Patrik Müller: «Endlich wissen unsere Kinder, was Winter ist»

Dieser Januar – was für ein Monat! In Aarau lag die Temperatur an 16 Tagen konstant unter dem Gefrierpunkt, in den höheren Lagen unseres Kantons konnte man praktisch den ganzen Monat schlitteln, und der Langlaufverein Kalthof-Wiliberg denkt über eine Kunstschnee-Loipe nach. Schneekanonen im Aargau: Sogar davon darf man träumen. Es war der kälteste Januar seit 30 Jahren – nun wissen unsere Flachland-Kinder, was Winter ist!

Die Kältephase hat in diesem Monat, der von vielen schlechten Nachrichten aus der Welt geprägt war, entschleunigend und beruhigend gewirkt. Die Strassenverhältnisse entschuldigten uns, wenn wir zu spät zu einem Termin erschienen, und noch selten fühlten sich die geheizten Büros so wohlig an. Zwar wurde da und dort über den Hochnebel geklagt, aber Hand aufs Herz: Das Grau lässt sich über einer weissen Schneeschicht doch viel besser ertragen. Und grau wars ja nicht immer: Vorgestern Sonntag, ich war Zeuge, zogen auf der Kunsteisbahn in Wettingen Hunderte im Sonnenschein ihre Kurven.

Und wir sollten nicht nur an uns denken, sondern auch an die notleidenden Tourismusgebiete und den Sportartikelhandel. Beide spüren die Winterlust der Unterländer. Es ist erwiesen: Wenns unten kalt und weiss ist, fahren sie öfter in die Berge. Nun ist die Kälte vorerst vorbei – nächstes Mal darf sie durchaus schon im Dezember kommen. Unsere Kinder sollten auch wissen, was weisse Weihnachten ist.

Urs Moser: «Was bleibt, ist ein Haufen unansehnlicher Matsch»

Natürlich ist der Klimawandel nicht zu bagatellisieren und natürlich ist es bitter, dass die Tourismusbranche darbt, wenn immer öfter der Schnee ausbleibt. Aber trotzdem: Was um Himmels willen soll an diesem rekordverdächtigen Januar hier im Unterland so toll gewesen sein? Wir haben uns wochenlang den A.... abgefroren, wochenlang kaum Sonnenlicht gesehen, im Betrieb liegt die halbe Belegschaft mit grippalen Infekten flach und an die nächste Heizkostenabrechnung wage ich schon gar nicht zu denken.

Ein, zwei lustige Schneeballschlachten, ein, zwei Schlittelfahrten einen kleinen Idiotenhügel hinunter – der Rest ist ein Haufen unansehnlicher Matsch, der dem Städter noch ein paar Tage als Erinnerung an den vergänglichen «Winterzauber» bleibt. Im besten Fall, im schlechten kommt noch ein Korrosionsschaden am Wagen hinzu, dem der Winterdienst auch eingeschränkt zugesetzt hat. Halten wir also nüchtern fest: Die Kosten-Nutzen-Analyse dieses kältesten Januars seit Jahrzehnten fällt erbärmlich aus, ausser für die Rheinsalinen vielleicht.

Doch etwas Positives hatte die Saukälte auch. Sie weckte die Hoffnung auf ein Frühlingserwachen und den Glauben daran, dass es so etwas wie atmosphärische Gerechtigkeit geben muss: Dass auf die Rekordkälte auch bald ein Rekordsommer folgt, in dem die Badanstalten kein Defizit schreiben und sich die Gartenbeizer eine goldene Nase verdienen.