren. Ein paar kalte Tage seien für das Baugewerbe allerdings noch kein Problem: «Da sind wir flexibel. Kritisch wird es erst, wenn die Temperaturen für längere Zeit unter null Grad sinken. Dann müssten wir die Schlechtwetter-Versicherung in Anspruch nehmen.»

Markierung mit Heiz-Strahlern

Auf der A1-Baustelle Lenzburg– Birrfeld sind zwischen dem Aabach- und dem Bünztalviadukt in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag Markierungsarbeiten angesagt: «Wir haben vorsorglich Heizstrahler angefordert. Weiter sind geplante Betonierarbeiten am Aabachviadukt vorderhand verschoben worden», erklärt Esther Widmer vom Astra.

Auch auf anderen Grossbaustellen im Aargau können in den nächsten Tagen wohl kaum alle geplanten Arbeiten ausgeführt werden: «Wenn die Temperaturen in der Nacht unter fünf Grad sinken, kann nicht mehr betoniert werden. Erdarbeiten, wie das Verlegen von Werkleitungen ist allerdings auch bei tieferen Temperaturen noch möglich. Die Böden sind ja noch nicht gefroren», sagt Beat von Arx, Leiter Sektion Brücken und Tunnel im Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Allerdings gebe es gewisse Grenzen: «Wenn die Temperaturen zu stark sinken, wird es für die Bauarbeiter sehr unangenehm.»

Deutlich mehr Autopannen

«Wir rechnen mit deutlich mehr Autopannen in den nächsten Tagen», sagt Bruno Lindenmann, der im Freiamt, Seetal und Wynental als TCS-Pannenhelfer tätig ist: vereiste Türschlösser, schwache Batterien, Scheibenwischer-Defekte wegen Überbelastung und eingefrorene Kühler wegen mangelnder Kühlflüssigkeit – aufgrund der langen Service-Intervalle seien heute viele Autos schlecht auf die kalte Witterung vorbereitet, sagt Lindenmann.

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